Die Philips DVT-Reihe im Test

15.10.2014: Vier Geräte der neuen DVT-Reihe von Philips liegen hier vor uns auf dem Tisch, von denen das DVT 4000 jüngst Testsieger in unserem Interview-Vergleichstest geworden ist. Lesen Sie im Folgenden unsere Eindrücke und Beschreibungen der neuen Aufnahmegeräte DVT 2500, 4000, 6000 und 6500 in einer Preisspanne von 70 bis 180 Euro.

Optik und Verarbeitung

Allen Philips DVT-Modellen ist ein angenehm großes Farbdisplay mit viel Platz für Informationen und der deutlich erkennbare Aufnahmeknopf in der unteren Mitte gemein. Sie verfügen außerdem über einen MicroSD Kartenschacht an der Seite und einen Kopfhöreranschluss.


Die neuen Philips DVT 2500 (69,90 Euro), DVT 4000 (89,90 Euro),
DVT 6000 (129,90 Euro) und DVT 6500 (179,90 Euro) jeweils UVP

Klar, über Design kann man streiten, aber uns gefällt das Aussehen der neuen DVT-Reihe. Mit der abgerundeten Form liegt es gut in der Hand und hat eine angenehme Größe. Genau richtig, um gut in der Hosentasche verstaut zu werden, aber dennoch bequem mit dem Daumen, ohne Pinzette, bedient werden zu können. Die gut beschrifteten Bedienknöpfe zeichnen sich durch einen klaren (und leicht hörbaren) Druckpunkt aus. Beim DVT 2500 und 4000 sind die seitlichen Bedienknöpfe aus Kunststoff, bei den teureren aus Metall. Lediglich die Abdeckung des Zoom-Mikrofons, das bei einigen Modellen verbaut ist, hat spürbare Kanten. Man wird sich nicht daran schneiden, aber sie stechen gegenüber dem ansonsten sehr geschmeidigen Handgefühl hervor.

Das "Nesthäk​chen"...

Das DVT 2500 fällt im Design bezüglich Materialart (Kunststoff) und mit fehlendem Mikrofoneingang etwas hinter den anderen Brüdern zurück. Als einziger läuft er über wechselbare Batterien (oder Akkus), nicht über einen eingebauten Lithium-Ionen-Akku. Das Navigieren durch das Menü erscheint uns deutlich weniger intuitiv und auch in der Aufnahmequalität kann er nicht mit seinen größeren Brüdern mithalten, aber dazu später mehr.

...und seine "großen Brü​der"

Die teureren DVTs haben ein Metallgehäuse mit Kunststoffrand und einen zusätzlichen Mikrofoneingang. Dieser kann übrigens wahlweise als Line-in oder Mic-in fungieren - clever gelöst, ist doch genau das ein Problem vieler Rekorder, wenn man sie bspw. zur Digitalisierung externer Quellen nutzen wollte. Augenfälliges Unterscheidungsmerkmal der teureren DVT 6000 und DVT6500 ist das deutlich hervorragende, dritte (Zoom)Mikrofon, ein abklappbares Ministativ auf der Rückseite und programmierbare Funktionstasten unter dem großen Display. Das 6500er hat zudem an der rechten Seite noch einen fest eingebauten Infrarotempfänger, für die nur bei diesem Modell mitgelieferte und nutzbare Fernbedienung (Rec/Pause/Stop).

Das Olympus DM-650 mit einer UVP von 159 Euro hat im Vergleich etwas weniger "knackige" Bedienknöpfe, aber ist dafür mit noch mehr Metall verbaut worden, bspw. die Seitenränder, der Einschaltschiebeschalter und die microSD-Kartenklappe, die beim Philips aus Kunststoff sind. Wenn man den Preisunterschied zwischen einem DVT4000 und dem DM-650 betrachtet, so bleibt ein klares „well done Philips“.

Die Akkus der größeren Modelle halten laut Hersteller bis zu 50 Stunden. Wichtig ist hier das "bis zu". Abhängig von den Aufnahmeeinstellungen variiert die Akkulaufzeit. Bei unseren Tests kamen wir bei mp3 mit 192Kbps auf etwa 25 Stunden ununterbrochene Aufnahme.

Aufnahmequalität

Unsere ersten Erfahrungen mit den Aufnahmen der DVT-Geräte haben wir vor einigen Wochen im Interview-Vergleichstest gemacht.  Im Vergleich zu Olympus, Zoom, iPhone und Samsung angetreten, hat es hier im Preis-Leistungsvergleich verdient gewonnen. Das DVT 4000 schafft es hierbei nach unserem Höreindruck sehr gut und am besten, eine klaren Raumeindruck mit deutlicher Stimmwiedergabe zu vermitteln. Das günstigere DVT 2500 fällt leider von der Aufnahmequalität aus der Reihe. Es klingt recht brummig, dadurch wirkt die Aufnahme schnell überladen und verwaschen.


Testergebnisse hier nachlesen und nachhören

Das DVT 6000 und 6500 verfügt über ein drittes (Zoom)Mikrofon. Nach unserem Eindruck trägt die Zoom Funktion des dritten Mikrofons dabei jedoch nur bedingt zur Verbesserung der allgemeinen Klangqualität bei. Die Aufnahme wirkt schlanker und etwas weniger von Raumeindrücken gestört, aber eben auch weniger natürlich. In der folgenden Aufnahme haben wir eine Seminarsituation mit unruhigen Teilnehmenden nachgestellt. Ein Unterschied zwischen DVT6000 mit eingeschaltetem Zoom Mikrofon und dem DVT4000 ohne dieses ist hörbar. Er erscheint uns jedoch nicht so groß, dass man das dritte Mikrofon (je nach Einsatzgebiet) als zwingendes "must have" bezeichnen könnte. Für eine Vorlesungsaufnahme eher vorteilhaft, für eine Interviewsituation dagegen kein hilfreiches Extra.

DVT4000 (download)

DVT6000(download)

Für die DVT Reihe ist außerdem kein (Fell)Windschutz verfügbar (und Drittanbieter Windschütze wie das Rode DeadKitten halten darauf nicht), von daher scheidet es für gute Außenaufnahmen leider aus. Empfehlenswert ist es daher für Innenaufnahmen und Interviewsituationen in Gebäuden. Für Außenaufnahmen sollten Sie definitiv zu anderen Geräten greifen.

Funktionen  

Hier wollen wir nun genauer auf die Unterschiede innerhalb der DVT Reihe eingehen: Grundsätzlich nehmen alle Geräte in Stereo, wahlweise als MP3- oder WAV-Datei, auf und haben Batterien oder den eingebauten Akku und ein USB-Kabel dabei. Bei der Aufnahme sollten Sie auf niedrigen MP3 Bitraten verzichten, sie kosten zu viel Hör-Qualität. Unsere Aufnahmen erzeugen wir in der Regel mit 192 kbps, was bei Philips SHQ benannt wird. 

Einzigartige Funktion: Anfügen​ und Überschreiben - aber nicht Einfügen

Bisher ging das nur mit einem "echten" Diktiergerät, die erst ab 300 Euro und mehr zu haben sind. Hier wurden wir hellhörig, würde das DVT dann doch eine kostengünstige Alternative für Wenigdiktierer darstellen. Nach unserem Test können wir nun sagen: "Ja, aber". Ja, es geht in der Tat: Wenn Sie während des Abhörens einer Aufnahme auf den roten Aufnahmeknopf drücken, wird die bestehende Tonspur ab diesem Punkt, ganz wie beim Tonband oder Kompaktkassette, überschrieben. Alternativ lässt sich im Menü die Option "Anfügen" auswählen. Dann werden die neuen Passagen stets ans Ende einer Aufnahme angehängt, das vorhandene aber nicht überschrieben. Ein Einfügen innerhalb einer bestehenden Datei ist aber nach wie vor nicht möglich. Und das "aber"? Wer die Arbeit mit einem Diktiergerät gewohnt ist, wird den reibungslosen Ablauf zwischen Aufnehmen, Spulen, Anhören und neuer Datei vermissen. Während "echte" Diktiergeräte hier einen direkten Wechsel ermöglichen - nahezu ohne darüber nachzudenken - sind die DVT hier etwas behäbiger. Nach dem Aufnehmen drückt man zunächst auf Stop, danach durch langes Drücken Zurückspulen, wieder auf Play drücken zum Abspielen und dann auf die Aufnahmetaste drücken. Wichtig ist, die Taste für das Zurückspulen nicht kurz zu drücken, denn bei kurzem Klick bewirkt dieses das Blättern zwischen den Dateien. So kommt man schnell ungewollt in einen andere Aufnahme. Unser Fazit für diese Funktion: Bei Konzentration ermöglicht es in der Tat, auf den DVT zu diktieren. Wer jedoch wirklich flüssig und häufig Texte diktieren möchte und auf präzises Spulen und fehlersichere Bedienung angewiesen ist, sollte weiterhin zu einem "echten" Diktiergerät greifen.

Die "kleinen Extras"

Das 6000er und 6500er bieten noch ein paar kleine Extras zusätzlich an. Zum Beispiel das eingebaute Ausklappstativ an der Rückseite. Es entkoppelt das Gerät etwas von der Tischoberfläche und verhindert so einen Teil von Nebengeräuschen durch Rumpeln am Tisch auf der Aufnahme. Zudem kann es zum Beispiel an einem Notenständer oder Monitor eingehakt und so aufgehängt werden. 

Die Funktionstasten sind zudem ganz nett, der direkte Zugriff auf die Mikrofonempfindlichkeit und Qualität sind dadurch möglich und sparen den Gang ins Menü. Leider scheint es nicht mit anderen Funktionen belegbar zu sein. Hier hätten wir uns gewünscht bspw. die automatische Spektrumsanalyse an- und ausschalten oder das Einfügen und Überschreiben verfügbar zu haben. Luft nach oben im Rahmen eines Firmware-Updates besteht also durchaus. 

Ein Radio im Gerät. Das ist nett für unterwegs. Der Mitschnitt ist einfach möglich, indem man während des Radiohörens auf die Aufnahmetaste drückt.

Ein Kopfhörer muss beim DVT 2500 und 4000 extra mitgenommen werden. Nur beim 6000 und 6500 ist dieser mitgeliefert.

Einzig das DVT 6500 liefert eine Fernbedienung mit. Vergleichbar ist diese mit einer Fernsehfernbedienung und arbeitet mit einer minimalen Verzögerung. Auf größere Entfernung (>8m) leider nur unzuverlässig - das geht den Mitbewerbern bei Olympus aber ähnlich.

Fazit

An den Vorgängermodellen dieser Philips Reihe hatte uns die sehr hakelige Menüführung und die ungünstige Doppelbelegung von Tasten gestört und auch die Aufnahmequalität konnte noch nicht mit anderen Anbietern mithalten. Mit der neuen Reihe hat Philips einen deutlichen Sprung gemacht. Uns gefällt vor allem die Haptik und Aufnahmequalität der neuen Philips DVT-Reihe. Das Gehäuse fühlt sich geschmeidig und rund an und liegt gut in der Hand. Wenn man die Aufnahmequalität in den Vordergrund stellt, dann ist das Philips DVT 4000 aus dieser Reihe eine absolute Empfehlung. 90 Euro für eine so gute Aufnahme von Sprachsituationen ist eindrucksvoll günstig und schlägt die Konkurrenz hörbar - zumindest für Sprachaufnahmen. Solche Aufnahmen erleichtern für viele Menschen das spätere Abhören und Transkribieren - allerdings nur, wenn Sie in Räumen aufnehmen (wegen des fehlenden Windschutzes). Für Musikaufnahmen klingt das Zoom H2n (ca. 145 Euro) präziser, ausgewogener und mit breiterem Stereobild - einen Vorteil für Sprachaufnahmen bietet dieser aber nicht.

Lohnt sich die Investition statt in ein DVT 4000 auch in ein teureres Modell wie dem 6000er oder dem 6500er? Wir sind uns nicht ganz sicher. Natürlich sind das dritte Mikrofon, das Stativ, die Funktionstasten, der Kopfhörer, das Radio und eine Tasche bzw. eine Fernbedienung ein Mehrwert. Es sind nette Add-ons, klar. Ob diese aber attraktiv genug sind, um 40 bzw. 90 Euro mehr auszugeben, müssen Sie letztlich selbst entscheiden. Ein leidenschaftlicher Radiohörer oder Nutzer einer Fernbedienung könnte sicher von einem 6xxxer profitieren, andere vielleicht eher weniger. 


Ausgewählte technische Daten lt. Hersteller

Display

  • Typ: LCD-Farbdisplay mit Hintergrundbeleuchtung
  • Diagonale Displaygröße: 1,77 Zoll/4,5 cm
  • Auflösung: 128 × 160 Pixel

        

Audioaufzeichnung

  • Aufnahmeformate: MPEG1 Layer 3 (MP3), PCM (WAV)
  • Aufnahmemodi: PCM 1.411 Kbit/s, SHQ 192 Kbit/s, HQ 96 Kbit/s
  • Aufnahmemodi: SP 64 Kbit/s, LP 8 Kbit/s
  • Abtastrate: 44,1 kHz (PCM/SHQ), 32 kHz (HQ), 22 kHz (SP), 16 kHz (LP)
  • Bitrate: 8, 64, 96, 192, 1.411 Kbit/s
  • Aufnahmezeit: 1.140 Std. (LP), 142 Std. (SP), 95 Std. (HQ)
  • Aufnahmezeit: 47 Std. (SHQ), 6 Std. (PCM)
  • Interner Speicher: 4 GB
  • Typ des internen Speichers: NAND Flash
  • Kompatibel mit Massenspeicherklasse

Tuner (TVD 6000 und 6500) FM Stereo

  • Frequenzbereich: 87,5 – 108 MHz

Musik-Wiedergabe

  • Kompressionsformat: MP3, WMA
  • MP3-Bitrates: 8–320 kbps
  • WMA-Bitrates: 48–320 kbps (44 kHz), 64–192 (48 kHz), stereo

Produktabmessungen

  • Produktabmessungen (B × H ×T): 4,5 × 12,5 × 1,8 cm
  • Gewicht: 84 g