Tascam DR-100 Digital Rekorder

Testbericht

Heute haben wir uns ein weiteres Produkt von Tascam näher angeschaut, den Tascam DR-100. Er ist der größere Bruder des Tascam DR-07 und wurde zeitgleich Anfang 2009 neu vorgestellt.

Der Tascam DR-07 hatte uns bereits im Praxistest überzeugt, sowohl Aufnahmequalität als auch Preis-/Leistungsverhältnis liegen auf gutem Niveau. Umso gespannter waren wir auf den DR-100, der mit einer UVP von 499 Euro aber deutlich teuerer ist (aktueller Straßenpreis 429 Euro). Damit liegt das Gerät preislich nahezu gleichauf mit dem Olympus LS-10, mit dem wir es als Referenzgerät vergleichen wollen. Im Folgenden lesen und hören Sie unsere Einschätzungen.

Ausstattung und Verarbeitung

Der Tascam DR-100 ist mit seinem großen und robustem Metallgehäuse speziell für den professionellen Einsatz entwickelt worden und nimmt direkt im WAV- oder MP3-Format auf. Dabei kann beim Tascam DR-100 zwischen den eingebauten gerichteten und ungerichteten Mikrofonen, XLR-Eingängen mit schaltbarer 48-Volt-Phantomspeisung und einem Line-Eingang auf Miniklinke gewählt werden.  Ein kleines Manko: Mikrofone mit 3,5mm Klinkenstecker können nicht angeschlossen werden.

Die Aussteuerung der Aufnahmen regelt man bequem über einen sogenannten Tandemregler, bei dem es möglich ist, den linken und rechten Kanal unterschiedlich auszusteuern. Gestartet wird dabei manuell oder automatisch pegelgesteuert, vorgezogen (um bis zu 2 Sekunden), verzögert (um Tastengeräusche von der Aufnahme auszuschließen) oder per Fernbedienung.

Eine automatische, analoge Pegelaussteuerung mit gutem Limiter, ein Trittschallfilter mit drei schaltbaren Grenzfrequenzen, ein Kopfhörerausgang und abschaltbarer Lautsprecher, ein Anschluss für eine Kabelfernbedienung und ein USB-Anschluss vervollständigen die Ausstattung.

Der Tascam DR-100 wird mit einer 2 GB fassenden SD-Karte, drahtloser Fernbedienung, Windschutz und Tasche geliefert und kann wahlweise über den enthaltenen leistungsstarken Lithium-Ionen-Akku (aufladbar per USB!),  zwei AA-Batterien oder einen optionalen Wechselstromadapter betrieben werden. Ein ins Gehäuse integriertes Gewinde erlaubt die Befestigung auf einem Stativ.

Einschätzungen zu Optik und Haptik

Nach dem Öffnen der Verpackung halte ich den Tascam DR-100 in meinen Händen - ziemlich groß ist es (80.5mm x 35mm x 151mm). Locker viermal so groß, wie der dagegen schlanke Olympus LS-10. Der DR-100 wird der Bezeichnung "Gerät" in jedem Fall gerecht und ich meine das nicht negativ.

Das Arbeitsgerät ist hochwertig verarbeitet, nichts klappert und alles macht einen robusten Eindruck. Auffällig sind die vielen Tasten am Gerät (teilweise aus Metall), hier sind viele Funktionen, die sich sonst in einem Menü verbergen, direkt als Schalter auf das Gerät gewandert. Egal ob Phantomspeisung, Trittschallfilter, Limiter uvm. Am pfiffigsten wirken das Aussteuerungsrad an der Seite (links und rechts getrennt steuerbar) und das Rad auf der Vorderseite zur Menü- oder Spulsteuerung.

An der Unterseite lassen sich zwei XLR-Kabel anschließen. Gespeist wird das Gerät durch 2 AA Batterien, hat aber zusätzlich, und das ist wirklich neu, einen wechselbaren Akku an Bord, der nicht über ein Netzteil, sondern ein USB-Kabel aufgeladen wird. Gute Lösung - ein Netzteil ist dadurch eigentlich nur selten nötig. Tascam gibt an, dass eine Aufnahme im MP3-Modus mit dem BP-L2 Akku etwa 5 Stunden und den 2 AA Batterien etwa 2 Stunden möglich ist. Ein erster Dauertest ergab bei uns 5,5 Stunden und 1,3 Stunden.

Negativ anzumerken ist, dass das Gerät keinen 3,5mm-Klinke-Anschluß für ein einfaches externes Mikrofon besitzt.

Aufnahmequalität

Unser Fokus ist die Aufnahme von Gesprächssituationen. Für unsere Probeaufnahmen haben wir daher entsprechende Settings gewählt. Parallel wurden alle Situationen mit einem Olympus LS-10 aufgezeichnet, um einen guten Vergleich mit unserem Referenzgerät zu ermöglichen. Vier unterschiedliche Szenarien sind in der Probeaufnahme zu hören: Ansage und Eigenrauschen, Gruppengespräch, Stereotest draußen, Windempfindlichkeit.

Das Ergebnis klingt gut. Die Aufnahmen des DR-100 sind klar und realistisch. Rauschfrei ist aber auch dieses Gerät nicht - lediglich in der Einstellung Low und einer Entfernung von etwa 15 cm zum Gerät ist eine solche annähernd zu erreichen.  Trotzdem sind selbst feine Hintergrundhandlungen wie Tastaturtippen im Nebenzimmer oder Wasserplätschern gut dargestellt. Die Aufnahmen gefallen uns insgesamt etwas besser als die des LS-10 und auch besser als die des Zoom H4n. Im September 09 werden wir aber einen großen Vergleichstest zwischen allen Aufnahmegeräten machen, dann wissen wir mehr.

Der Aufnahmepegel der internen Mikrofone ist im Vergleich zu anderen mobilen Rekordern sehr leise.

Negativ anzumerken sind die Handgeräusche bei der Aufnahme und die Windanfälligkeit, aber der mitgelieferte Windschutz kann das fast vollständig kompensieren (bis zum Ende anhören!). Auch der interne MP3-Encoder scheint in unserem ersten Test leichte Schwächen mitzubringen, das prüfen wir noch. (Beim DR-100 scheint es auch ein Problem mit einem Störgeräusch gegeben zu haben, das per Update gelöst wurde: http://tascam.de/sw/dr-100/DR-100_v102_EN.pdf)

Vergleich zum H4n

Mit den zwei XLR-Eingängen ähnelt der Tascam DR-100 in seinen Spezifikationen dem 70 Euro günstigeren Zoom H4n.
Die Hauptargumente des DR-100 liegen gegenüber dem Zoom H4n in einer besseren Aufnahmequalität mit den eingebauten Mikrofonen und einer insgesamt deutlich robusteren Verarbeitung. Allerdings ist es nur mit dem Zoom H4n möglich, von verschiedenen Eingängen gleichzeitig aufzunehmen. 

Einschätzung

Hier im Team sind wir uns einig. Tascam ist mit dem DR-100 für die von uns getesteten Aufnahmesituationen ein guter Wurf gelungen. Bei der Größe und Eleganz gefällt uns das Olympus LS-10 besser als der Tascam DR-100. Dieser läßt sich leider nicht mal eben so in der Jackentasche mitnehmen. Der Tascam DR-100 ist eben ein Arbeitsgerät. Aber als solches gibt er ein wirklich erstaunlich gutes Bild ab.

Sowohl die Verarbeitung, als auch Handling und die Aufnahmequalität gefallen uns ausgesprochen gut. Hier kann der DR-100 voll punkten und zeigt sich besser als das LS-10. Als Manko sehen wir, dass der DR-100 keinen 3,5mm-Mikrofoneingang besitzt.

Wenn da nur nicht die Größe wäre. Wer sich damit arrangieren kann, bekommt mit dem DR-100 aktuell die bessere Lösung. Wer ein handliches und elegantes Gerät wünscht, sollte sich dagegen für das Olympus LS-10 / LS-11 entscheiden. Beide spielen in der ersten Liga und sind nicht sehr weit voneinander entfernt.

In Stichworten gefallen uns: die sehr gute Verarbeitung, klare Tastenanordnung, breites Stereo-Klangbild, externe Mikrofone variabel anschließbar, Limiter sehr gut (!), bei Wind in den Mikrofonen nicht zu empfehlen, Windschutz aber überraschend sehr gut, Akku wird über USB ohne Stromkabel aufgeladen, linker und rechter Kanal bei der Aufnahme trenn- und aussteuerbar.

Zusatz 22.08.2009: Nach einigen Wochen des Verkaufs mussten wir feststellen, dass der DR-100 doch ab und an Defekte zeigt, bspw. nicht gut gehende Regler, Akku ohne Funktion o.ä. Hier haben wir bereits mit Tascam Kontakt aufgenommen und mehr Qualitätssicherung gefordert. Die Rückmeldung klingt positiv, in jedem Fall gibt es einen sehr schnellen Reperaturservice, der kulant reagiert und Fehler in der Produktion sollen in Zukunft verbessert werden.

Updates

Aktuelle FIrmware-Updates für das Tascam DR-100

Die Features des Tascam DR-100 im Überblick:

  • Digitalrecorder im Taschenformat für den Einsatz im professionellen Umfeld
  • Robustes Metallgehäuse
  • Aufnahme und Wiedergabe von MP3- und WAV-Dateien
  • Aufnahme auf SD-/SDHC-Karten
  • Wählbares Aufnahmeformat:
  • WAV mit 16 oder 24 Bit
  • MP3 mit 32, 64, 96, 128, 192, 256 oder 320 Kb/s
  • Auflösung bei der Aufnahme: 96kHz, 48 kHz oder 44,1 kHz
  • Vier eingebaute, hochwertige Kondensatormikrofone
  • Zwei gerichtete Mikrofone für Stereo-Musikaufnahmen
  • Zwei ungerichtete Mikrofone für Konferenz- und Tagungsmitschnitte
  • Zwei XLR-Mikrofoneingänge mit schaltbarer 48-Volt-Phantomspeisung
  • Stereo-Lineeingang mit einstellbarem Pegel Mini-Klinkenbuchse)
  • Tandem-Pegelsteller für intuitives Einpegeln
  • Schaltbarer Trittschallfilter (40 Hz, 80 Hz, 120 Hz)
  • Schaltbare analoge, automatische Pegelaussteuerung
  • Analoger Limiter zur Vermeidung von Übersteuerung, schaltbar mittels Schiebeschalter
  • Eingebauter Abhörlautsprecher (sehr leise!), abschaltbar mittels Schiebeschalter
  • Kopfhörerausgang mit Pegelsteller (Mini-Klinkenbuchse)
  • Separater Stereo-Lineausgang (Mini-Klinkenbuchse)
  • Speicher für vorgezogene Aufnahme (2 Sekunden) ermöglicht das Starten der Aufnahme bereits vor dem Drücken der Aufnahmetaste (verhindert, dass der DR-100 Tastengeräusche aufzeichnet)
  • Pegelgesteuerter Aufnahmebeginn (die Aufnahme startet, wenn das Eingangssignal einen bestimmten Schwellenpegel überschreitet)
  • Overdub-Funktion ermöglicht es, Sprache, Gesang oder Instrumente einer vorhandenen Aufnahme hinzuzufügen
  • Locate-Marken
  • Dateien umbenennen
  • Audiodateien teilen (etwa um unerwünschte Geräusche abzuschneiden)
  • Während der Aufnahme eine neue Audiodatei erstellen (manuell oder bei einer bestimmten Dateigröße)
  • Direktes Markieren oder Löschen einer Datei auf der Display-Startseite
  • Wiedergabefunktionen einschließlich:
  • Loop-Wiedergabe eines bestimmten Abschnitts
  • Wiedergabe eines gewählten Verzeichnisses oder einer Playliste
  • Anzeige von ID3-Informationen (bis Version 2.4)
  • Pitch-Control (-50 % bis +16 %)
  • Tempo ändern, ohne die Tonlage zu beeinflussen
  • Tonlage ändern, ohne das Tempo zu beeinflussen
  • Stativadapter auf der Unterseite erlaubt es, den Recorder auf einem Tisch- oder Mikrofonstativ zu befestigen
  • 2-Gigabyte-SD-Karte im Lieferumfang enthalten
  • USB-2.0-Verbindung für Dateiaustausch mit einem Computer
  • Batterie- oder Akkubetrieb: BP-L2 Lithium-Ionen-Akku (enthalten, für lange Betriebszeit) oder zwei praktisch überall erhältiche AA-Batterien
  • Drahtlose Fernbedienung, Windschutz und Transporttasche im Lieferumfang enthalten