Hi-MiniDisc Rekorder Sony MZ-RH1

Trotz der im Preis-Leistungsverhältnis ungeschlagen guten Aufnahmequalität schien die Zeit der MiniDisc so gut wie vorbei zu sein. Konkurrenz durch digitale Aufnahmegeräte auf CF-Speicherbasis, Produktionseinstellungen und stark eingeschränkte Kopiermöglichkeiten der Aufnahmen waren nur einige Gründe zu glauben, dass das Ende der MiniDisc bald kommen müsse. Mit Sonys HiMD Rekorder MZ-RH 1 (UVP: 349 Euro) wird seit Mitte 2006 ein Kandidat ins Rennen geschickt, der einen genaueren Blick lohnt.

1. Optik - klein, hübsch, schwarz

Die Optik und Haptik gefällt auf den ersten Blick. Solide verarbeitet, wenig Kunststoff, viel Aluminium und angenehm klein. Das Gerät ist unauffällig für Interviewsituationen und gut zu transportieren. Die Größe hat allerdings ihren Preis: Die meisten Tasten und die Displayschrift sind sehr klein geraten und daher nicht ganz einfach zu bedienen.

Sony MZ RH 1   

 

Pegel

Pegelanzeige, Titelnummer und verstrichene Zeit

spektrum

Spektrumanzeige

2. Handhabung - einfach bis komplex

Die Handhabung der Grundfunktionen ist intuitiv. Abspielen und Aufnehmen gelingen ohne Handbuch. Dabei werden zu Beginn leise Geräusche hörbar, wenn die MD anläuft oder der Lesekopf sich verschiebt. Allerdings gibt es eine Menge Sondereinstellungen, die man vornehmen kann und auch sollte, wenn man das MZ-RH 1 gut einsetzen will. Da wäre die manuelle Aussteuerung, die im Menü erst aktiviert werden muss, die Aufnahmequalität und Mikrofonempfindlichkeit, die Displaydarstellung und vieles weitere mehr. Hier sind Menüführung und Tastengröße nichts für ungeübte Finger. Einige Einstellungen erklären sich erst durch das Handbuch. Ist diese Hürde einmal genommen, steht der Aufnahme, die über einen Schiebeschalter gestartet wird, nichts mehr im Weg.

3. Aufnahmequalität, Kapazität & Akku

Drei grundlegende Qualitätsstufen lassen sich im MZ-RH1 einstellen: PCM (beste), Hi SP oder Hi LP (komprimiert). Dabei kann man mit einer Standard HiMD mit 1GB im PCM Modus eineinhalb Stunden, im HiSP-Modus fast 8 Stunden aufnehmen. Wir empfehlen für Interviews den HiSP Modus, denn der Qualitätsunterschied zum besseren PCM-Modus war für uns kaum hörbar. Niedrigere Aufnahmeformate sind möglich, aber bei hohen Qualitätsansprüchen nicht mehr empfehlenswert. Die Akkulaufzeit für eine Aufnahme im Hi-SP Modus ist mit 9 Stunden angegeben (ein Netzteil ist im Lieferumfang enthalten).

An das Sony MZ-RH 1 können beliebige Mikrofone oder Line-Signale per 3,5mm Klinkestecker angeschlossen werden (nicht phantomspeisefähig). Das Gerät erkennt automatisch, ob ein Mikrofon angeschlossen ist oder ob ein Signal über den Line-In Eingang hereinkommt. Während der Aufnahme ist auch im Dunklen die Stärke des Signals für den rechten und linken Kanal getrennt zu erkennen und per Jograd zu justieren. Diese Funktion muss allerdings erst im Menü aktiviert werden.

Die Qualität der Aufnahme ist wirklich gelungen, wenn man sie mit anderen digitalen Rekordern oder Notetakern wie dem Marantz oder der Olympus WS3xx Serie vergleicht. Wenn man allein die Aufnahmequalität betrachtet, ist es mit den hochwertigen Geräten wie Edirol und Marantz vergleichbar, bietet aber natürlich weniger Anschlußmöglichkeiten und einen etwas schwierigeren Transfer der Daten auf den Computer. Dafür kostet es aber nur etwa die Hälfte eines Marantz PMD 660.

Hörprobe Sony MZ-RH1
mit Mikrofon Sony ECM-907 zu Beginn und später audiotechnica AT822

4. Datenübertragung - leidig, aber besser

Der Anschluss erfolgt über ein USB-Kabel. Das Gerät wird automatisch als Laufwerk erkannt. Zum Übertragen und Konvertieren der Audiodateien muss zunächst die bekannte Software SonicStage 3.4 installiert werden. Diese ist nach unserem Eindruck unübersichtlich und verwirrt durch Abfragen, die für Einsteiger nicht unbedingt verständlich sind. Grundsätzlich lassen sich aber nach einiger Einstellungszeit die eigenen Aufnahmen durch wenige Klicks als wav-Datei auf den PC und MAC (!) übertragen. Die Übertragung und Konvertierung geht recht zügig, dauert aber deutlich länger als das Übertragen von einem USB-Stick, bei großen Dateien schon einige Minuten.

Schön und neu: Bei diesem Gerät kann man nun auch alte MDs übertragen. Hier wird sicher vielen ein Stein vom Herzen fallen. Schon allein das könnte für viele ein Grund für den Kauf werden, da die alten Sammlungen nun auf dem Computer archiviert werden können.

 5. Unsere Mikrofonempfehlungen

Für solide Stereoaufnahmen ist das günstige Sony ECM 907 (UVP 149 Euro) eine gute Wahl. In Kombination mit dem MD läuft es zur Hochform auf und klingt besser als das audiotechnica pro 24. Überraschend rauscharm, satter Ton. Für hervorragende, brilliante Aufnahmen mit einer guten räumlichen Differenzierung sollte man das audiotechnica AT822 (UVP 399 Euro) zumindest einmal Probe hören.

audiotechnica AT822         Sony ECM907

6. Fazit

Mit diesem Gerät ist Sony ein gelungener Anschluss an die MiniDisc Ära geglückt. Die Aufnahmequalität mit einem guten externen Mikrofon ist wirklich super. Die Datenübertragung ist zumindest nicht mehr eingeschränkt, aber immer noch etwas hakelig und umständlich. Insgesamt ein professionelles Interviewequipment, das auch im mobilen Einsatz, für Podcasts oder Musikmitschnitte genutzt werden kann.

 

ich muss hier leider eine negative Kritik anbringen: nachdem ich einige tracks von einer mit mikrofon aufgenommenen Aufnahme gelöscht hatte. ließen sich die restlichen Daten mit dem MD-Walkman nicht mehr lesen. Und auch nicht mit dem Programm Sonicstage. Zwar listet der Windows Explorer noch die vorhandenen Dateien auf, sie lassen sich aber nicht mehr abspielen. Jetzt weiß ich nicht mehr weiter und komme nicht mehr an die für mein Forschung wertvollen Aufnahmen ran...

Das Problem mit dem Workflow...

Hab das Gerät seit 2006 zu Seminar- und Kongress-Mitschnitten im Einsatz. Mit Hi-SP und 1GB HiMD kann man etwa 8 Std. - also einen ganzen Kongress-Tag - gut mitschneiden.

Doch dann beginnt die Arbeit:
1. Files mit Sonic-Stage auf PC übertragen
2. In WAV umwandeln
3. Mit Audacity bearbeiten (ggf. schneiden, lauter, normalisieren, ggf. Rauschunterdrücken)
4. Mit Audacity als MP3 abspeichern und beschriften.
5. Nach iTunes importieren.

Das ist unendlich viel Arbeit. Negativ ist auch die Menü-Führung, ohne Handbuch ist man aufgeworfen.

Mit o.g. Mikrofon ECM-907 muß man schon sehr laut sprechen, damit das Gerät halbwegs passabel aufzeichnet. Beim direkten Abhören vom Walkman stört ein lautes Rauschen.

Fazit: Man kann damit arbeiten aber m.E. keine hochqualitativen Aufnahmen machen. Der Workflow ist extrem aufwendig. Ich wünsche mir persönlich Aufzeichnungsgeräte, die schon im Ziel-Format aufzeichnen können.

Digitale Alternativen
Sony PCM-D50 hat lt. Reviews wohl einen guten Klang, doch liefert ebenfalls einen umständlichen Workflow, für den ich keine Zeit habe. Ist ausserdem ziemlich teuer.

Olympus LS-10 kann direkt MP3, ist solide, bietet lange Spielzeit und scheidet wegen der immer wieder zitierten Schwäche bei den Bässen aus, die selbst Sprachaufnahmen verfremden.

Edirol R-09HR kann auch direkt MP3, ist fast auch so solide, hat einen guten Klang, aber bietet keine ausreichende Laufzeit (4-5h).

Ich tendiere dazu, auf den Olympus LS-10-Nachfolger zu warten, der hoffentlich dessen Schwächen ausgebügelt hat und derweil notgedrungen meinem SONY MZ-RH1 treu zu bleiben.

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