Gruppeninterviews aufzeichnen

Tipps für die Praxis

Eine Gruppendiskussion zu transkribieren ist sehr zeitaufwändig und durchaus nervenaufreibend. Gerade bei der Transkription von Gruppengesprächen bedarf es einer guten Konzentration. Der Geräuschpegel in der Aufnahme ist oft höher und die Gespräche werden meist turbulenter geführt als in einem "beschaulichen" Zweiergespräch. Mit wenigen Vorkehrungen können Sie aber den späteren Transkriptionsaufwand deutlich mindern und sich unnötigen Zeitaufwand sparen. In diesem Beitrag geben wir Ihnen einige nützliche Tipps und zeigen anhand von Klangbeispielen, wie heftig sich manche Effekte auf die Klangqualität auswirken können.

1. Rumpelnde Tische vermeiden

In der Mitte einer Gesprächsrunde steht häufig ein Tisch. Also bietet es sich an, das Aufnahmegerät dort zu platzieren. Aber Achtung: Wahrscheinlich kennen Sie den Effekt, wenn man eine schwingende Stimmgabel auf eine Tischplatte stellt? Der Tisch überträgt den Klang und schwingt mit. So ähnlich geht es dem Aufnahmegerät, wenn Sie es auf dem Tisch platzieren. Papierrascheln, Klopfen, Mitschreiben, ein Beamer oder Notebook in der Nähe, Löffel in Kaffeetassen, Wasser eingießen ... all diese Geräusche werden direkt auf das Aufnahmegerät übertragen. Selbst wenn man sie während des Gespräches nicht explizit wahrnimmt - das Aufnahmegerät hält sie alle fest. Und diese nachher anzuhören ist wirklich unangenehm. Unser Lösungsvorschlag:

  • Nutzen Sie ein Mini-Stativ oder positionieren das Aufnahmegerät auf einem Buch, einem Pulli oder einer Mütze o.ä. um Vibrationen des Tisches (Schreiben, Klopfen) abzufangen.
  • Wenn Geschirr unvermeidbar ist, achten Sie darauf, dass das Aufnahmegerät möglichst nicht in der Nähe von klappernden Tassen liegt.
  • Keinen Beamer oder ähnliches in der Nähe stehen haben.

Hier hören Sie Papierrascheln und hektische Notizen des Schriftführers auf dem Tisch - DM-650 auf dem Tisch (download)
Und so hört es sich mit einem Stativ an - LS-12 auf Stativ (download)
 

2. Aussteuerung und Format richtig wählen

Um eine Gruppe möglichst gut aufzuzeichnen, sind das richtige Aufnahmegerät und die daran vorgenommenen Einstellungen mit die wichtigsten Faktoren. Beachten Sie bitte:

  • Wenn Ihr Gerät eine manuelle Aussteuerung unterstützt, schalten Sie diese ein und pegeln Sie gut aus. Wenn Sie sich nicht sicher sind: lieber zu leise aussteuern, die Aufnahmen können später mit "Audacity" oder "mp3 Gain" ausgepegelt (lauter gemacht) werden. Einmal zu laut und damit übersteuert und die Aufnahme ist nahezu unwiderbringlich unangenehm beim Abhören.
  • Das Aufnahmeformat sollte .mp3 sein und zwischen 192 und 320 kB/s liegen. Bitte kein .wma, .dss und oder .m4a verwenden! Die meisten Aufnahmegeräte, z. B. Philips DVT 4000, Olympus DM 650 und oder LS 12, unterstützen von Haus aus verschiedene Bitraten im .mp3-Modus. Falls Sie die Wahl haben, bitte immer eine feste und nicht variable Bitrate wählen. Letztere kann bei Nutzung von Transkriptionsprogrammen zu abweichenden Zeitmarken führen und das Nachhören bzw. Korrigieren von Transkripten erschweren.

Hier hören Sie ein Beispiel im m4a-Format (Smartphone) - iPhone (download)
Und hier ein mp3 der selben Situation - LS-12 (download)
 

3. Ruhe bitte - der Raum klingt mit

Die Wahl des Ortes bzw. Raumes ist entscheidend. So gemütlich ein Biergarten auch ist, aber draußen und mit vielen Nebengeräuschen ist für eine Gruppenaufnahme eine der schlechtesten Voraussetzungen um eine halbwegs effiziente Transkription zu ermöglichen. Ebenso sollten Sie sehr große, hallige Räume meiden. Spätestens wenn Teilnehmer gleichzeitig sprechen, kann nur noch ein „Stimmenbrei“ aufgezeichnet werden, eine Aufschlüsselung wird dadurch erschwert. Fast genauso wichtig ist es, die Situation dahingehend zu beeinflussen, dass Nebengeräusche wie Straßenlärm durch offene Fenster oder Nachbarräume nicht mit aufgezeichnet werden. Daher:

  • Schließen Sie die Fenster und Türen und lüften möglichst nur phasenweise.
  • Vermeiden Sie Außenaufnahmen oder verwenden Sie unbedingt einen Fellwindschutz und manuelle Aussteuerung, falls es sich nicht vermeiden lässt.
  • Sorgen Sie für eine ruhige Umgebung. Schädlich sind Gespräche im Hintergrund oder z.B. Café-Atmosphäre.
  • Wählen Sie einen der Größe der Gruppe angemessenen Raum mit möglichst wenig Hall (Teppich, Vorhänge oder ein vollgestellter Raum sind toll).
  • Achten Sie darauf, leise Sprecher nicht zu weit entfernt vom Aufnahmegerät zu platzieren.

 

4. Gesprächsführung unterstützt

Wenn Sie nun die Vorplanung für die Aufzeichnung des Gruppengespräches getroffen haben, können Sie am Tag der Aufnahme noch einiges leisten, um das Abtippen möglichst angenehm zu gestalten. Das gilt besonders wenn die Sprecher durchgehend identifiziert und gekennzeichnet werden sollen (also Anna immer als B1, Peter immer als B2 o.ä.). Aus unserer Erfahrung im Transkriptionsservice können wir folgende Hinweise geben:

  • Bitten Sie die Teilnehmer, sich reihum mit Namen und Funktion kurz vorzustellen: die Aufnahme liefert dann Referenzpunkte, die die spätere Sprecheridentifizierung erleichtern können (gerade bei Fremdvergabe sehr wichtig).
  • Fertigen Sie einen Sitzplan an, um später anhand von Position des Aufnahmegerätes, der Moderatoren/Interviewer und der übrigen Personen Stimmen auf der Aufnahme besser lokalisieren zu können.
  • Luxusoption: notieren Sie in einer Rednerliste, in welcher Reihenfolge die Personen sich äußern. ACHTUNG: dies ist nur nützlich, wenn es konsequent und engmaschig genug durchgeführt wird.
  • Sofern es das Thema und/oder die Forschungsfrage zulässt, moderieren Sie das Gespräch, um Überlappungen und vor allem „wildes“ Durcheinandersprechen zu minimieren.
  • Haben Sie eine größere Gruppe, verwenden Sie ein zweites Aufnahmegerät und lassen Sie es parallel aufnehmen. So können Sie eventuell unverständliche Passagen (aus einem anderen Winkel) nachhören.

Hier ein Beispiel für eine solche Moderation - DM-650 auf dem Tisch (download)

Hier noch einmal alle Aufnahmen zum Vergleichen

Für die nachfolgenden Probeaufnahmen haben wir uns für vier unterschiedliche Aufnahmegeräte entschieden, die häufig genutzt werden. Olympus DM 650 (automatische Aussteuerung), ein Olympus DS 7000 (Diktiergerät im .DSS-Format), iPhone 5S (.m4a-Format) und ein LS 12 (manuelle Aussteuerung und auf einem Stativ angebracht). Das Sony PCM-D100 haben wir als Referenz für sehr hochwertige und vergleichsweise kostspielige Aufnahme genutzt. Bei den ersten Klangbeispielen sind viele Nebengeräusche zu hören und die Sprecher fallen sich oft ins Wort. Das zweite Gruppendiskussions-beispiel ist eine geführte Moderation. Welche Unterschiede hören Sie in den Aufnahmen? Was empfinden Sie als störend? 

"ordentliche" Diskussion

Olympus DS-7000 (download)

Olympus DM-650(download)

iPhone (download)

Olmypus LS-12(download)

Sony PCM-D100 (download)

"lebhafte" Diskussion

Olympus DS-7000 (download)

Olympus DM-650(download)

iPhone (download)

Olmypus LS-12(download)

Sony PCM-D100 (download)

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei Ihren Gruppendiskussionen!