Testbericht Olympus LS-12/14

Seit Mitte Januar sind die neuen LS- Geräte bei uns für 159 Euro (LS-12, 2GB) bzw. 219 Euro (LS-14, 4GB) verfügbar. Sehr gespannt waren wir, da die Vorgänger LS-5/LS-11 ein wirklich hohe Performance abgeliefert haben. Wir haben uns Zeit genommen, die neue Baureihe ausführlich zu testen und unter die Lupe zu nehmen. Hören und Lesen Sie selbst:

Verarbeitung und Haptik

Das neue Olympus ist wenige Millimeter größer, als seine Vorgänger LS-5 und LS-11. Es liegt mit seiner länglichen Bauweise gut in der Hand und ist deutlich kantiger gestaltet. Auffällig sind die farblich gestalteten, großen Bedientasten für Play, Stop und Aufnahme und das Drehrad auf der Vorderseite. Diese Bedienelemtene lassen sich sowohl links- als auch rechtshändig gut bedienen und haben präzise Druckpunkte, das Rädchen zur Moduswahl lässt sich aus verschiedensten Winkeln gut drehen und rastet gut ein. Der zentrale Bedienkreis mit Pfeiltasten - zur Aussteuerung und Navigation im Menü - ist sehr glatt. Das hätten wir uns besser fühlbar gewünscht. Beispielsweise beim LS-5 erhält man hier durch kleine Erhebungen eine gute haptische Rückmeldung, wo sich der Daumen gerade befindet - das erleichtert die Bedienung ohne hinzusehen. Das Display ist deutlich und groß, wie gewohnt. Aber, wir geben es zu: Wir lieben Metallgehäuse! Auch wenn Kunststoff am LS-12/14 nicht weniger robust ist, müssen wir an dieser Stelle etwas jammern. Nur die Mikrofonschutzkappen sind aus Metall, der Rest ist Kunststoff. Es ist schade, dass Olympus hier das Material wechselt, denn gerade dieses Merkmal war immer ein vorteilhafter Unterschied der alten LS-Geräte zu den meisten Mitbewerbern.

Bedienung

Die Menüführung ist wie gewohnt einfach und intuitiv, Menüpunkte werden im Klartext und in deutscher (oder vielen anderen Sprachen) angezeigt. Neu ist, dass über eine Taste während der Aufnahme eine Übersicht der aktuellen Einstellungen aufgerufen werden kann, prima! Das hilft bei Unsicherheit und erspart eine lange Wanderung durchs Menü.

Das zusätzliche, omnidirektionale Mikrofon kennen wir schon vom LS-3 oder DM-650. Dieses Mikrofon bewirkt eher bassbetonte Aufnahmen und ermöglicht ein eher nahes, voluminöses Klangbild der Aufnahme. Mehr dazu hören und lesen Sie weiter unten (siehe Aufnahmequalität). Beim LS-12 wurde dieses Merkmal ausgespart.

Der integrierte Lautsprecher ist wie bei den meisten Rekordern eher schwach auf der Brust, er klingt nicht verzerrt, aber insgesamt eher quäkig - eben ein Lautsprecher zum Kontrollhören, nicht für Hi-Fi Genuss ;)

Die Aufnahme selbst ist wie gewohnt in MP3 (bis 320kBit) oder unkomprimiert als WAV mit bis zu 96 kHz 24Bit möglich. Auch eine Monoeinstellung in beiden Formaten ist möglich. Während der Aufnahme kann man nun über eine Taste direkt eine neue Datei erzeugen (nur bei PCMwav). Kleinere Editierfunktionen sind nun auch direkt im Gerät möglich, so kann ein Teil einer Datei gelöscht werden. Mit der Funktionstaste F3 werden hierzu während der Wiedergabe Indizes gesetzt, die den zu löschenden Teil markieren. Auch das Ende und den Anfang einer Datei kann man durch das Setzen von Markierungen schnell entfernen (Trimming). Das ist ganz praktisch, aber für präziseres Arbeiten empfehlen wir, das Schneiden eher später am Rechner vorzunehmen. z.B. mit der von uns bereits vielfach empfohlenen Freeware audacity (www.audacity.de).

Beim LS 14 hat Olympus auch wieder an eine gesprochene Menüführung gedacht, die in 12 verschiedenen Sprachen Rückmeldung geben kann. Wie bei den meisten anderen Modellen werden Datum/Uhrzeit, Dateieigenschaften und -namen sowie Speicherinformationen nicht gesprochen. Erfreulich dagegen die Hinweise beim Verschieben und Kopieren sowie dieEditiermöglichkeiten. Der Nutzer wird sofort informiert, wenn keine Indexmarken gesetzt wurden, an denen Dateien partiell gelöscht, getrimmt oder geteilt werden können.

Das LS-12 ist das günstigste uns bekannte Aufnahmegerät, das auch Overdub ermöglicht (LS-14 natürlich auch). Also das Hinzufügen einer zweiten, dritten oder vierten Stimme zu einer bestehenden Aufnahme. Hierzu stellen Sie wav als Aufnahmeformat ein (bei mp3 ist kein Overdub möglich), und erstellen die erste Aufnahme. Später muss lediglich die Funktionstaste 3 gedrückt werden. Die erste Datei wird dann zur Kontrolle abgespielt. Drückt man nun während der Wiedergabe die Aufnahme-Taste, beginnt die Datei wieder von vorn und gleichzeitig wird aufgenommen. Für jeden "Take" wird dabei eine eigene Datei angelegt. So können problemlos einzelne "Takes" gelöscht und wiederholt werden.

Aufnahmemodi

Das Rädchen auf der Vorderseite ermöglicht eine Moduswahl ähnlich wie bei Kompaktkameras.

Neben einem Stimmgerät gibt es dort den Smart Mode. Das bedeutet, man nimmt einige Sekunden auf, das Gerät bestimmt den leisesten und lautesten Ausschlag und daran steuert sich die eigentliche Aufnahme von selbst aus. Vorher kann bestimmt werden, ob der Test 10, 30 oder 60 Sekunden dauern soll. Danach gibt es einen Piepston und die eigentliche Aufnahme beginnt. Man kann diese Messzeitraum aber auch manuell festlegen und dann selbst entscheiden, wann die Aufnahme beginnen soll. Diese Funktion ist wirklich praktisch, aber nicht neu, beim Roland R-05 heißt sie Rehearsal. Zusätzlich kann ein Limiter eingeschaltet werden. Falls es es nach dem Test dann doch mal lauter wird, greift dieser ein und pegelt die Aufnahme runter. Der Limiter greift, anders als beim LS 100, gleichzeitig auf beide Mikros zu. Es gibt einen Musiklimiter, der langsamer und einen Voicelimiter, der etwas schneller pumpt.

Die nächtste Position des Rädchens nennt sich Manual Record: Hier kann mit den links-, rechts Pfeiltasten wie gewohnt manuell ausgesteuert werden. Der Pegel kann in 70 Stufen sehr präzise justiert werden. Im sog. 

Quick Mode kann die Aufnahme direkt gestartet werden. Hier gibt es weder Stand-by noch eine Pegelmessung vor der Aufnahme. Die Aufnahme beginnt direkt mit nur einem einzigen Klick - wenn es mal ganz eilig ist.

Anschlussmöglichkeiten und Stromversorgung

Es gibt je einen Kopfhörer-, Mikro- und extra Line-In-Eingang, alles 3,5mm Klinke. Und natürlich auch einen Anschluss für die bekannte, drahtlose Olympus Fernbedienung (RS30W), man kann also altes Equipment weiter nutzen, auch nicht immer selbstverständlich heutezutage. Der Rekorder läuft mit 2 AA-Batterien laut Herstellerangabe rund 48 Stunden; das haben wir überprüft und unsere Erfahrungen ist mit 45 Stunden fast deckungsgleich. Das ist gut doppelt so lange wie beim LS-5 oder LS-11!

Es gibt weiterhin ein Stativgewinde und der Strombetrieb wird über ein optionales (!) USB-Netzteil ermöglicht. Im Lieferumfang sind Batterien, natürlich können auch Akkus verwendet werden, diese können im Gerät allerdings nicht aufgeladen werden. Eine Speichererweiterung ist über SDHC Karten bis zu 64 GB möglich (empfehlenswert: class10).

Zubehör

Zum Lieferumfang gehört ein kleines Handbuch, Batterien und beim LS-14 noch eine Tasche und  ein Notenständerklip, der auch als Stativ genutzt werden kann. Eine Bearbeitungs-Software gehört nicht zum Lieferumfang dazu, wir empfehlen die kostenfreie Software audacity. LS-14 und LS-12 unterscheiden sich durch die Außenfarbe, den eingebauten Speicher (2 GB beim LS-12 vs. 4 GB beim LS-14), ein Mittenmikrofon (nur beim LS-14) und eine Sprachführung (nur beim LS-14).

Für alle, die Außenaufnahmen erstellen wollen, geht es nicht ohne Fellwindschutz. Olympus schlägt dafür den Windschutz WJ-4 vom LS 100 vor. In unserem Büro haben wir aber auch den Vorgängerwindschutz WJ1 ausprobiert, der unserem Eindruck nach ebenso gut arbeitet. Wer einen hat, kann den problemlos weiter verwenden, wer noch keinen hat, wählt am besten den WJ4.

Aufnahmequalität

Um die neue Klangcharakteristik des LS 14 zu veranschaulichen, gibt es natürlich wieder ausgewählte Probeaufnahmen zum Nachhören und selber beurteilen.


Zugeinfahrt auf dem Bahnhof in Kassel
LS 3, LS 5 und 14 sind hier die Kandidaten. Achten Sie darauf, wie sich Schritte und Rollkoffer unterscheiden lassen. Hören Sie den zweiten Zug einfahren?

LS-14 (download)

LS-5 (download)

LS-3 (download)
 

Weihnachtsmarkt
Der durfte natürlich nicht fehlen. LS 5, Zoom H2N (Surround) und LS 14 (Ohne 3. Mic). Achten Sie auf Musik, das Brummen des LKW im Hintergrund, Schritte und Gemurmel.

LS-14 (download)

LS-5 (download)

Zoom H2n (download)
 

Kirchenglocke
LS 5 und LS 14 (gegen Ende mit 3. Mic in dieser Aufnahme). Hier werden die Rauschunterschiede deutlich.

LS-14 (download)

LS-5 (download)

Sprache
LS 5, Zoom H2N (XY) und LS 14 mit 3 Mic. Hier hören Sie den Bass des neuen Olympusgerätes sehr deutlich.

LS-14 (download)

LS-5 (download)

Zoom H2n (download)

Die Probeaufnahmen klingen schön ausgewogen und bei Bedarf kann das dritte, zentrale Mikrofon, wie beim LS-3 dazugeschaltet werden. Der Stereoklang ist recht breit und klingt sehr detailreich; empfehlenswert für Atmo-Aufnahmen.

Das zentrales Mikrofon konnte uns bei Sprachaufnahmen überzeugen. In ruhigen Passagen hört man ein leichtes Rauschen, aber ansonsten wirkt die Stimme sehr knackig, trocken und gut verständlich. Wir empfinden die Aufnahmequalität ist in allen Fällen besser als beim Vorgänger Olympus LS-5 und mit dem H2n auf Augenhöhe (LS-14 präziser, gut bei Atmo und Sprache; H2n breiter, gut bei Orchester).

Weitere Links

Inzwischen sammeln sich auch die ersten Erfahrungsberichte, Twittermeldungen und Podcasts in den USA, so zum Beispiel von Neal Ewers www.ravenswood.org