Philips Voice Tracer 600 bis 880 - für Einzelinterviews
09.06.2010
Seit November 2008 sind die neuen digitalen Notetaker von Philips verfügbar. Die Modellpalette reicht vom Philips Voice Tracer 600 bis zum 880 (UVP 60 bis 149 Euro). Sie stellen eine interessante Alternative zur bekannten und wirklich einsatzerprobten Olympus WS-Reihe.

Spannend finden wir die Ausstattung der beiden Top-Geräte (860 und 880). Sie sind mit 2GB Speicher ausgestattet und nehmen direkt im Stereo MP3 Format auf. Mit dem 880er ist sogar unkomprimierte Aufnahme als PCM möglich. Auch die Optik und das großes Display sind ansprechend. Erstaunlich ist der günstige Preis mit einer UVP von 129 Euro (860) bzw. 149 Euro (880). Können sie mit der Olympus WS-Reihe mithalten oder sind sie sogar besser? Entscheidend für unsere Bewertung sind neben der Bedienung und dem Handling vor allem die Qualität der Aufnahme. Lesen und hören Sie also im Folgenden unsere Eindrücke:
Haptik und Optik
Der erste Eindruck nach dem Auspacken ist nicht durchweg positiv. Die Fotos lassen Hochwertigeres erhoffen als das Gerät, das ich jetzt in der Hand halte. Die Tasten haben einen guten Druckpunkt, wackeln aber ziemlich. Das Gehäuse ist vollständig aus Plastik. Es ist fast doppelt so dick und höher als das Olympus WS311 und etwa genau so breit. Leider verfügt es nicht wie das Olympus WS über einen eleganten Klapp-USB-Anschluss, ein USB-Kabel muss also immer mit dabei sein. Toll sind allerdings das große, beleuchtete Display und die große Schrift. Ebenfalls von Vorteil: Alle wichtigen Tasten sind direkt gut sichtbar auf der Vorderseite. Unverständlich ist uns allerdings, wieso der Werbeaufkleber für die Speicherkapazität direkt auf dem Lautsprecher angebracht ist und sich auch mit hartnäckigen Fingernägeln sehr schlecht entfernen ließ.

Nach einiger Nutzung fallen die Schwächen in der Verarbeitung deutlicher auf. Die Tasten sind etwas wackelig und neigen zum Klappern, die Menüführung ist in dem etwas sparsamen Display alles andere als intuitiv und schnell bedienbar. Die Bedienung ist durch vielen Doppelbelegungen der Tasten nicht einfach.
Ausstattung
Die Ausstattung ist wirklich üppig. 2GB Speicher, das gibt es bei Olympus erst ab dem WS331 und der kostet UVP 179 Euro. Philips hat dem Voice Tracer 880 zusätzlich ein externes Stereo Ansteckmikrofon spendiert, finden wir klasse, obgleich die damit erreichte Aufnahmequalität sehr rauschig ist und nur begrenzt empfehlenswert. Ein Handtragegurt, Kopfhörer, USB-Kabel, 2 AAA Batterien und Handbücher in 18 Sprachen vervollständigen das positive Ausstattungsbild.
Funktionen
Ein Gerät dieser Preislage soll vernünftig aufnehmen und abspielen. Daher macht es wenig Sinn, extra über Funktionen zu sprechen. Das Philips hat aber ein paar Besonderheiten aufzuweisen, die unübliche Zugabe sind und damit erwähnenswert. Zum einen lässt sich die Aufnahme beim Philips Voice Tracer 880 nicht nur pausieren oder sogar teilen, sondern es lassen sich Gesprächsabschnitte auch übersprechen. Das ist vor allem für Diktierer interessant und normalerweise erst ab einer deutlich höheren Preislage (+250 Euro) möglich. Allerdings sind die Funktionen nicht direkt, sondern nur über das Menü erreichbar und somit für echtes Diktieren unbrauchbar (Echte Diktiergeräte hier). Schließlich hat der Voice Tracer 880 auch noch ein Radio integriert, mit dem man das Gehörte auch aufnehmen kann.
Aufnahmequalität
Wir haben unsere erste Probeaufnahme direkt hier im Büro gemacht und dabei gleichzeitig bei einem Olympus WS und diesem Voice Tracer auf Aufnahme gedrückt. Beide waren im besten Aufnahmemodus (SHQ MP3 mit 128kBit) und hoher Mikrofonempfindlichkeit eingestellt. Damit sind beim Philips 35 Stunden Aufnahme möglich. Die Batterien halten laut Hersteller 50 Stunden durch. Die Bedienung ist unkompliziert und auch ohne Handbuch gut zu bewältigen. Beim Philips Voice Tracer 880 ist während der Aufnahme zwar ein kleiner roter Punkt zu sehen, aber kein ausschlagender Pegel wie beim Olympus. So waren wir uns zunächst etwas unsicher, ob die Aufnahme denn auch richtig läuft.
Nun zu unserer Bewertung: Die Antwort fällt nicht leicht und ist nicht trivial. Beide Aufnahmen hören sich auf den ersten "Blick" sehr unterschiedlich an. Die Aufnahme des Olympus WS-311 klingt beim ersten Hören hell, verständlich, aber auch blechern und etwas undeutlich. Die Stimmen im Hintergrund sind nur manchmal klar zu verstehen. Im Vergleich dazu liefert der Voice Tracer 880 eine vollere, "bassigere", aber auch dumpfere Aufnahme. Diese wirkt beim ersten Hören zunächst als Verlust oder vermeintlich schlechter. Man denkt, dem Philips ginge Weite verloren und es ist hörbar, dass das Philips hier Frequenzen löscht bzw. verändert. Wer sich allerdings die Aufnahme länger anhört, wird eine angenehme Verständlichkeit der Stimmen feststellen. Die Aufnahme ist für die Ohren gefälliger, die Stimmen im Hintergrund sind häufiger klar herauszufiltern. Und genau das ist ja das Ziel eines solchen digitalen Aufnahmegerätes dieser Preisklasse: Gut verständliche Sprachaufnahmen zu erzeugen. Hier gefällt uns das Philips besser.
Zusätzlich haben wir auch den Philips Voice Tracer 600 getestet, den kleinsten und günstigsten Vertreter dieser Serie. Er nimmt nur Mono in 64kBit auf und hat lediglich 512MB Speicher. Als Einsatzgebiet für den VT 600 sind daher höchstens Telefon- oder Einzelinterviews empfehlenswert, auf keinen Fall Gruppenaufnahmen. Der Preis von UVP 60 Euro ermöglicht aber hiermit ein günstiges Einstiegsgerät für einfache Settings. Als Probeaufnahme haben wir ein in unseren Augen ideales Einsatzgebiet für den Voice Tracer 600 gewählt: ein Telefoninterview mit dem LRX-35 (mehr Infos zur Aufzeichnung von Telefoninterviews hier).
Probeaufnahmen:
Olympus WS-311M (download)
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Philips Voice Tracer 880 (download)
Fazit
Die anfängliche Begeisterung für die Aufnahmequalität und die gute Ausstattung bei moderatem Preis lies bei uns schnell nach. Die Menüführung ist nicht ganz so einfach wie bei anderen Modellen und die Haptik ist nicht so hochwertig wie die Fotos suggerieren. Die Aufnahmeergebnisse an sich gefallen uns gut, sie eignen sich für die Aufnahme von Einzelinterviews, eventuell auch kleinerer Gruppen, das Ansteckmikro ist dagegen nur eingeschränkt zu empfehlen. Für Verleihstellen an Universitäten fehlt uns der einfache USB-Anschluss, der beim Olympus WS auch ohne Kabel funktioniert. Da dort häufig Sachen verloren gehen, ist man für jedes Zubehörteil weniger dankbar.
Der VoiceTracer im Vergleich zum Olympus WS:
| Olympus WS-450 | Philips VT860 | |
| Aufnahmeformat | wma | mp3 |
| Aufnahmequalität | gut + | gut + |
| Aufnahmekapazität (beste Qualität) | 17 h | 35 h |
| Batterielaufzeit | 15 h | 50 h |
| Bedienung | sehr gut | okay |
| Größe | sehr handlich | handlich |
| Displaygröße | gut | gut + |
| Datenübertragung ohne Kabel | möglich | nicht möglich |
| Speicherplatz | 1 GB | 2 GB |


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