Sony PCM-D50

Präzisionsbesteck für Audiophile

Mit einem Preis von 569 Euro rangiert der Sony D-50 unter den teuren Geräten. Unsere Erfahrungen mit diesem Gerät zeigen jedoch: Der D-50 ist sein Geld absolut wert, wenn man die Stärken des Gerätes zu schätzen weiß. Hier finden Sie unsere Erfahrungen und ein paar Entscheidungshilfen, um abzuwägen, ob der D-50 das passende Gerät für Sie sein könnte.

Verarbeitung & Bedienung

In Punkto Verarbeitung trumpft der D-50 richtig auf: Solides Aluminiumgehäuse, verlustsicherer Batteriefachdeckel, schlaggeschützte Mikrofonkapseln und viele Hardware-Schalter untermauern den professionellen Anspruch des Gerätes. Es ist eine Freude, ihn in der Hand zu halten, auch nach vielen Monaten noch.

Über die Schalter auf der Oberfläche des Gerätes lassen sich Limiter, Low-Cut oder Mikrofonempfindlichkeit direkt ohne Menü ein- und ausschalten. Ein Druck auf die Taste "Divide" erstellt direkt während der Aufnahme eine neue Datei.

Die Positionierung der Mikrofone kann zwischen YX-, AB- und ORTF-Positionierung verstellt werden:

- XY, also die Mikrofone im 90 Grad-Winkel gegeneinander zeigend, mit leichter Richtcharakteristik nach vorne, starker links-rechts Unterscheidung, aber geringer Abbildung von Raumtiefe, für nahe bis mittlere Entfernungen.

- AB, also Mikrofone parallel nach vorne, für gute Abbildung von Raumtiefe, beispielsweise bei Innenatmosphäre oder Orchestermusik.

- ORTF, also die Mikrofone im 120 Grad Winkel nach außen, Aufnahmen im ausgewogenen Verhältnis von Raumtiefe und rechts-links-Verortung, für differenzierte Stereoabbildung.

Besondere Hervorhebung verdient das Aussteuerungs-Rad. Dieses ist geschützt unter einem Metallbügel angebracht und so gelagert, dass eine Aussteuerung während der Aufnahme keine störenden Geräusche produziert. Das gelingt so dezent ansonsten nur mit dem Marantz PMD 661. Das Rad ist zudem sehr griffig, sodass eine sehr feine Aussteuerung möglich ist.

Das Menü ist übersichtlich, ohne viele Unterebenen, aber mit einigen Optionen, die kein Mitbewerber liefert. So lässt sich die Reaktionszeit des Limiters zwischen 150ms und 1 Minute einstellen oder die Frequenz des LowCut-Filters auf 75Hz oder alternativ auf 150Hz anpassen.

Als einziges Manko der Bedienung kann die Größe des Gerätes angesehen werden. Es ist recht klobig und kein Gerät zum "einfach mal in der Jackentasche" mitnehmen. Dennoch ist die Größe so gewählt, dass die Bedienelemente gut erreichbar sind. Hält man den Sony D50 in der rechten Hand, so kann der Daumen bequem die Aufnahme-Taste drücken und danach auf dem Aussteuerungsrad ruhen. 

Das Display liefert gut lesbare Informationen. Die Zeitanzeige ist umschaltbar zwischen Aufnahmelänge und verbleibender Aufnahmedauer. Die Pegelanzeige wird unterstützt von LED. So wird beim Sony PCM D50 nicht nur, wie bei allen mobilen Rekordern üblich, eine Übersteuerung  durch ein rotes LED angezeigt. Eine grüne LED zeigt für jeden Stereokanal separat an, wenn sich der Pegel im "Arbeitsbereich" zwischen -12dB und 0dB befindet.

Klang

Neben der guten Verarbeitung besticht der Sony PCM-D50 durch einen sehr transparenten und klaren Klang. In unserem Atmo- und Orgel-Tests erhielt der Rekorder durchgehend sehr gute Bewertungen und liegt meist ganz vorne. Das Klangbild lässt sich beschreiben als hell und klar, ausgesprochen differenziert mit ausgeprägtem Stereobild und einer sehr guten räumlichen Verortung.

Sony PCM D50 Orgelaufnahme (download)

Sony PCM D50 Atmoaufnahme, leichte Windgeräusche (download)

Unter den uns bekannten Geräten unter 600 Euro liefert das Sony PCM-D50 den empfindlichsten Eingangspegel. Selbst leise Geräusche können daher detailliert und kräftig aufgezeichnet werden.

Bei Vollaussteuerung in einem ruhigen Raum erreicht der Sony PCM-D50 (obere Wellenform) einen deutlich höheren Pegel als andere Rekorder (hier z.B. das LS-11 in der unteren Wellenform).

Die flexible Mikrofonausrichtung, viele Menüoptionen und die feine Justierbarkeit des Eingangspegels machen das Sony D-50 zu einem Gerät mit maximaler Kontrolle über das Klangbild.

So verzichtet Sony im D-50 auch auf einen eingebauten MP3 Konverter. Die Aufnahmen sind nur direkt als WAV möglich. Diesem Credo an den "naturbelassenem" Sound ist auch geschuldet, dass keine Mono-Aufnahmen möglich sind.

Features

Die Batterieversorgung erfolgt über 4 AA Batterien. Diese sorgen für etwa 25 Stunden Aufnahme mit einer Ladung. Das ist im Vergleich zu Mitbewerbern äußerst komfortabel.
Negativ bleibt zu erwähnen, dass ein Netzteil nicht im Lieferumfang enthalten ist und es, aufgrund des unverhältnismäßig teuren Preises, nur schwer nachzubestellen ist.

Außerdem bietet das Gerät: 5 Sekunden Pre-Rec. - Limiter - Dateiteilung während der Aufnahme -  Geschwindigkeitsanpassung - 4GB interner Speicher - Erweiterung über Sony Memory Stick Pro-HG Duo oder Memory Stick Pro Duo (High-Speed) - optionale Kabelfernbedienung - Optischer LineIn und LineOut. Ein optionaler Windschutz ist ebenfalls erhältlich.

Die alleinige Unterstützung der Sony-Speicherkarten ist sehr schade, die universelleren SD-Karten wären deutlich angenehmer.

Fazit

Das Sony D-50 ist kein Gerät für schnelle Audio-Schnappschüsse (obgleich diese auch möglich sind). Es richtet sich an Nutzer, die Wert auf einen kristallklaren Klang und ein möglichst präzises Klangbild setzen. Für derart ambitionierte Aufnahmen liefert ansonsten kein Mitbewerber ein so differenziert anpassbares Gerät.

Das Gerät empfehlen wir für alle, die einen natürlichen Klang wünschen und das Gerät für verschiedenste Aufnahmesettings anpassen möchten.  Wer beispielsweise einen klaren Klang sucht und ausschließlich seinen Chor aufzeichnen möchte, ist wahrscheinlich mit dem Tascam DR-2d (für die Hälfte des Preises des D50) bereits sehr gut ausgestattet. Wer sich allerdings für verschiedenste Aufnahmesituationen wappnen möchte und sowohl den Hall eines Kirchenschiffs, als auch  das Ambiente eines Parks genauso wie leise Geräusche (z.B. das Summen einer Biene in einer Blume) aufzeichnen möchte, hat mit dem Sony PCM D-50 ein ausgezeichnetes und universelles Werkzeug, das sein Geld wert ist.

Hinweise zur Bedienung

Eine Audio-Bedienungsanleitung, unter besonderer Berücksichtigung blinder Bedienung, wurde uns freundlicherweise von Patrik Darras und Marion Bender zur Verfügung gestellt.  (download)