Zoom H4n Testbericht

Nachfolger des Zoom H4

Pünktlich zum neuen Jahr und damit den Event-Highlights für die Musikindustrie der CES und NAMM 2009 gab Zoom den offiziellen Nachfolger des bekannten Zoom H4 bekannt (das bedeutet auch, dass das Zoom H2 weiterhin aktuell bleibt). Seit 19.03.2009 sind die ersten Modelle auch in Deutschland in der Auslieferung. Der Straßenpreis liegt bei 349 Euro inkl. MwSt..

Der neue Zoom H4n - Nachfolger des Zoom H4

Die ersten Produktfotos hatten schon bei der Ankündigung Mut gemacht und ließen erwarten, dass das Zoom H4n in einigen wichtigen Punkten gegenüber dem Zoom H4 verbessert wurde. Es sieht nun nicht mehr ganz nach Stromschocker oder Laserkanone aus, trotzdem bin ich auf die ersten Blicke an der Flughafenkontrolle gespannt. :-) Das Display lässt deutlich mehr erkennen, die Tasten sehen griffiger aus, und sind bei Weitem nicht so wackelig wie beim Vorgänger H4. Auch die Hülle des H4n ist nun deutlich hochwertiger und gummiert. Insgesamt sind bessere Materialien verwendet worden.

Heute haben wir die ersten Geräte erhalten und sogleich eines ausgepackt und getestet. Lesen Sie im Folgenden unsere ersten Eindrücke im Vergleich zum Zoom H2, Olympus LS-10 und dem alten Zoom H4.

Der H4n ist natürlich größer und schwerer als das H2, liegt dabei aber satt in der Hand. Die Hülle ist robust, gummiert und wirkt hochwertig. Uns gefällt die gute Tastenanordnung und natürlich die zwei externen Mikrofonanschlüsse (2mal XLR und Klinke), mit denen man eben auch externe Kondensatormikrofone anschliessen kann. Für diesen Einsatz gibt es kein günstigeres Gerät (außer dem alten H4).

Die Mikrofonköpfe der eingebauten Mikrofone wirken auf den ersten Blick wackelig, das liegt aber daran, dass man sie direkt in sich drehen und dadurch von 90 auf 120 Grad schaltet kann. Bei den Probeaufnahmen wirkt das H4n ähnlich satt, aber auch ein bißchen dumpf, wie das H2 - das LS-10 wirkt klarer. Über die Bewertung LS-10 und H4n gehen die Meinungen diesbezüglich auseinander. Manche bevorzugen das klarere und härtere LS-10, andere eher den gedämpften H4n.

Wirklich gut ist das veränderte Bedienkonzept gelungen. Es beginnt schon beim deutlich größeren Display im Vergleich zu H2 und LS-10 und setzt sich über die gut durchdachten Tasten und das besser durchsteigbare Menü. Aufnahmen kann man sowohl im MP3-Format von 48 KBPS bis 320 KBPS als auch im unkomprimierten WAV-Format. Bei der Aufnahme gibt es eine pfiffige Auto-record- und pre-record-Funktion, die immer 2 Sekunden "vorher" aufnimmt. So verliert man nicht die Hälfte eines Satzes, auch wenn man etwas zu spät auf den Aufnahmeknopf gedrückt hat. Für Musiker sehr spannend, man kann mit dem Zoom H4n vier separate Kanäle simultan aufnehmbar, mit Hilfe der eingebauten und externen XLR- oder Klinke-Mikrofone/-Geräte (digital gesteuerter Mikrofonverstärker ist eingebaut und erlaubt zudem echte Phantomspeisung). Der Limiter ist brauchbar, aber nicht perfekt, ein Pumpen ist nach wie vor hörbar, wenn man mit großen Dynamiken konfrontiert ist. Bestückt wird das Gerät mit SD-Karten bis zu 32GB Speicher, 1GB wird mitgeliefert.

Das Zoom H4n verfügt des Weiteren über einen eingebauten Lautsprecher, der aber lediglich zum Probehören und nicht zur Beschallung geeignet ist. Mit einer Sondereinstellung, dem Stamina-ON-Modus, erhält man eine sehr gute Batterielaufzeit von 10 Stunden bei der Aufnahme. Hoffnungen weckt die Möglichkeit beim Abspielen auf dem H4n die Abspielgeschwindigkeit zu verändern, ohne dabei eine Änderung der Tonhöhenänderung in Kauf nehmen zu müssen. Auch ist ein Transponieren ohne Tempoänderung möglich. Die Transposition ist maximal bei einem Halbton akzeptabel, darüber und darunter stellen sich heftige Artefakte ein.

Negativ ist noch anzumerken, dass das H4n windempfindlich ist (am besten einen guten Windschutz bei Außenaufnahmen nutzen) und man Tastendruckgeräusche bei der Aufnahme mit dem internen Mikrofon leider deutlich hört.

Leider gibt die gedruckte Bedienungsanleitung zum H4n zur Zeit nur in englischer Sprache. Zoom bietet eine deutsche Anleitung zum Download als PDF

Informationen auf der Website des Herstellers Zoom

Fazit!

Oberflächlich betrachtet bieten H2 und H4n ähnliche Ergebnisse. Die Mikrofone des H4n sind gegenüber dem H2 wertiger. Zum Glück hat Zoom auf die einfache Bedienbarkeit geachtet und diese im Vergleich zum Vorgängermodell deutlich verbessert. Mit seinen Mikrofon- bzw. Instrumentenaufnahmeneingängen, verschiedenen Abspielgeschwindigkeiten, interne Effekte und über 50 Gitarren- und Bassverstärkermodellierungen ist der H4n perfekt für Musiker ausgelegt. Unsere Empfehlung lautet: Wer XLR-Anschlüsse wünscht, hat mit dem H4n ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Das Olympus LS-10 ist eleganter und etwas günstiger, aber ohne XLR- Anschluss. Nutzer mit höheren Ansprüchen sollten sich einmal das Tascam DR-100 näher anschauen.