Testbericht ZOOM H2 Handy Recorder

01.08.2011: Der Nachfolger des H2 ist da: Zoom H2n

Hier unser alter Bericht aus dem Jahr 2008:

Der neue ZOOM H2 war lange angekündigt und heiß erwartet. Für einen UVP von 236 Euro sollte er viele Funktionen in einem handflächengroßen Gerät vereinen. Ein MP3/WAV-Recorder mit extrem einfachem Handling eben. Ob er den hohen Erwartungen gerecht wird? Unser Testbericht zeigt Ihnen den Zoom H2 im Detail.

Zusatz 08.09.2008: Lesen und hören Sie unseren neuen Spezialvergleich zwischen dem Zoom H2 und dem Olympus LS-10.

Zusatz 09.01.2009: Lesen und hören Sie unseren neuen Testbericht für den Konferenzmitschnitt mit dem Olympus LS-10.

Zusatz 22.1.2009: Es gibt einen Nachfolger für das Zoom H4: den Zoom H4n. Mehr dazu in unserem Bericht

Zusatz 29.1.2010: Der Tascam DR-07 oder Olympus DM-550 zum gleichem Preis sind besser als der Zoom H2!

Zusatz 06.04.2010: Ab Juli gibt es den neuen Zoom H1!

1. Optik und Verarbeitung

Zugegeben, eine Schönheit ist er jetzt nicht direkt, der Zoom H2. Die Hülle und die Tasten aus einfachem Kunststoff machen insgesamt keinen sehr hochwertigen Eindruck. Trotzdem lässt sich eine Verbesserung zum Zoom H4 feststellen. Das Gerät liegt gut in der Hand und ist etwas größer als eine Zigarettenschachtel. Die Mikrofonkapseln werden durch ein Plastikgitter geschützt. Das Display ist recht klein. Es besitzt eine Hintergrundbeleuchtung, und die wichtigen Daten sind gut ablesbar. Um Zusatzhinweise wie Aufnahmemodus oder Aussteuerung erkennen zu können, braucht es aber gute Augen. Batteriefach und Speicherkartenklappe rasten ebenso gut ein wie das pfiffige Tischstativ.

2. Lieferumfang

Der Lieferumfang lässt wenige Wünsche offen. Selbstverständlich sind das USB-Kabel für die Datenübertragung vom/zum Rechner und ein Satz Kopfhörer und Tragegurt. Zusätzlich fallen uns einige Dinge positiv auf: das kleine Schraubstativ, das wirklich effektiv genutzt werden kann, die Speicherkarte mit 1 GB, ein Netzteil und eine Mikrofonstativadapter. Einen eingebauten Lautsprecher gibt es allerdings nicht.

3. Stromversorgung, Datenübertragung und Kapazität

Die Datenübertragung auf den Rechner erfolgt einfach über USB-Kabel. Das Zoom H2 kann auch als USB-Mikrofon für Aufnahmen direkt auf dem Computer genutzt  werden. Die Stromversorgung funktioniert hierbei über das USB-Kabel. Unterstützt werden Windows XP, Vista und Mac OS.X ab 10.2. Die mitgelieferte SD-Karte mit 512MB Speicherkapazität ermöglicht knappe neun Stunden Aufnahme im MP3-Format mit 128 kbps. Optional lässt sich der Speicher auf 4 GB erweitern, womit die Speicherkapazität dann für 72 Stunden reicht. Mit genügend Speicherkarten im Gepäck sind der Aufnahmelust also praktisch keine Grenzen gesetzt. Die Batterien (2 Stk. AA) leeren sich allerdings schon nach 4 Stunden. Glücklicherweise wird das Zoom H2 mit Netzteil ausgeliefert.    

4. Bedienung

Im Vergleich zum Zoom H4 ist die Bedienung des H2, auch durch das Weglassen unnötiger Funktionen, deutlich einfacher. Auf der Vorderseite stellen Sie die Mikrofoncharakteristik (wahlweise 90, 120 oder 360 Grad, 2/4 Kanal) und die Aussteuerung ein. Die Mikrofonempfindlichkeit lässt sich über einen Schalter an der Seite ändern. Nach Bestätigen des "Record"-Knopfes besteht nun die Möglichkeit, den Aufnahmepegel anzupassen. Die laufende Aufnahme lässt sich per Tastendruck aussteuern,  bei Übersteuerung blinkt eine kleine rote Warnlampe. Weitere Einstellungen, zum Beispiel die automatische Aussteuerung oder das Dateiformat, lassen sich über ein Menü vornehmen.

Ein deutliches Manko: Die Aufnahmen lassen sich nicht pausieren. Mit jedem Anhalten der Aufnahme wird eine neue Datei erzeugt. Einstellungen werden auf der Karte gespeichert, bei einem Tausch der Karte müssen folglich auch alle Einstellungen neu vorgenommen werden.

5. Aufnahmequalität und Probeaufnahmen

Wir waren nach Erhalt des ersten Testgerätes sehr neugierig. Also: Zoom H2 an das Netzteil anschließen, Kopfhörer einstecken, Stativ andrehen und einschalten. Was wir hörten, hat uns dann schon ein wenig den Atem verschlagen (siehe erste Probeaufnahme, die fünf Minuten nach Erhalt des Geräts entstanden ist). Die jederzeit über Kopfhörer mithörbare Aufnahme wirkt sehr klar, sie besitzt eine ausdifferenzierte räumliche Darstellung und ist bei mittlerer Empfindlichkeit nahezu rauschfrei. Das Gerät kann dabei problemlos  in der Hand gehalten werden (!), es ist nahezu unempfindlich gegen Erschütterungen. Der aufsteckbare Windschutz nimmt ein wenig an Qualität, ermöglicht aber Aufnahmen im Freien. Sowohl Einzelgespräche, Klein- und Großgruppenaufnahmen, als auch Tagungen,  Podcasts oder Vorträge (wahrscheinlich auch Konzerte) lassen sich bestens aufzeichnen. Mit dem Zoom H2 ist nach unserer Überzeugung auch ein  externes Mikrofon überflüssig, es sei denn, man will direkt am Kragen ansetzen (Lavaliermikro). Am EXT-MIC-IN können allgemein gebräuchliche Kondensator-Mini-Stereo-Mics über 3,5" Stereoklinke angeschlossen werden. Es wird auch plug-in-power unterstützt, also die Stromversorung des Mikrofons über das Mikrofonkabel. Allerdings gelingen über den externen Mikrofonanschluss leider KEINE rauschfreien Aufnahmen.

6. Fazit

Im Preisbereich bis 200 Euro war man Hintergrundrauschen normalerweise gewohnt. Hier setzt das Zoom H2 nach unserer Meinung neue Maßstäbe. Es gab bisher keine vergleichbar gute Aufnahmequalität in dieser Preisklasse und das ohne externes Mikrofon! Das Ergebnis sind sendefähige Aufnahmen, was gewiss Journalisten, ebenso wie Forscher und Musiker erfreuen dürfte. Einzige Einschränkung: Beim Einsatz externer Mikrofone  wird ein leichtes Rauschen erzeugt.

Unser Urteil ist eindeutig: Wer kein Problem mit einer einfachen Kunststoffhülle und der (noch handlichen) Größe des Gerätes hat, bekommt hier in Anbetracht des üppigen Lieferumfangs das beste Preis/Leistungsverhältnis, das man für UVP 236 Euro bekommen kann. Alternatives Gerät: Tascam DR-07, mit Stärken in der Verarbeitung, aber deutlich weniger Zubehör.

Was sagen andere?:

Im Heft 1/2008 der Stiftung Warentest wird der kleine ZOOM H2 "fast" als "Profigerät" empfohlen: "Das kompakte Gerät überzeugt mit fast professioneller Qualität... denn heute geht es besser und vor allem kleiner: beispielsweise mit dem Zoom H2, einem der ersten Speicherkarten-­Rekorder ... mit spezieller Musiksoftware zu echten Surround-Signalen umwandeln ... sie haben einen linearen Frequenzgang, rauschen wenig, geben Sprache, Gesang und Instrumente natürlich wieder...Über einen rauscharmen Line-Eingang kann der H2 auch Tonbandaufnahmen digitalisieren ... Musik- und Sprachaufnahmen gelingen mit dem kompakten Zoom H2 in fast schon professioneller Qualität. Seine Mikrofonkonfiguration ist besonders flexibel..."  Zum Artikel

Die Zeitschrift Soundcheck urteilt: "Kinderleichte Bedienbarkeit und kristallklarer Sound. ... Durch das hervorragende Preis-Leistungs-Verhältnis ist der H2 also ein unverzichtbarer Helfer..." (Ausgabe 11/2007)

Die Zeischrift Keys schreibt: "Die Ausstattung des H2 ist vorbildlich" und "...angesichts seiner Größe und Leistungsfähigkeit die optimale Lösung" (Ausgabe 02/08)

Schönes Tutorial zur Nutzung (englischsprachig): http://www.sciencemedianetwork.org/Zoom_H2_with_EW112P

Einen weiterführenden ausführlichen Audio-Podcast über die Unterschiede zwischen H4 und H2 finden Sie hier (engl.).

Technische Infos:

Das USB-Interface mit Audio-Interface-Funktion macht das Gerät auch als USB-MIC benutzbar. Integriert sind vier Mikrofonkapseln für raumerfassende "Mid-Side-Recordings". Dank der neuen ZOOM DSP-Technologie sind mit dem H2 auch 90°-, 120°- und 360° - Aufnahmen im (Broadcast-)WAV 96kHz/48kHz/44.1kHz und MP3 bis zu 320kbps sowie mit variabler Bitrate (VBR). Die Aufnahme von Audiomaterial erfolgt auf wechselbaren SD-Karten bis zu 4 GB. Auch die Time stamp - Funktion bei Aufnahme im Broadcast-WAV-Format ist vorhanden. 

Dort gibt es auch aktuelle Firmware-Updates. Ein erstes Update wurde bereits direkt nach der Veröffentlichung des H2 herausgegeben.