Welches Aufnahmegerät ist das beste?

20.07.2011

Diese Frage stellt sich wahrscheinlich jeder, der auf der Suche nach einem neuen Aufnahmegerät ist. Auch wir standen vor 7 Jahren genau vor dieser Frage und suchten ein Aufnahmegerät für eigene Interviews. Da uns niemand eine entsprechende Antwort geben konnte, testeten wir alle verfügbaren Aufnahmegeräte. Diese Tests führen wir seitdem kontinuierlich fort. Das Ergebnis ist eine umfangreiche und stetig wachsende Sammlung an Einzeltest und großen Vergleichstest digitaler Rekorder. Mittlerweile schauen wir natürlich nicht mehr nur nach den besten Geräten für Interviews, sondern auch für vielfältige Situationen wie Musik, Atmo, Diktieren, Natur und vielen anderen Einsatzgebieten. Als Quintessenz aus den Testerfahrungen möchten wir Ihnen gern folgende Orientierungspunkte für die Rekorderwahl auf den Weg geben.

Qualität der Aufnahme

Natürlich ist die Qualität der Aufnahme ein wichtiger Punkt. Zentral ist, was später „an den Ohren ankommt“. Ein Gerät mit DER besten Aufnahmequalität gibt es jedoch nicht. Viele Geräte liefern hervorragende Aufnahmen, jedoch mit jeweils unterschiedlichem Klangbild. Ob diese Charakteristik „gut“ ist, hängt vom Einsatzszenario ab. Ein Beispiel: Sie wollen Sprecher aufnehmen, um ein Hörbuch zu machen. Hier bedarf es einer möglichst trockenen Stimmaufzeichnung ohne Nebengeräusche. Es gibt Geräte, die das ganz toll können. Die selben Geräte können aber einen Nieselregen oder sommerliches Grillenzirpen deutlich schlechter bis garnicht erfassen. Bedenken Sie also immer vorab, welche Aufnahmesituationen für Sie die zentralen sind. Wenn Sie dann Probeaufnahmen der Geräte auf unserer Website anhören, bewerten Sie die Klangqualität unter den folgenden vier Aspekten:
1. Stimm-/ Detailwahrnehmung: Wie gut lassen sich Sprecher und Klangquellen erkennen und unterscheiden? Je feiner und differenzierter, desto besser.
2. Rauscharmut: Wie stark ist eine Grundrauschen, vorallem in leisen Passagen, wahrnehmbar? Je weniger, desto besser.
3. Raumwahrnehmung: Wie gut ist der Tiefen-/Raumeindruck, hat man das Gefühl in die Situation einzutauchen oder wirkt es unnatürlich flach oder zu breit? Je natürlicher und raumfüllender, desto besser für Atmo und Gruppengespräche; je flacher und trockener, desto besser für Einzelsprecher.
4. Darstellung der Höhen und Tiefen: Werden hohe Frequenzen betont oder eher tiefe? Für Einzelsprecher wird meist ein sonorer Tiefer Klang als angenehm empfunden, für Raum-Atmosphäre eher eine klare Betonung der Höhen.

Für Interviewsituationen erleben wir eine eher helle, detailreiche Aufnahme mit wenig Bassbetonung als angemessen. Diese Charakteristik fördert die Sprecherunterscheidung, auch bei Überlappung der Redebeiträge und lässt sich auch über längeren Zeitraum über Kopfhörer angenehm anhören. Alle Hörsieger verschiedener Einsatzsituationen können Sie in unseren Vergleichstests finden!

Alltagstauglichkeit (Bedienung, Batterielaufzeit, Verarbeitung und Zuverlässigkeit)

Dies ist unserer Ansicht ein weiterer sehr wichtiger Punkt. Lässt sich das Gerät recht intuitiv bedienen, sind die wichtigen Funktionen schnell erreichbar, ist das Display gut zu lesen, hält die Batterie mindestens einen Arbeitstag? Und schließlich, wie ist das Gerät verarbeitet, wackelt nichts, gibt es viel Kunststoff oder eher Metall, sind die Knöpfe gut zu drücken oder wabbeln sie am Gerät herum? Mit wenigen Handgriffen lässt sich dies herausfinden. Leider liefern allein Produktbeschreibungen oder - photos hier keine zuverlässige Information. In den Testberichten auf unserer Webseite gehen wir daher gezielt auch auf die Haptik der Geräte ein. Aussagen zur Zuverlässigkeit können wir anhand von GarantieInterviews digital aufnehmen fällen bestimmen. Hier kann man recht deutliche Unterschiede feststellen. Geräte von Olympus und Sony sind sehr selten als Garantiefall wieder bei uns (unter 1 pro 1.000), wohingegen Zoom und Tascam hier häufiger defekt zurückgesendet werden. Unsere Daten sind nicht allgemeingültig, sie stellen nur den Ausschnitt der bei uns verkauften Geräte dar.

Aufnahmeformate

Für die reine Transkription von Interviews und Gesprächssituationen stellt MP3 den passendsten Kompromiss aus Datenreduktion, Hörqualität und flexibler Nutzung dar. Achten Sie hier bitte auf eine feste (nicht variable) Bitrate bei der MP3 Erstellung. WMA ist als Speicherformat hörbar äquivalent, lässt sich aber bspw. auf Apple Rechnern nicht uneingeschränkt abspielen. Unkomprimierte Aufnahmen im PCM-WAV-Format sind grundsätzlich auch nutzbar, bieten aber kaum Hörvorteile bei Interviewsituationen und verbrauchen bis zum Zehnfachen der Dateigröße. Viele andere Audio- oder Videoformate lassen sich leicht und schnell mit kostenfreier Software umwandeln. Ein entsprechendes Tutorial finden Sie auf unserer Website unter "Software". Wenn für Ihre Arbeit weiterverarbeitende Schritte nötig sind, wie bspw. eine phonetische Analyse, maschinelle Segmentation oder Signalanalyse, so ist es wichtig, dass die Aufnahmen als unkomprimierte WAV-Datei vorliegen. Auch wenn Ihre Aufnahmen später in der Dokumentationslinguistik oder in Dialogsystemen zur Verfügung gestellt werden sollen, bietet sich WAV als Dateiformat an. Entsprechende Archive (z.B. LDC in den USA, ELRA in Europa, BAS und IDS in Deutschland, MPI Nijmegen für ethnologische Aufnahmen) verlangen ein Format, das offen spezifiziert, dessen Erzeugung und Nutzung keinen Lizenzen unterworfen ist und das eine optimale Qualität garantiert. In der Praxis ist dies meist das WAV-Format. Ungeeignet dagegen sind die Datenformate DSS und DSSPro, die von Diktiergeräten produziert werden. Nutzen Sie diese bitte nicht für Interviews, die Tonqualität ist absolut ungeeignet und das Format benötigt proprietäre Soft- und Hardware. Auch eine spätere Umwandlung dieser Daten in MP3 bringt keine klangliche Verbesserung.

Externer Eingang

Aktuelle Rekorder haben in der Regel so gute interne Mikrofone, dass für Interviews und Fokusgruppen keine weiteren Mikrofone nötig sind. Wenn Sie dennoch für Spezialsituationen mit externen Mikrofonen arbeiten, so ist ein externer Mikrofoneingang ein beachtenswerter Aspekt. Gibt es sowohl einen Line-in, als auch einen gesonderten Mikrofoneingang (das wäre besser)? Bietet das Gerät echte XLR-Anschlüsse mit Phantomspeisung oder nur einen 3,5mm Klinkestecker? Ein 3,5mm Klinkenstecker lässt sich gut und flexibel mit vielen Mikrofontypen nutzen. Zum Beispiel mit einigen Lavalier-, Reportagemikrofonen oder Interviews digital aufnehmen einem Ausgang aus der HiFi-Anlage zwecks Digitalisierung. XLRAnschlüsse sind für professionelle Gesangsmikrofone und die Verbindung zu Mischpulten unverzichtbar. Die daumendicken XLR-Stecker rasten fest ein und sind so auch für einen robusteren Einsatz geeignet.

Wichtige Funktionen

In den Produktbeschreibungen lassen sich meist lange Listen der Gerätefunktionen finden. Für Interviews und Gruppenaufnahmen sollten Sie lediglich auf die folgenden Funktionen achten: „Automatische Aussteuerung / Pegeln“ - Die Aufnahmelautstärke wird vom Gerät automatisch gewählt. Das ist wichtig, wenn man nicht ständig einen Blick auf die Pegelanzeige richten möchte. Die Regelungen dieser Automatik sind in der Aufnahme als leichte Lautstärkeschwankungen wahrnehmbar. Für Interviews ist dies prima, für Musikaufnahmen hingegen nicht zu empfehlen.

Zubehör und Preis

Für ein gutes Interviewaufnahmegerät sollten Sie aktuell etwa 200 Euro veranschlagen. Beim Preisvergleich empfehlen wir, das mitgelieferte Zubehör zu beachten. Hierüber lässt sich so mancher Preisunterschied erklären. Achten Sie hier auf eine gute Vergleichbarkeit Ihrer Auswahl. Für Außenaufnahmen empfehlen wir unbedingt einen Fellwindschutz zu nutzen. Selbst leichter Wind kann eine Aufnahme unverständlich machen. Der bei manchen Geräten mitgelieferte Schaumstoffwindschutz liefert keinen wirksamen Schutz.

Probeaufnahmen

Wenn Sie diese Aspekte berücksichtigen, kommen Sie sehr verlässlich zum aktuell besten Aufnahmegerät für IHRE Einsatzzwecke. Die dafür nötigen Informationen können Sie unseren viele Vergleichs- und Einzeltests aktueller (und älterer), digitaler Rekorder entnehmen. Diese Testberichte erstellen wir mit viel Freude und unseren Ohren - nicht auf der Basis von Frequenzmessungen oder technische Datenblättern. Im Team hören wir Probeaufnahmen „blind“ an und bewerten jede Aufnahme individuell. Anschließend diskutieren wir im Team über die Ergebnisse. Erst danach decken wir auf, welche Geräte hinter den jeweiligen Aufnahmen stehen. Unsere Ergebnisse können Sie zu jedem einzelnen Gerät gut nachvollziehen und sich die konkreten Probeaufnahmen selbst anhören.

Viel Freude beim Lesen und Hören und gute Kaufentscheidung - und natürlich freuen wir uns über Ihren Einkauf in unserem Shop :-)

Wenn Sie unsicher sind, welches Aufnahmegerät für Sie das beste ist, können Sie natürlich gerne auch durchklingeln: 06421-5909790

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