Marantz PMD-661

Arbeitstier mit perfekter Usability!

Während bei vielen Herstellern der Trend zum kleinen Westentaschenrekorder geht, setzt der Marantz PMD 661 weiterhin konsequent auf Usability: Mit 17,5cm * 9,2cm * 3,5cm wahrlich ein dicker Brocken. Er erinnert an alte Reporterrekorder und bietet besonders viele Anschlussmöglichkeiten: Mic-/Line-In per XLR mit echten 48V Phantomspeisung, Line-In per 3,5mm Klinke, sowie Digital-In und Line-Out per Cinch. Wie sich das PMD-661 in unserem Test geschlagen hat, lesen Sie in den folgenden Abschnitten.

Verarbeitung

Das PMD 661 macht insgesamt einen äußerst stabilen Eindruck. Das Gehäuse besteht größtenteils aus ABS-Kunststoff, die Oberseite mit den Bedienknöpfen für Aufnahme, Abspielen und Dateisteuerung ist mit einer Metallblende verkleidet. An der Unterseite befindet sich ein Metallgewinde für ein Stativ sowie das Batteriefach (4xAA).

An der Fußseite befinden sich zwei stabile Metallbügel, an denen sich ein Tragegurt befestigen lässt. Praktischer Doppelnutzen: Die Metallbügel stehen so weit vor, dass sie die manuellen Pegelregler überragen und damit quasi durch einen "Überrollbügel"-Effekt schützen. Die Mikrofonkapseln an der Kopfseite sind ins Gehäuse integriert und zusätzlich durch ein Gitter gut geschützt. Alle Anschlussbuchsen und Tasten sind im Gehäuse versenkt und damit vor Aufprall geschützt.

Bedienung

Das Marantz PMD-661 schont die Fingerkuppen. Die Tasten für Aufnahme, Pause und Stop sind groß und aus butterweichem Gummi. Die Gummioberfläche dieser drei Knöpfe hat verschiedene Reliefstrukturen, der Aufnahmeknopf steht etwas hervor, so lassen sich die Funktionen auch ohne Kontrollblick sicher aktivieren.

Sämtliche Knöpfe lassen sich mit breit aufgelegtem Daumen bedienen. Ein relativ weicher Druckpunkt verhindert störende Klickgeräusche auf der Aufnahme. Sie reagieren äußerst zuverlässig: Leichtes Berühren aktiviert bereits die Funktion. Das Gerät mit einer Hand zu halten und mit dem Daumen derselben Hand die Knöpfe zu drücken, gelingt mit großen Händen, ansonsten hält man das Gerät besser mit der einen Hand und bedient mit der anderen die Knöpfe.

Aufnehmen in Sekundenschnelle

Nach dem Einschalten ist das Gerät binnen 3 bis 4 Sekunden betriebsbereit. Die Aufnahme kann sofort mit Druck auf die REC-Taste gestartet werden. Über die Pausepaste verbleibt die Aufnahme zunächst in einem Pausemodus. Während der Aufnahme lassen sich über eigene Tasten Indexmarken einfügen oder direkt eine neue Datei erstellen.

Automatische Aussteuerung

Die automatische Aussteuerung (ALC) versieht einen guten Dienst, allerdings bleibt ein auffälliges Pumpen nicht aus. Somit ist die ALC bestenfalls für ein schnelles Interview geeignet. Ein guter Limiter wäre hier sinnvoller gewesen. Hier mutet Marantz dem Nutzer zu, beim Pegeln stets eine entsprechende Reserve einzuplanen.

Manuelle Aussteuerung

Die manuelle Aussteuerung kann für linken und rechten Kanal getrennt geregelt werden. Zusätzlich zur angenehm großen, digitalen Pegelanzeige auf dem Display bietet das Gerät am Fußende eine abgeschrägte Pegelanzeige mit grünen LEDs bis -12dB, roten LED für die Aussteuerungsreserve plus einer Übersteuerungsanzeige. Im Schummerlicht im Zimmer oder Studio wunderbar lesbar, aber für "Atmo-Jäger" im Sonnenlicht leider nicht sichtbar.

Arbeiten mit "Presets"

Für den schnellen Wechsel zwischen verschiedenen Aufnahmeszenarien arbeitet Marantz mit so genannten Presets. Auf drei Speicherplätzen können die Einstellungen sämtlicher verfügbaren Menüoptionen hinterlegt und mit Namen versehen werden. Die Presets sind zudem auf der SD-Karte speicher- und editierbar. So kann das Gerät von verschiedenen Personen genutzt werden, ohne dass man sich gegenseitig die Grundeinstellungen verstellt. Als Aufnahmeformat stehen zur Verfügung PCM bis 96k, 24bit oder MP3 von 64 bis 320kbps, in Stereo oder wahlweise Mono.

Klangeigenschaften

Die Aufnahme mit dem eingebauten Mikrofon ist satt und bassbetont mit einem guten Stereobild. Gegenüber Handgeräuschen und Wind verhält sich das interne Mikrofon erfreulich unempfindlich.

Probeaufnahme Ambiente (download)

Sprache mit internen Mikrofonen (download)

Sprache mit dynamischem Mikrofon (Beyerdynamics M58) (download)

Sprache mit Kondensatormikrofon (Rode NT2000) (download)

Abspielen

Die wichtigen Funktionen zum Abspielen, Track Weiterklicken und Abspiel-Tonhöhe Verändern lassen sich wunderbar intuitiv über das zentral positionierte Steuerkreuz benutzen. Allerdings haben wir zunächst nicht herausgefunden, wie sich innerhalb von Aufnahmen beim Abhören spulen lässt. Das übliche "Links- bzw. Rechts-Taste länger halten" tut es nicht! Die Lösung: Das Abspielen mit Pause unterbrechen und dann Links- bzw. Rechts-Taste länger halten. Die kleinen Stereolautsprecher zum Abhören erfüllen ihren Zweck, Klangwunder lassen sich natürlich nicht erwarten.


Dateiverwaltung und Menüsteuerung

Dateien speichert das Marantz PMD-661 auf SD-Karten, einen internen Speicher gibt es nicht. Unterhalb des Displays befinden sich kontextsensitive Funktionstasten. Im Zusammenspiel mit dem Steuerkreuz lassen sich sämtliche Einstellungen schnell auffinden und intuitiv bedienen. So können beispielsweise auf dem Gerät neue Ordner angelegt und frei benannt oder Dateien in beliebige Ordner verschoben oder am Gerät geschnitten werden. Auf Befehle im Menü reagiert das Marantz PMD-661 superschnell.
Einzig den Befehl "Alle Dateien im Ordner löschen" sucht man ggf. vergebens. Hier muss bei vielen Einzelaufnahmen jede einzeln löschen. Je nach Sichtweise dient das der Sicherheit vor versehentlichem Löschen oder eben lediglich dem Training der Daumenmuskulatur.

Display

Das Display wirkt im Verhältnis zur Gehäusegröße relativ klein, allerdings zeigt die Anzeige große Ziffern, die sich bequem ablesen lassen. Mit weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund verfügt das Display über einen sehr guten Kontrast, auch im Dunkeln. Wahlweise können verbleibende Zeit, Ablaufzeit, digitale Pegelanzeige oder Dateimerkmale großformatig angezeigt werden. Dauerhaft zeigt das Display den Batteriestatus an. Einziges Manko: Bei Sonneneinstrahlung ist schnell nichts mehr lesbar, eine Hand zum Beschatten bringt Abhilfe.

Stromversorgung

Strom bezieht das Gerät über einen der mitgelieferten Netzadapter oder 4 AA Batterien. Mit Sanyo Eneloop-Akkus kamen wir auf eine Aufnahmelaufzeit von 7,5 Stunden. Das ist nicht üppig, aber für einen Arbeitstag durchaus ausreichend. Niedriger Batteriestatus wird zunächst über Blinken des Batteriesymbols im Display signalisiert. Nicht auffällig, aber sichtbar. Vor dem kompletten "Leerlaufen" der Batterien wird die aktuelle Aufnahme selbstverständlich gesichert.


Anschlussmöglichkeiten

Der Marantz PMD 661 lässt in puncto Anschlussmöglichkeiten fast keine Wünsche offen: XLR-Anschlüsse für Stereo oder Mono, mit zuschaltbarer Phantomspeisung gestatten den Anschluss von dynamischen Reportermikrofonen oder von Kondensatormikrofonen. Line-Out wird über farblich kodierte Cinch-Buchsen angeboten, Line-In ist über die XLR-Buchsen oder eine 3,5mm-Klinke möglich. Der Digitaleingang wird DAT-Nutzer erfreuen. Ein (schneller) USB-Anschluss und SD-Karten-Slot sind für ein Gerät mit solcher Ausstattung selbstverständlich. Der Kopfhöreranschluss ist mit einer robusten 6,35mm-Klinke versehen.


Weitere Features

  • 2 Sekunden PreRecord
  • LowCut und HighCut
  • SilentSkip (überspringen von leisen Passagen)
  • AutoTrack (automatisches Anlegen einer neuen Datei nach bestimmten Zeitintervallen, einstellbar von 1 Minute bis 24 Stunden)
  • PitchControl (Anpassung der Wiedergabegeschwindigkeit von -40% bis +20%)
  • Tastensperre
  • Optionale Kabelfernbedienung

Anwendungsgebiet

Der Marantz PMD-661 ist ein dicker Klotz, den derjenige gerne mit sich trägt, der Wert auf ein robustes Gerät mit verschiedenen Anschlussmöglichkeiten setzt.  Durch den fehlenden Limiter ist klar: Das Gerät richtet sich an Nutzer, die den Pegelregler sicher und gerne nutzen. 

Während Geräte wie Zoom H4n oder Tascam DR-100, die auch über XLR-Anschlüsse verfügen, von ihrer Funktionalität eher auf Musiker ausgerichtet sind, wendet sich der Marantz PMD-661 an Reporter und Nutzer, die im Außeneinsatz schnell und auch in Stresssituationen fehlerfrei aufzeichnen möchten. Während das Marantz PMD661 auf eine schnelle und fehlerfreie Bedienbarkeit setzt, bietet der Tascam DR-100 viele Optionen direkt als Taste. Damit ist die Geräteoberfläche deutlich weniger aufgeräumt. Auch das Display des DR-100 setzt eher auf vielfältige Informationen, während das Display des PMD661 (umschaltbar) jeweils nur wenige Informationen, dafür aber großformatig anzeigt.

Fazit

Das Marantz PMD-661 ist unsere Empfehlung für den universellen und robusten Einsatz. Die Tasten sind stabil, groß, übersichtlich positioniert und leicht zu finden. Sie reagieren auf Druck angenehm leicht. Das große Display ist, außer bei direkter Sonneneinstrahlung, gut ablesbar und informiert großformatig über Detailinformation. Obwohl er schon als Standalone-Gerät überzeugt, bietet der Anschlussmeister zudem Phantomspeisung und XLR Anschlüsse. Die Laufzeit der 4xAA Akkus finden wir mit ca. 7,5 Stunden vergleichsweise stromhungrig, aber für das Leistungsangebot akzeptabel. Mit zusätzlichem externen Mikro (z.B. Rode NT2000 oder NT4a) ist der Marantz eine solide Ausstattung für den Reporter oder anspruchsvollen Sprecher.