Datenrettung für Interviews

Das versehentliche Löschen von wichtigen Daten ist ärgerlich. Egal, ob es das wichtige Interview, das geschriebene Transkript oder andere Daten sind - einmal unbeabsichtigt gelöscht, kann man sich eines guten Adrenalinpegels sicher sein. Erfreulicherweise gibt es ein kostenfreies Tool, was in dieser Not gute Dienste leistet: Recuva. Wir haben ein kurzes (Video-)Tutorial für Sie aufbereitet und zeigen, wie Sie Ihre Interview-Daten retten können.

Mir selbst ging es neulich so, als ich meinen USB-Stick aufräumen wollte und beim Sortieren sowohl ein Interview, als auch das Transkript gelöscht habe. Mit Recuva gelang die Wiederherstellung sehr einfach.

Mit Recuva gelöschte Dateien wiederherstellen

1. Nach Möglichkeit sollten Sie auf dem Laufwerk, auf dem sich gelöschte Daten befinden, bis zur vollständigen Wiederherstellung keine zusätzlichen Daten speichern (damit die verlorenen nicht völlig überschrieben werden).

2. Laden Sie Recuva und installieren die Software (http://www.piriform.com/recuva)

3. Öffnen Sie Recuva und nutzen den Assistenten. Am besten wählen Sie dabei aus, dass nach allen Datenformaten gesucht werden soll.

 

4. Stellen Sie im nächsten Schritt sicher, dass Sie auch den Tiefenscan aktiviert haben, nur dann findet Recuva wirklich die meisten Daten wieder.

5. Die Suche selbst kann zwischen 10 Minuten und einigen Stunden dauern (bei meiner 400GB Festplatte etwa 6 Stunden).

6. Das Suchergebnis wird in einer tabellarischen Liste aufgeführt, bei der Sie einzelne (oder mehrere / alle) Daten auswählen und auf einem ANDEREN Laufwerk speichern können.

Fertig!

Eine umfangreiche Anleitung in englischer Sprache finden sie hier: http://www.piriform.com/docs/recuva

Hier das ganze nochmal anschaulich als Video aufbereitet:

 

Wichtig zu beachten!! - wesentliche Schlußfolgerung

Nachdem wir sehr glücklich über die Ergebnisse und die wiedererlangten Dateien waren, stellten wir etwas besonderes fest. Mit Recuva lassen sich wirklich fast alle Daten wiederherstellen. Nicht nur die, die man vor einer Stunde gelöscht hat, sondern auch solche, die sich auf einer völlig frisch formatierten (aber bereits früher mal genutzten) Festplatte befanden.

Nicht weiter schlimm? Doch! Denken Sie an folgende Situation: Sie verkaufen Ihr altes Notebook oder Ihre externe Festplatte oder nur Ihren USB-Stick. Der Käufer hat mit Recuva ebenfalls die Möglichkeit Daten wiederherzustellen und somit an Informationen zu gelangen, die nicht für ihn bestimmt sind.

Oder ein Aufnahmegerät wird im Verleih eingesetzt. Hier kann jeder nachfolgende Nutzer zumindest einen Teil der zuvor gelöschten Interviews wiederherstellen und sich anhören.

Nach Rücksprache mit Informatikern ist uns nun klar, dass ein gelöschtes und formatiertes Speichermedium nicht wirklich leer ist. Selbst nach rund 20 Überschreibzyklen lassen sich immer noch Daten auffinden. Bei wirklich sensiblen Informationen, wie Interviews (die dem Datenschutz unterliegen), Analysen, Bildmaterial uvm. verbietet es sich eigentlich, die dazugehörigen Datenträger irgendwann in fremde Hände zu geben. Es bleiben nur zwei Alternativen: 1. ein (von uns bisher nicht geprüftes) Tool zur sicheren Löschung aller Daten zu nutzen - dies kostet Geld und dauert viele Stunden oder 2. "sicher vernichten" (mit der Bohrmaschine durchbohren) :-)

 

Ergänzung (04.07.2011): Wir wurden von einem Leser unseres Praxisbuches darauf aufmerksam gemacht, dass es vollkommen ausreichend ist, den entsprechenden Datenträger einmal mit unbrauchbaren Daten zu überschreiben. (Artikel dazu in der c't: www.heise.de/artikel-archiv/ct/11/05/092/) Kostenfreie Tools, die dies beherrschen finden sich beispielsweise unter: www.heise.de/software/download/o0g0s3l11k307

Vielen Dank für den nützlichen Hinweis, Herr Martens!