Wie transkribiert man auf einem Computer?

23.04.2010

Transkription (lat. trans-scribere = umschreiben) bedeutet das Übertragen einer Audio- oder Videoaufnahme in eine schriftliche Form. Meist handelt es sich dabei um Gespräche, Interviews, Diktate oder Filme. Transkription bedeutet dabei immer das schlichte Abtippen des Aufgenommenen von Hand. 

In diesem Artikel finden Sie einen Überblick über die technischen Grundlagen. 
Hinweise zur Methodik finden Sie in unserem Artikel zur wissenschaftlichen Transkription

Software wählen 

Als erstes braucht es eine geeignete Software.

Eine automatische Spracherkennung bei mehr als einer Person ist technisch (noch) nicht möglich. Unsere Studie dazu finden Sie hier. Wer Einzeldiktate per Spracherkennung übertragen will, bekommt mittlerweile ganz passable Ergebnisse, eine Schreibkraft ist aber nach wie vor schneller.

Programme wie der Windows Media Player, iTunes oder andere eignen sich zum Abtippen praktisch nicht. Ihnen fehlen wesentliche Funktionen, die den Prozess des Transkribierens deutlich vereinfachen. Diese sind vor allem: Verlangsamung der Abspielgeschwindigkeit, automatisches kurzes (ca. 1-2 Sekunden) Rückspulintervall bei Betätigen der Stopptaste, Unterstützung für einen Fußschalter und das Einfügen von Zeitmarken und Textbausteinen per Tastenkombination. 

Folgende kostenfreie Programme sind empfehlenswert:

Audiodateien
Auf einem PC empfehlen wir die von uns entwickelte Transkriptionssoftware f4, alternativ auch Express Scribe, wenn DSS-Daten vorliegen oder viele Kurztexte nacheinander abgetippt werden müssen.
Auf einem Mac können Sie sehr gut unsere Software f4web oder f5 nutzen.
Mit Linux empfehlen wir unsere Softwarelösung f4web.

Videodateien
Auf dem PC empfehlen wir die von uns entwickelte Transkriptionssoftware f4media.
Für den Mac bietet sich unser f5 an.
Für Linux verwenden Sie am besten den VLC-Player. Wie Sie diesen für den Gerbauch mit unseren Fußschaltern einrichten können,  erfahren Sie in einer Readme im Linux-Paket unserer F4-Software.

Partiturtranskriptionen (PC und Mac)
Bei partiturähnlichen Transkriptionen bietet sich die kostenfreie Software EXMARaLDA (für PC, Mac und Linux) an. Dort sind ähnlich wie auf einem Notenblatt verschiedene, sich überlagernde Sprecher eintragbar. Auch das kostenfreie englische Programm Transcriber ist einen Versuch wert.

Transkriptionsregeln wählen

Nun gilt es zu klären, wie sie das gehörte in Schriftsprache übersetzen möchten. Sollen nonverbale Aspekte mit aufgezeigt werden, glätten sie die Sprache oder soll ein möglichst exaktes Transkript entstehen? Diese Aspekte sind nicht in wenigen Sätzen zu klären, daher haben wir ihnen einen eigenen Artikel zur Methodik der Transkription gewidmet, den sie hier finden: Artikel zur wissenschaftlichen Transkription

Tipps

Für das Schreiben selbst empfiehlt sich zudem:

1. Alle Programme lassen sich mit Tastenkombinationen (Raten Sie mal, warum unsere Software "f4" heisst!!) bedienen, nehmen Sie also niemals die Maus zum Starten und Stoppen. Bei langen Transkriptionsarbeiten ist ein USB-Fußschalter sehr angenehm und spart zudem Zeit. Wir verkaufen Fußschalter zu günstigen Konditionen. Natürlich transkribieren wir auch Ihre Aufnahmen.

2. Zeilennummern können später in Word hinzugefügt werden. Öffnen Sie ganz zum Schluss das Transkript in Word (bis 2003) und wählen Sie den Menübefehl DATEI > SEITE EINRICHTEN. Dort kann man in einer Registerkarte die Zeilennummern aktivieren.

3. Bei der Nutzung von Analysesoftware wie etwa MAXQDA ist es üblich, statt mit Zeilennummern mit Absatznummern zu arbeiten. Diese Programme fügen die Absatzzahlen nach dem Einlesen der Texte automatisch ein. Die  Texte lassen sich aus den Programmen heraus auch drucken, sodass das Transkript inkl. der Absatznummern als Papier vorliegt und zum Beispiel in einer Interpretationsgruppe verteit werden kann.

4. Transkribierte Texte müssen in der Regel anonymisiert werden. Dies lässt sich in Word sehr gut mit "Suchen und ersetzen" bewerkstelligen. Die Funktion finden Sie im Menü "Bearbeiten". Suchen Sie zum Beispiel nach „Herr Müller“ und ersetzen Sie es durch „Herr XYZ“

5. Speichern Sie zwischendurch Ihr Transkript und erstellen Sie immer eine Sicherheitskopie.

6. Für die spätere Verwendung in Programme wie MAXQDA oder ähnlichen wählen Sie bitte das Dateiformat RTF.

7. Wenn Sie mit Auswertungssoftware arbeiten, sollten Sie langgezogen gesprochene Wörter nicht gesperrt S C H R E I B E N, da sie sonst von Programmen wie MAXqda nicht mehr als „schreiben“ identifiziert werden können.

8. Für die Transkriptionsarbeit rechnen Sie etwa vier bis acht Stunden pro Interviewstunde. Unsere schnellste gemessene Zeit lag bei drei Stunden. Und denken Sie daran, man kann nur sehr schwer acht Stunden am Tag transkribieren. Häufige Pausen sind sinnvoll und nötig.

Hallo, ich benutze F4 schon seit einer Weile zum Interview transkribieren, und obwohl ich das Programm toll finde, gibt es etwas das mich sehr stört: Wenn ich F4 drücke um die Wiedergabe zu stoppen, und dann eine Zeitmarke setze, befindet sich die Zeitmarke x Sekunden vor dem eigentlichen Zeitpunkt, aufgrund des Rückspulintervalls. Setze ich das Rückspulintervall zu 0, stimmt zwar die Zeitmarke exakt, ich kann aber nicht mehr spulen. Gibt es für dieses Problem eine einfache Lösung z.B. über die Konfiguration? mfg, Jan Tenzer

Hallo Jan,
um das Problem zu lösen, drücke bitte F1 zum pausieren. Dann stoppt das ganze ohne Rückspulintervall. F4 dann wieder zum starten drücken. In der nächsten Version wird das etwas angenehmer möglich sein.

Ich habe Fragen:
Ist Olympos RS28 Fußschalter mit f4 kompatibel oder welches Programm ist ratsam?
Kann man Zeitmarken im Transkript nachträglich setzen , ist das doppelte Arbeit?
Läßt sich word text in maxQDAeinfügen und wie ist es dann mit demj nachträglichen Setzen von Zeitmarken ?
Danke für Antworten
Christiane

Hallo Christiane,
der Olympus Fußschalter kann nur die Olympus-Software steuern. Diese ist auch sehr funktional, unterstützt allerdings keine Zeitmarken.
Für die Transkription mit Zeitmarken ist f4 bisher die einzige Lösung. Die Zeitmarken werden automatisch während des Transkribierens gesetzt, ein späteres einfügen ist auf jeden fall sehr zeitaufwändig.
Die Transkripte sind dann kompatibel mit MAXQDA. Auch Word-Dokumente lassen sich, wenn Sie als rtf gespeichert wurden in MAXQDA einlesen.

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