Hessischer Gruenderpreis

Verfasst von Thorsten Dresing am 16.03.2009

Kurzfassung:
f4 Software laden
und loslegen

Wie transkribiert man auf einem Computer?

Ein Beitrag von Dr. Thorsten Dresing und Thorsten Pehl - Stand 18.05.2009

Transkription (lat. trans-scribere = umschreiben) bedeutet das Übertragen einer Audio- oder Videoaufnahme in eine schriftliche Form. Meist handelt es sich dabei um Gespräche, Interviews, Diktate oder Filme. Transkription bedeutet dabei immer das schlichte Abtippen des Aufgenommenen von Hand. 

Eine automatische Spracherkennung bei mehr als einer Person ist technisch (noch) nicht möglich, unsere Studie dazu finden Sie hier. Wer Einzeldiktate per Spracherkennung übertragen will, bekommt mittlerweile ganz passable Ergebnisse, eine Schreibkraft ist aber nach wie vor schneller.

Software wählen 

Als erstes braucht es eine geeignete Software. Programme wie der Windows Media Player, iTunes oder andere eignen sich dazu praktisch nicht. Ihnen fehlen wesentliche Funktionen, die den Prozess des Transkribierens deutlich vereinfachen. Diese sind vor allem: Verlangsamung der Abspielgeschwindigkeit, automatisches kurzes (ca. 1-2 Sekunden) Rückspulintervall bei Betätigen der Stopptaste, Unterstützung für einen Fußschalter und das Einfügen von Zeitmarken und Textbausteinen per Tastenkombination. 

Folgende kostenfreie Programme sind empfehlenswert:

Audiodateien
Auf einem PC empfehlen wir die von uns entwickelte Transkriptionssoftware f4audio, alternativ auch Express Scribe, wenn DSS-Daten vorliegen oder viele Kurztexte nacheinander abgetippt werden müssen.
Auf einem Mac können Sie sehr gut unsere Software f4web oder Transcriptions nutzen.
Mit Linux empfehlen wir unsere Softwarelösung f4web.

Videodateien
Auf dem PC empfehlen wir die von uns entwickelte Transkriptionssoftware f4video.
Für den Mac bietet sich unser Transcriptions an.
Für Linux kennen wir bisher keine Lösung für Videodateien.

Partiturtranskriptionen (PC und Mac)
Bei partiturähnlichen Transkriptionen bietet sich die kostenfreie Software EXMARaLDA (für PC, Mac und Linux) an. Dort sind ähnlich wie auf einem Notenblatt verschiedene, sich überlagernde Sprecher eintragbar. Auch das kostenfreie englische Programm Transcriber ist einen Versuch wert.

Transkriptionsregeln

Jede wissenschaftliche Transkription benötigt ein festes Regelsystem - Transkriptionsregeln. Wie diese aussehen, richtet sich nach Ihren Forschungsabsichten und den dafür notwendigen Daten. Beispielsweise sind gegebenenfalls nonverbale Äußerungen interessant, oder man benötigt lediglich den groben Inhalt der Aussagen. „... Je nach Untersuchungszweck kann bzw. muss die Transkription mehr oder weniger umfassend sein“ (ILMES Internet-Lexikon 2005). Das Regelsystem ermöglicht eine klare Nachvollziehbarkeit bei der Generierung des schriftlichen Datenmaterials und eine einheitliche Gestaltung, wenn in diesen Prozess mehrere Personen einbezogen sind. Gerade bei der späteren, computergestützten Auswertung sind angemessene Transkriptionsregeln im Vorfeld wichtig, um beispielsweise Suchfunktionen und Sprecherunterscheidungen leicht möglich zu machen. Verschiedene Transkriptionsverfahren finden Sie unter: Literatur. Folgende Transkriptionsregeln empfehlen Kuckartz, Dresing, Rädiker und Stefer (vgl. 2008, S.27ff) 

1.    Es wird wörtlich transkribiert, also nicht lautsprachlich oder zusammenfassend. Mundartlicher Einschlag nicht mit transkribiert.

2.    Sprache und Interpunktion werden leicht geglättet, das heisst dem Schriftdeutsch angenähert. So wird zum Beispiel aus „Er hatte noch so‘n Buch genannt“ -> „Er hatte noch so ein Buch genannt“.

3.    Alle Angaben, die den Rückschluss auf eine befragte Person erlauben, werden anonymisiert.

4.    Deutliche, längere Pausen werden durch Auslassungspunkte (...) markiert.

5.    Besonders betonte Begriffe werden durch Unterstreichung gekennzeichnet.

6.    Zustimmende oder. bestätigende Lautäußerungen der Interviewer (mhm, aha etc.) werden nicht mit transkribiert, sofern sie den Redefluss der befragten Person nicht unterbrechen.

7.    Einwürfe einer anderen Person werden in Klammern gesetzt.

8.    Lautäußerungen der befragten Person, die die Aussage unterstützen oder verdeutlichen (etwa lachen oder seufzen), werden in Klammern notiert.

9.    Die interviewende Person wird durch ein „I“, die befragte Person durch ein „B“, gefolgt von ihrer Kennnummer. (etwa „B4:“).

10.    Jeder Sprecherwechsel wird durch zweimaliges Drücken der Enter-Taste deutlich gemacht. Die so entstehende Leerzeile zwischen den Sprechern erhöht die Lesbarkeit deutlich-.

Ein Auszug aus einem von uns erzeugten Transkript hat folgendes Erscheinungsbild:

B7: Ich habe, also ich habe so eine Lerngruppe mit meinem Freund. Das heißt, ich erkläre ihm alles zweimal und dann sitzt es bei mir auch. Und dann noch, ja, habe ich mich noch mal mit, mit einem aus meiner Arbeitsgruppe da von der Statistikgruppe getroffen.
 
I: Und wie, wie fühlst du dich dabei? Also, hast du positive oder negative Einstellungen gegenüber der Statistik oder (...)
 
B7: Ich mag das ganz gerne. Hätte ich am Anfang auch nicht gedacht, aber ich mochte auch Mathe, und deshalb finde ich das ganz okay.
 
I: Und hat sich das im Laufe des Semesters verändert? (B7: Ja!) Und wenn ja, wie?

Tipps

Für das Schreiben selbst empfiehlt sich zudem:

1. Alle Programme lassen sich mit Tastenkombinationen (raten sie mal warum unsere Software "f4" heisst!!) bedienen, nehmen sie also niemals die Maus zum starten und stoppen. Bei langen Transkriptionsarbeiten ist ein USB-Fußschalter sehr angenehm und spart zudem Zeit. Wir verkaufen Fußschalter zu günstigen Konditionen. Natürlich transkribieren wir auch Ihre Aufnahmen.

2. Zeilennummern können später in Word hinzugefügt werden. Öffnen Sie ganz zum Schluss das Transkript in Word (bis 2003) und wählen Sie den Menübefehl DATEI > SEITE EINRICHTEN. Dort kann man in einer Registerkarte die Zeilennummern aktivieren.

3. Bei der Nutzung von Analysesoftware wie etwa MAXQDA ist es üblich, statt mit Zeilennummern mit Absatznummern zu arbeiten. Diese Programme fügen die Absatzzahlen nach dem Einlesen der Texte automatisch ein. Die  Texte lassen sich aus den Programmen heraus auch drucken sodass das Transkript inkl. der Absatznummern als Papier vorliegt und zum Beispiel in einer Interpretationsgruppe verteit werden kann.

4. Transkribierte Texte müssen in der Regel anonymisiert werden. Dies lässt sich in Word sehr gut mit "Suchen und erstetzen" bewerkstelligen. Die Funktion finden Sie im Menü "Bearbeiten". Suchen Sie zum Beispiel nach „Herr Müller“ und ersetzen Sie es durch „Herr XYZ“

5. Speichern Sie zwischendurch Ihr Transkript und erstellen Sie immer eine Sicherheitskopie.

6. Für die spätere Verwendung in Programme wie MAXQDA oder ähnlichen wählen Sie bitte das Dateiformat RTF.

7. Wenn Sie mit Auswertungssoftware arbeiten sollten Sie langgezogen gesprochene Wörter nicht gesperrt S C H R E I B E N, da sie sonst von Programmen wie MAXqda nicht mehr als „Schreiben“ identifiziert werden können.

8. Für die Transkriptionsarbeit rechnen Sie etwa vier bis acht Stunden pro Interviewstunde. Unsere schnellste gemessene Zeit lag bei drei Stunden. Und denken Sie daran, man kann nur sehr schwer acht Stunden am Tag transkribieren. Häufige Pausen sind sinnvoll.

Literatur

Es gibt eine Menge frei zugänglicher Literatur zu qualitativen Forschungsprojekten. Diese sind gute Inspirationsquellen, die man nutzen sollte. Folgende kleine Auswahl für den Anfang hilfreich:

- Forum Qualitative Sozialforschung . Riesiges Archiv mit tausende Artikeln, sehr gute Mailingliste (Anmelden!) und Literaturempfehlungen, DIE Quelle schlechthin.
- CAQD Website der jährlichen Tagung, spannend dort die Tagungsbände mit vielen Beispielprojekte auf jeweils 10 Seiten vorgestellt.

mehr unter "Literatur zur Transkription"

Workshops

Oft ist es hilfreich nicht nur alleine am Material zu arbeiten, sondern sich in Workshops zusätzliches Wissen anzueignen oder das Material sogar gemeinsam mit anderen auszuwerten. Beispielsweise hier:

- Berliner Methodentreffen im Juni/Juli, 450 Teilnehmende, über 20 Workshops oft von den Autoren bestimmter Auswertungsmethoden selbst durchgeführt, man kann eigenes Material einbringen
- Magdeburger Methodenworkshop ähnlich ausgerichtet, etwa 300 Teilnehmende
- CAQD Marburg Tagung mit vielen Vorträgen zur Vorgehensweise bei der Auswertung mit MAXQDA und von MAXQDA Workshops umrahmt
- Das eigene Erlernen von Programmen geht natürlich auch. Am einfachsten über die oft zur Verfügung gestellten Onlinetutorials wie bspw. hier für MAXQDA .

Neu 06.04.2009: Einen umfassenden Überblick über fast alle Forschungswerkstätten in Deutschland bekommt man in dieser Zusammenstellung von FQS.

03.10.2009 - paola (nicht überprüft) sagt:

molto utile

21.01.2010 - Bernhard Mogge (nicht überprüft) sagt:

Nützlich und leicht zu bedienen. Prima.
ABER: Regelmäßig - ich weiß nicht, ob nach einer bestimmten Zeit oder nach einer bestimmten Menge Text - stürzt das gesamte System ab (übrigens nicht nur bei mir!) und lässt sich durch nichts außer durch einen Neustart des PC dazu bewegen, weiterzuarbeiten. Gut, wenn man in kurzen Intervallen gespeichert hat.
Ich bin völlig ratlos; bisher habe ich keine Erklärung für dieses Phänomen entdecken können. Gibt es jemanden mit ähnlichen Erfahrungen?

21.01.2010 - Thorsten Dresing sagt:

Hallo Herr Mogge,
nutzen sie f4 in der Betaversion v4? Da gibt es leider noch einige Fehler. Bitte nutzen sie Version 3.1.
Grüße Thorsten Dresing

01.02.2010 - Diana (nicht überprüft) sagt:

Ich habe mal eine wichtige Frage zur Nummerierung eines Transkripts für meine Hausarbeit.
Fängt man auf jeder Seite neu an die Zeilen zu zählen oder nummeriert man vom Anfang bis zum Ende durch?
Ich würde mich über eine schnelle Hilfe freuen.
LG; Diana

18.02.2010 - Anonymous (nicht überprüft) sagt:

man numeriert von start bis ende ununterbrochen durch. wenn man eine zeilennummer nennen würde welche eventuell auf mehreren seiten vorkommt wüsste man ja diese nicht mehr zu unterscheiden.

19.02.2010 - Thorsten Pehl sagt:

Hallo Diana,
in vielen Transkriptionssystemen und auch den gängigen Auswertungssoftwares hat sich mittlerweile die Nummerierung von Absätzen (statt Zeilen) durchgesetzt.
Dies hat den Vorteil, dass die Nummerierung immer konsestent bleibt, auch wenn das Dokument auf einem anderen Rechner oder gar mit anderer Schriftgröße angeschaut wird.

24.02.2010 - Anonymous (nicht überprüft) sagt:

Hi,
Ich habe das 4f Programm runtergeladen und habe ein PRobeinterview auf meinem MP3 Player aufgenommen, um es mit 4f abzuspielen und zu trankribieren. Folgende Fragen/Problem sind bei mir augetreten:
1. Die Lautstärke ist fast nicht laut genug,
2. Ich wünschte ich könnte die Abspulung stärker verlangsamen, so dass ich beim Hören schreiben kann und nicht immer zurückspulen muss. Wenn ich den "Playing Speed" runter setze, wird die Stimme so tief, dass ich nichts mehr verstehen kann.
Treten diese Problem nur bei mir auf und an was kann das liegen?

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