Olympus DM-550 oder LS-5?

"Wieso eigentlich immer Olympus? Die haben sich doch sicher bei audiotranskription eingekauft". Nein, liebe Leser, haben sie nicht. Wir sind einfach von einigen (nicht allen!) Geräten dieses Herstellers wirklich begeistert und merken aus den Rückmeldungen der letzten 5 Jahre, dass dies von vielen tausend Kunden ähnlich empfunden wird. Das Olympus LS-5 und das DM-550 sind unserer Ansicht nach die aktuell besten "Preis-/Leistungssieger", die es auf dem gesamten Markt digitaler Aufnahmegeräte gibt. Im großen Vergleichsbericht haben wir das DM-550 zum Preis-/Leistungssieger gekürt (das LS-11 wurde Hörsieger). Da gab es den LS-5 noch nicht (der über die gleiche Technik wie das LS-11 verfügt). Und weil die beiden Produktlinien so nah beieinander sind und wir selbst Schwierigkeiten haben, uns für oder gegen einen zu entscheiden, machen wir die Details transparent und lassen Sie an unserer Entscheidungsfindung teilhaben.

Verarbeitung

Beide Geräte sind sehr solide verarbeitet und verfügen über eine Metall/Kunststoffhülle. Die Geräte sind äußerst robust und im täglichen Gebrauch klappert nichts. Die Tasten des LS-5 sind etwas größer, bei beiden stellt die Bedienung aber keine Hürde dar. Auch blinde Nutzer können mit beiden Geräten gut umgehen, wobei das DM-550 zusätzlich auch über ein Vorlesemenü verfügt. Seit dem Verkaufsstart der DM-Reihe haben wir einige tausend Stück vertrieben und bisher lediglich einen (!) Garantiefall gehabt. Das gleiche gilt für die LS-10 und LS-11. Da das LS-5 erst seit 3 Wochen verfügbar ist, liegen dazu keine belastbaren Zahlen vor, da es aber exakt baugleich mit dem 10er und 11er ist, erwarten wir hier keine Überraschungen.

Optik

Das LS ist deutlich größer und sieht durch die beiden hervorstehenden Mikrofonkapseln eher nach einen professionellen Aufnahmegerät aus. Dadurch ist es aber auch nicht mehr so unauffällig. Das DM ist dagegen deutlich unscheinbarer, eleganter und wirkt eher wie ein Diktiergerät, obgleich man nicht damit diktieren kann. Es ähnelt eher dem Wolf im Schafspelz, wenn man die Qualität der Aufnahmen berücksichtigt. Die Displays sind bei beiden Geräten gut sichtbar, haben aber bei direkter Sonneneinstrahlung (wie eigentlich fast alle Displays) ihre Schwierigkeiten.

Der Alltag mit den Geräten

Die Bedienung des LS ist einen Tick einfacher, da die Funktionen Aussteuerung, Mikroempfindlichkeit und LowCut sich direkt über mechanische Schalter an der Geräteseite befinden. das kann jeder auch ohne Handbuch leicht bedienen. Der Aufnahmeknopf des LS ist angenehm groß und lädt zum Drücken ein (erst ein zweimaliges Drücken startet die Aufnahme, beim DM reicht einmal drücken). Optisch sehr deutlich beim LS: Der rot blinkende oder leuchtende Kreis bei aktiver Aufnahme.

Für beide Geräte gibt es optional (die gleiche) Fernbedienung, die rund 5 Meter Luftlinie gut überbrückt. Zudem lassen sich über einen Eingang externe Quellen anschliessen - hier hat aber nur das LS getrennt einen Line-in und Mic-in anzubieten.

Während der Aufnahme sollten Sie erstens die Geräte nicht oder nur sehr bedacht anfassen, denn bei beiden gibt es Griffgeräusche. Hier hilft nur ein externes Mikrofon oder Positionierung auf einer Unterlage (z.B. beim Interview). Bei Außeneinsätzen sind die empfindlichen Mikrofone sehr windanfällig - Windschutz (optional erhältlich) ist hier Pflicht. Der Windschutz von Olympus für das LS ist wirklich perfekt (haben wir im Vergleich mit Drittanbietern festgestellt). Für das DM-550 gab es gar keinen. Hier haben wir einen passenden Windschutz herstellen lassen (im Shop verfügbar).

Eine sehr erfreuliche Tatsache ist die Batterielaufzeit beider Geräte. Das DM-550 schafft über 35 Stunden am Stück mit 2 AAA Akkus (im Lieferumfang). Diese laden sich sogar im Gerät, wenn man es via USB an den Rechner anschliesst (und dabei die Stop-Taste beim Anschliessen kurz gedrückt hat) - ein Ladegerät wird also nicht benötigt, auch keine weiteren Kaufbatterien, das spart ordentlich Geld. Das LS-5 hält rund 20 Stunden mit sehr guten AA Akkus durch, verfügt aber nicht über eine Ladefunktion. Hier benötigt man also noch ein Ladegerät. Das optionale Netzteil des LS kann dafür aber nicht verwendet werden.

Eingebaut sind bei dem DM-550 4GB und beim LS-5 2GB interner Speicher. Mit 320 KbPs im .mp3-Format lassen sich rund 14,5 Stunden am Stück aufnehmen. Im unkomprimierten PCM .wav immerhin 2-4 Stunden. Beide können über (micro)SD Karten im Speicherumfang erweitert werden. Die Übertragung der Aufnahmen gelingt bei beiden Geräten sofort, ohne Installation einer Software, egal ob Mac oder Windows - genau so, als hätte man einen USB-Stick angeschlossen.

Keine Diktiergeräte!

Beide Geräte sind nicht zum Diktieren geeignet. Ihnen fehlt, wie allen guten Aufnahmegeräten, die Möglichkeit, während der Aufnahme kurz zurückzuspulen, um den letzten Satz zu übersprechen oder etwas einzufügen. Das können nur echte Diktiergeräte, die aber deutlich teurer sind, und über eine miserable Tonqualität verfügen (wegen Datenformat und Monomikrofonen).

Preis

Der Preis der beiden Geräte ist wirklich eindrucksvoll. Beide sind für unter 200 Euro zu haben und das mit einer Aufnahmequalität, die noch vor 1-2 Jahren deutlich mehr gekostet hat. Jetzt mögen Sie einwenden, dass das ebenso billige Zoom H2 doch auch gut klingt? - Ja tut es, aber 1. nicht so detailgetreu, 2. bei viel schlechterer Verarbeitung und Handhabbarkeit und 3. ist auch die Batterielaufzeit (5-7 Stunden) eher mäßig. Das DM liegt bei rund 179 Euro, das LS-5 bei 199 Euro.

Aufnahmequalität

Beide Geräte verfügen über eine der besten Aufnahmequalitäten des gesamten Marktes mobiler Aufnahmegeräte bis 600 Euro. Dies können Sie nachhören in unseren Vergleichstests. Das LS-5 ist etwas besser für Musik und Außenatmosphäre geeignet und ist bei der Aussteuerung komfortabler. Das unaufälligere DM-550 eignet sich für schnelle Sprachaufnahmen und Interviews. Für Hörbuch- und .mp3-Nutzer sind die Zusatzfeatures (Track resuming - setzt an der gleichen Stelle wieder ein) bestimmt sehr attraktiv.

Probeaufnahme DM-550 (download)

Probeaufnahme LS-5 (download)

Fazit

Eine Entscheidung zwischen den beiden Geräten gelingt nicht pauschal. Dafür sind sich die Olympus-Geräte zu nahe bzw. die potentiellen Einsatzgebiete und Wünsche für Sie als Kunde zu ausschlaggebend. Die Gesamtqualität der beiden Olympus-Protagonisten hat man vor diesen mit deutlich mehr Euro erkaufen müssen. Wir sehen nach unserem Stand der Erfahrung aktuell keinen ebenbürtigen Hersteller, der diese Qualität zu diesem günstigen Preis anbieten kann. Mit beiden Geräten werden Sie erfreuliche Erfahrungen und Aufnahmen machen können.

Hier geht es zum Testbericht des DM-550

Hier zum Testbericht des LS-5

Hier zum großen Vergleichstest

Hier zum Atmo-Vergleichstest