Sony D100

moderner und teurer

Lange Zeit war der Sony PCM-D50 unser Referenzmodell für eine klare und natürliche Aufnahmequalität. Auch nach seiner Abkündigung erreichten uns viele Anrufe von Fans, die durch die Klangbeispiele beeindruckt waren. Gespannt haben wir das erste Vorserienmodell als eine der Ersten in Europa begutachten können. Mit 899 Euro UVP gehört der Sony nicht nur in der Aufnahmequalität zur Königsklasse, sondern auch beim Preis. Die Ambitionen sind damit aber klar gesteckt: Hier will jemand die Nummer 1 sein. Lesen und hören Sie unsere Eindrücke und Überlegungen zum neuen D100:

Optik und Verarbeitung:

Am Design hat Sony im Wesentlichen nicht viel verändert. Das Metallgehäuse wirkt etwas glatter, die wichtigen Bedienelemente befinden sich auf der Vorderseite.

Wir vermissen die praktischen Schiebeschalter auf der Rückseite, mit denen direkt und ohne das Menü zu bemühen Lowcut, Limiter und die Mikrofonempfindlichkeit eingestellt werden konnten; hier ging ein Stück mechanischer Bedienung verloren. Zwei programmierbare Kurztasten finden sich nunmehr auf der Vorderseite.

Alle Funktionen sind nach wie vor gut einhändig zu bedienen und der Rekorder liegt angenehm schwer und sicher in der Hand.

Sehr schön: die Mikrofonkapseln sind größer geworden und sollen Neuentwicklungen sein (und nicht dem teuren D1 entstammen). Die beiden schwenkbaren Mikrofone sind zwar aus Plastik gefertigt, lassen sich aber genauso gut wie beim Vorgänger in ihre verschiedenen Positionen einrasten.

Zwiespältig: finden wir das neue Aussteuerungsrad, das eigentlich aus 2 Rädchen besteht. Eines für jeden Stereokanal. Diese sind nun aus Plastik und in unserem Testgerät liefen sie nicht so geräuscharm und leicht wie beim Vorgängermodell, das im Aussteuerungsbereich hier eine hohe Messlatte setzte. War das Rad beim D50 noch in eine Art Schutzbügel eingebaut, lässt der Rahmen sich beim D100 nach oben klappen. So ganz haben wir den Sinn wohl noch nicht verstanden, wahrscheinlich, weil man dann das obere Rädchen (linker und rechter Kanal) besser drehen kann. Aber der Rahmen wirkt locker und klapprig und passt so gar nicht zum hohen Anspruch des Gerätes.

Sony spendiert dem D100 endlich einen Lautsprecher, der nicht ganz so leise wie bei den Zoom-Geräten klingt, aber eben auch nicht besonders kräftig. Es reicht um zu prüfen, ob die Aufnahmen geklappt haben.

Die 4 AA-Batterien sorgen für eine Dauerlaufzeit von rund 27 Stunden. Das Batteriefach ist nun zusätzlich mit einem Schiebeschalter gesichert. Das Gefühl,den Rekorder an vielen Stellen mechanisch bedienen zu können, bleibt also erhalten.

Aufnahmeformate:

Endlich sind verschiedene Aufnahmeformate einstellbar. Neben Linear PCM mit bis zu 24 bit/192 kHz wird nun auch die Aufnahme von DSD (Direct Stream Digital) mit 2,8 MHz unterstützt. Im Unterschied zu seinem Vorgänger nimmt der D100 auch im MP3-Format auf (320 und 128 kB/s).

Speicher:

Der interne Speicher des D100 ist mit 32 GB überdurchschnittlich groß. Bei solch einem Speichervolumen kann man fast auf Erweiterungen durch externe Karten verzichten. Wer dennoch Speicherkarten nutzen möchte kann aufatmen: Hier hat Sony sich endlich von seinen proprietären MemorySticks verabschiedet, der Nutzer kann nun handelsübliche SDXC Karten (bis 128GB) nutzen und ist nicht mehr auf die überteuerten (und mittlerweile abgekündigten) Sticks von Sony angewiesen. Wahrscheinlich ist es dem Vorserienmodell geschuldet, aber bei unserem Testgerät löste sich die Plastikabdeckung für die SD-Karte und fiel öfters heraus.

Sehr vielversprechend klingt der Menüeintrag "Speicherübergreifend aufnehmen". Ob der D100 wohl automatisch zur Speicherkarte wechselt, wenn der Speicherplatz voll ist? Ob und wie das genau funktioniert, werden wir testen, sobald die finalen Geräte verfügbar sind.

Am PC oder MAC wird der D100 über ein Micro-USB-Kabel angeschlossen - die „kleinen“ Stecker, mit denen auch die meisten Fotokameras kompatibel sind.

Praxistest

Der D100 ist schnell aufnahmebereit, die klare Tastenaufteilung hilft bei einer schnellen Bedienung. Praktisch ist die 5 Sekunden Prerekord-Funktion und die zusätzlichen Editierfunktionen, die sich im Menü befinden. Letztere haben wir in der Kürze der Testung aber nicht näher begutachtet. Uns kam es auf einen Aufnahmevergleich mit den internen Mikrofonen an. Als Vergleichsgerät haben wir uns für das Olympus LS-100 entschieden, da dieses besonders klar, detailliert und in einer schönen Stereobreite aufnimmt. Aufgenommen wurde im PCM/wav-Format, 44 kHz/16 Bit. Für den Webauftritt wurden die Dateien in mp3 mit 320 Bit gewandelt.

Nehmen Sie sich zum Probehören einen Kopfhörer und beurteilen Sie selbst. Wie immer geben wir Ihnen einige Anhaltspunkte, worauf Sie bei den Audioaufnahmen achten können:

01. Glocke und Fußball:

Wie ist der Raumklang gesamt? Am Anfang trifft der Ball ein Metallnetz, wie detailiert hören Sie das Scheppern?

Sony PCM D100 (download)

Olympus LS100 (download)

02. Lahn und Glocke:

Hören Sie den Fluss fließen? Wie positionieren sich Vögel, Glocke im Hintergrund räumlich. Können Sie das Fahrrad von den Autos unterscheiden?

Sony PCM D100 (download)

Olympus LS-100 (download)

03. Autos:

Am Vorbeifahren hören Sie gut die Stereobreite. Achten Sie darauf, wie klar Sie die Hintergrundgeräusche wahrnehmen können: am Anfang Schritte, Knallen einer Autotür, Baulärm im Hintergrund.

Sony PCM D100 (download)

Olympus LS-100 (download)

04. Das Uhrenexperiment:

Sony verspricht in seiner Pressemitteilung eine rauscharme Aufnahme bei besonders leisen Geräuschen. Das wollten wir ausprobieren und haben, nicht ganz repräsentativ, aber eben sehr interessant und aufschlussreich experimentiert. Das Setting: In einem stillen Raum wurde eine alte Taschenuhr auf eine Decke gelegt, die Mikrofone auf die Uhr ausgerichtet und dann langsam mit dem Drehrad ausgepegelt. Natürlich sind dabei Griffgeräusche zu hören, beide Aufnahmen sind nicht ganz identisch und niemand würde in der Realität so aufnehmen. Trotzdem bekommen Sie einen guten Höreindruck.

Unerwartetes Fundstück dabei: Die Stimmaufnahme am Anfang. Vergleichen Sie hier beide Aufnahmen.

Sony PCM D100 (download)

Olympus LS-100 (download)

Fazit

Sony hat wieder ein stabiles, mechanisch gut zu bedienendes Gerät auf den Markt gebracht, das seine Kundschaft finden wird. Der D100 ist wie der Vorgänger für audiophile Menschen, nimmt rauscharm und mit mehr Bass auf und hat einige nette Modernisierungen erfahren.

Bei den Vergleichsaufnahmen hören wir keine großen Unterschiede zu den Aufnahmen des deutlich günstigeren LS-100 heraus. Obgleich die Wirkung der größeren Mikrofonkapseln, die die tiefen Töne einfangen, in unseren Testaufnahmen gut zu hören ist. Der Sony PCM-D100 hat dadurch mehr Volumen (Bass), aber das ist Geschmackssache und nicht zwingend eine bessere Qualität. Die Kehrseite der Medaille: Windgeräusche werden deutlich rumpeliger aufgezeichnet.

Die Sprachaufnahme des D100 aus nächster Nähe ist allerdings wirklich "der Hammer!" (Aufnahme „Uhrenexperiment“). Das klingt nach Großmembranmikro. Total knackig und trocken. Imposant! Das eignet sich in jedem Fall für sendefähige Interviews.

Griffgeräusche sind natürlich ein Thema bei den empfindlichen Mikrofonen und so gehört es entweder auf ein Stativ, oder in eine ruhige Hand. Das Aussteuerungsrädchen lässt sich leider nicht mehr so ganz leise aussteuern. Der Aussteuerungsbereich sucht allerdings bei den Aufnahmegeräten seinesgleichen. Laute und leise Aufnahmen können, bei richtiger Anwendung, perfekt gelingen.

Im Lieferumfang ist eine kabellose Fernbedienung, ein Windschutz, eine Tragetasche, mini-USB-Kabel und Batterien, sowie die Audio Editing-Software Sound Forge Audio Studio enthalten.

So gut wie sich das alles anhört, fühlt und liest gibt es einen schmerzenden Wermutstropfen. Im Vergleich zur Konkurrenz setzt der Sony mit 899 Euro UVP preislich (zu) hoch an - trotz reichhaltigem Zubehör. Leistungsmäßig vergleichbare Geräte wie Olympus LS-100, Zoom H6 oder Roland R26 sind günstiger zu haben und verfügen über XLR-Eingänge. Wir vermuten, folgende ambitionierte Nutzer und Profis profitieren von der hohen Investition: Radiojournalisten, Sprecher zu Hause, Aussteuerfreaks.

Eine günstigere Alternative können also das Olympus LS-100, Zoom H6 oder der Roland R26 sein. Oft lässt sich an deren Aufnahmen mit Sound Forge oder Audacity auch kreativ noch etwas am Klang verändern, um in die klangfarbliche Richtung des Sony zu steuern.

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Features laut Pressemeldung von Sony:

Hochwertige Kondensator Mikrofone für Stereoaufnahmen

  • Neu entwickelte Kondensator-Mikrofone mit 15mm Kapseln
  • Ausrichtung wahlweise im 0°/90°/120° Winkel für optimale Stereoaufnahmen
  • linearer Frequenzgang von 20Hz bis weit über 30kHz und einer hohen Empfindlichkeit von -31dB/Pa machen die Verwendung zusätzlicher externer Mikrofone weitgehend überflüssig
  • Überragende 100dB Signal/Noise Ration durch eigens entwickelten Noise Limiter
  • Ermöglicht rauschfreie Aufnahmen auch extrem leiser Geräusche 

Unterstützung zahlreicher Audio Formate

Ultrahochauflösendes DSD Format mit 2,8 MHz Abtastrate
Linear PCM WAV mit 192kHz/176,4kHz - 24 Bit; 96kHz/ 88,2kH/ 48kHz/ 44,1khz - 24Bit/16Bit
MP3 mit 320kbps/128kbps, Flac*, AAC* & WMA* (* nur Playback)

Große Speicherkapazität

32GB interner Speicher (ausreichend für ca. 11 Std. DSD, ca. 8 Std. WAV 192kHz/24Bit oder ca. 233 Std. MP3 320kbps)
Erweiterungs-Slot für Memory Stick und SD Karten für bis zu 128GB Medien

Dualrecording

gleichzeitige parallele Aufnahme von LPCM-WAV und MP3 Dateien

Wireless Remote

Kontrolle verschiedener Funktionen über kabellose Fernbedienung (Aufnahme, Start, Pause, Stop, Vor/Zurück , Markierung setzen)

Optimierte Bauteile

Verwendung hochwertiger Kondensatoren sowie voneinander abgeschirmte Stromkreisläufe zur Reduzierung interner elektronischer Störgeräusche
Separate AD Wandler für DSD Encoding, PCM & MP3 Encoding sowie für den digitalen Limiter
32 Bit DA-Wandler für bestmögliche Audiowiedergabe

Nützliche Zusatzfunktionen

  • Super Bit Mapping ˆ von Sony entwickelte Technology, welches die Erzeugung von 16 Bit Files mit einem niedrigeren Quantisierungsrauschen bietet (vergleichbar mit der Qualität eines 20 Bit Files)
  • Panningcontrol zur Anpassung des Pegelverhältnisses der beiden Mikrofone
  • Digital Pitch Control für eine Audiowidergabe in verschiedenen Geschwindigkeiten sowie mit veränderter Tonhöhe bei gleicher Geschwindigkeit
  • Digitaler Peak Limiter - reduziert Pegelspitzen um 12dB und schütz so vor Verzerrungen in der Aufnahme
  • Peak Hold - zeigt den höchsten erreichten Pegelwert, kann per Tastendruck zurück gesetzt werden
  • Low-Cut Filter - ermöglicht das herausfiltern von tieffrequenten Störgeräuschen
  • Pre-Recording Buffer- während die Aufnahme in Pause geschaltet ist, werden fortlaufend 5 Sekunden Audio in einem Pufferspeicher festgehalten. Sobald die Aufnahme aktiviert wird, können die letzten 5 Sekunden vor dem Aufnahmestart in die Aufnahme übernommen werden.
  • Bearbeitung des Audiofiles: teilen, zusammenfügen, markieren, Fade In/Out
  • Hintergrundbeleuchtung - für LED Display und Volume-Regler
  • Eingebaute Lautsprecher - zum Abhören von Aufnahmen und gespeicherten Audio-Files
  • Plug-In Power und Eingangsdämpfung: 5V Speisung externe Mikrofone und die wählbare Dämpfung des Eingangssignals um 20dB

Umfangreiches Zubehör

  • Sound Forge Audio Studio Software
  • Kabellose Fernbedienung
  • Windschutz
  • Tragetasche
  • USB-Kabel
  • Batterien

Sonstige technische Daten

  • Eingangsanschlüsse (Miniklinke): Line In, Mic-In, Optical-In
  • Ausgangsanschlüsse (Miniklinke): Line Out, Optical Out, Headphone
  • Netzteilanschluss : 6V
  • USB Anschluss: MicroB (USB2)
  • Batterielaufzeit (4 Batterien): Bis zu 22 Stunden