Mehrspuraufnahme & Overdub

Einige Mobilrekorder bieten die Möglichkeit des Overdubbing und/oder der Mehrspuraufnahmen, also mehrere Spuren gleichzeitig aufzuzeichnen oder eine neue Aufnahme über eine bestehende Aufnahme zu legen. Wir erklären diese Funktionen genauer und schauen, wie man sie einsetzt und welche Rekorder sie mit an Bord haben.

Overdubbing und/oder Mehrspuraufnahmen sind vor allem für Musiker interessant. So kann man zum Beispiel zu einem eingespielten Lied später die zweite Stimme zusätzlich aufnehmen (und hat alles in einer Tondatei). Oder aber man nimmt als DJ das eigene Set aus dem Mischpult auf und erfasst gleichzeitig die (hoffentlich extatische) Partyatmosphäre des Clubs.

Nicht immer ist es sinnvoll solche Funktionalität auf dem Rekorder zu nutzen. Komfortabler und präziser klappt das Übereinanderlegen von Spuren in der Regel am Rechner - zum Beispiel mit der Freeware audacity. Dennoch sind die Funktionen eine gute Hilfe in Situationen, in denen das Ergebnis möglichst zügig zur Verfügung stehen soll oder einfach kein Rechner verfügbar ist. Prinzipiell in Frage kommen hierfür folgende Rekorder mit Multitrack- und/oder Overdubbing-Funktion: Olympus LS-100, Roland R-26, Tascam DR-40, Tascam DR-100, Zoom H4n

Overdubbing und Mehrspuraufnahme sind nicht identisch.
Fangen wir also vorne an:

Gleichzeitige Mehrspuraufnahme

Für einige Settings ist es sinnvoll, die Aufnahme aus verschiedenen Eingangsquellen gleichzeitig aufzunehmen. Dies trifft sowohl auf den eben erwähnten DJ zu, der sowohl über Line-Signal als auch mit internen Mikrofonen aufzeichnen möchte, als auch auf die Aufnahme kleiner Ensembles, bei denen Bass und Gitarre elektrisch verstärkt sind, der Gesang jedoch ohne Verstärkung auskommt und über die eingebauten Mikrofone des Rekorders augenommen werden soll.

Die Aufnahme erfolgt gleichzeitig über verschiedene Quellen, meist über interne und externe Mikrofone. Als Ergebnis entstehen einzelne, synchrone Stereo-Dateien für jeden Eingangskanal. Diese können später am Rechner zu einer gemeinsamen Datei zusammengemischt werden. Ganz praktisch: beim Roland R-26 werden zusammengehörige Aufnahmen in gemeinsamen Unterordnern abgespeichert, das erleichtert das spätere Zuordnen.

Tascam DR-40 und Zoom H4n erlauben eine gleichzeitige Aufnahme von 4 Spuren. Diese setzen sich zusammen aus der Stereo-Spur der beiden eingebauten Mikrofone und zusätzlich der beiden XLR-Eingänge. Der Roland R-26 ermöglicht hingegen die Aufnahme von bis zu 6 Spuren gleichzeitig. Hierbei können die internen Mikrofone (XY und Omni), XLR-Anschlüsse und der 3,5mm Klinkeneingang frei kombiniert werden. Das Tolle ist, dass der Eingangspegel für jeden Kanal einzeln gesteuert werden kann. Bei allen Geräten ist es sowohl möglich die Aufname als "Mixdown" (also alle zusammen in nur einer Datei), als auch in einzelnen Dateien zu speichern.

Das Olympus LS-100 verfügt zwar über Mehrspuraufnahme. Diese kann allerdings nur nacheinander aufgezeichnet und später im LS-100 Menü zusammengesetzt werden (siehe weiter unten). Hierfür stehen jeweils die internen oder externen Stereokanäle zur Verfügung.

Nicht möglich ist die Mehrspuraufnahme mit dem Tascam DR-100. Das DR-100 bietet späteres Ergänzen einer vorhandenen Aufnahme, was man Overdub nennt:

Overdub

Overdub bezeichnet das nachträgliche Hinzufügen von Aufnahmen zu einer bestehenden Tonspur. So kann man zunächst eine Stimme eines Musikstücks aufnehmen und danach, während man die bestehende Aufnahme abhört, eine Zweitstimme synchron hierzu aufnehmen (nicht zu verwechseln mit der Einfügefunktion vieler Diktiergeräte). Bei allen Rekordern bleibt die ursprüngliche Aufnahme erhalten. Die neue, zweistimmige Aufnahme wird als zusätzliche Datei gespeichert. So ist die Anzahl der Overdubs prinzipiell unbegrenzt. Der zweistimmigen Aufnahme kann später die Drittstimme hinzugefügt werden usw.

Beim Tascam DR-40 und Olympus LS-100 kann man selbst wählen, ob die neue Datei als Mix oder als separate Datei, nur mit der "Zweitstimme" gespeichert werden soll. Zoom H4n und Olympus LS-100 bieten für den Overdub sogar eine Art "Mischpult"-Ansicht an. Für ein ambitioniertes Abmischen können hier auf 4 (H4n) bzw. 8 (LS-100) Spuren Aufnahmen hinzugefügt werden. Für jede Spur lassen sich Links-Rechts-Balance und Lautstärke gezielt einstellen. Neben der Mischpultansicht kann man beim LS-100 auch ein einfaches Overdubbing nutzen, bei dem man durch Drücken der Aufnahme-Taste jeweils eine neue Aufnahme hinzufügt.

Einzig das Roland R-26 bietet in der Riege der oben genannten Rekorder kein Overdubbing, dafür aber umfangreiche Mehrspuraufnahmen.

Empfehlung

Overdubbing ist sicher kein alleiniges Kaufargument. Die Bedienung ist nicht unbedingt intuitiv. Bei allen Rekordern ist hier Handbuchstudium angesagt. Für Overdubbing lohnt sich ein Blick auf den Tascam DR-40 als günstigstes Gerät mit Overdub-Funktion. Die Tasten für den Aufnahmemodus und die Spurwahl liegen direkt auf der Vorderseite des Gerätes und müssen nicht erst im Menü gesucht werden. Nettes Zusatzfeature: Wenn man kein Overdubbing nutzt, kann das DR-40 als zweite Spur eine "Sicherheitskopie" mit reduziertem Aufnahmepegel erstellen. Diese kann man immer dann nutzen, wenn die Originalaufnahme versehentlich übersteuert ist.

Für Mehrspuraufnahme ist der Roland R-26 eine deutliche Empfehlung wert. Er nutzt nicht nur die meisten Aufnahmekanäle, sondern liefert auf dem Display auch hilfreiche Illustrationen, die dabei helfen, die richtige Option auszuwählen oder auszusteuern. Zudem sind die internen Mikrofone des R-26 hervorragend und haben sich in unserem Vergleichstest als Musiksieger bewährt.