Aufnahmevergleich "Orgelmusik"

Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, in unseren Vergleichstests gute und bekannte Aufnahmegeräte in verschiedenen Situationen zu testen und gegeneinander antreten zu lassen. Bereits durchgeführt haben wir einen großen Vergleichstest und einen "Atmo"-Test. Heute steht eine Orgelaufnahme und damit das Thema Musik und Raumakustik auf dem Programm. Wir haben den Orgelspieler Sebastian Weigert für einen Testlauf in der Marburger Universitätskirche gewinnen können. Unsere Aufnahmeergebnisse können Sie im Folgenden nachlesen und -hören.

Vorbereitung

Wir haben uns für eine Auswahl an populären Rekordern - Zoom H2 und H4n, Olympus LS-11 und DM-550, Tascam DR-2D und DR-100, sowie Sonys PCM-D50 und PCM-M10 - entschieden. Der H2 ist der älteste Vertreter in diesem Feld und nach wie vor einer der meist verkauften Rekorder in Deutschland.  Olympus ist dagegen mit 2 jüngeren Vertretern dabei, die bereits in vorhergehenden Tests durch sehr gute Aufnahmequalität aufgefallen sind und den Titel "Hörsieger" und "Preis-Leistungssieger" verliehen bekommen haben. Tascam und Sony stehen mit ihren Profirekordern DR-100 und D-50 preislich am oberen Ende der von uns beachteten Preisskala bis 550 Euro.

Wir entschieden uns dafür, es bei diesen acht Geräten zu belassen.  Denn zunächst ist es deutlich leichter und schneller zu bewerkstelligen, 8 statt 16 Geräte miteinander zu vergleichen. Nach unseren vorangegangenen Tests sind einige Geräte für Musikaufnahmen nicht geeignet (wie Yamaha C24 oder Olympus WS-450). Andere Rekorder wie der Marantz PMD661 hingegen spielen ihre Stärke erst mit angeschlossenen externen Mikrofonen aus, die wir in diesem Test nicht berücksichtigen - uns geht es um die eingebauten Mikrofone.

Auf ein Setting für Musik konnten wir uns schnell einigen: Orgel-Aufnahmen verfügen über ein breites Klangspektrum und stellen ein sehr herausforderndes Setting dar. Aufgrund der für eine Kirche typischen Raumakustik hat jede Aufnahme mit starkem Hall zu kämpfen. Zudem gibt es einen großen Dynamikumfang zwischen sehr leisen hohen und kräftigen tiefen Tönen. Also trafen wir uns mit dem begabten Orgelspieler Sebastian Weigert und durften, mit freundlicher Erlaubnis der Verwaltung, in der Universitätskirche Marburg Aufnahmen erstellen.

Alle Geräte wurden nebeneinander auf eine Kirchenbank gelegt, gepolstert durch ein schmales Schaumstoff-Kissen. Die Orgel selbst befand sich auf einer Empore ca. 30 Meter von den Geräten entfernt, was zu einem schönen, räumlichen Klang führen sollte.

Mit den Aufnahmen im Gepäck, machten wir uns auf den Weg zurück ins Büro. Leider wurde uns noch vor den Auswertungen der Aufnahmen bewusst, dass zwei der Geräte trotz gewissenhafter Vorkalibrierung und Voreinstellung nicht wie gewünscht funktioniert hatten. Die Aufnahmen des DM-550 waren deutlich übersteuert und nicht zu retten. Beim Tascam DR-100 hatte sich ebenfalls ein Fehler eingeschlichen. Die Aufnahme war in Mono, nicht in Stereo - trotzdem haben wir sie mit in die Bewertung genommen. Leider konnten wir die Aufnahme nicht wiederholen und daher nur 7 Rekorder für den Vergleich einbezogen.

Einstellungen der Geräte:

- Stereo (WAV: 44,1kHz / 16 Bit)
- Low-Cut, Limiter, etc. ausgestellt
- Mikrofonempfindlichkeit hoch
- Alle Geräte wurden am Vortag mit Hilfe eines gleichmäßigen Pfeiftons ausgepegelt

Hörbeispiele

Als Hörbeispiel und Bewertungsgrundlage haben wir eine Passage ausgesucht, die das breite Klangspektrum der Orgel gut wiederspiegelt.

Um unsere Testergebnisse und Hörbeispiele nachvollziehen zu können, sollten Sie in jedem Fall einen (guten) Kopfhörer nutzen. In keinem Fall reichen Ihre Notebook- oder PC-Boxen aus, Details oder Unterschiede deutlich zu machen. 

Olympus LS-11(download)

Sony PCM D-50 (download)

Sony PCM M10 (download)

Tascam DR-2d (download)

Tascam DR-100 (download)

Zoom H2 (download)

Zoom H4n (download)

Auswertung

Alle Aufnahmen wurden geschnitten und für jede der Testpersonen eigens anonymisiert. Sämtliche (Datei-) Informationen, die Rückschlüsse auf das Aufnahmegerät zulassen, wurden entfernt.

Dadurch gaben wir uns selbst die Chance, unvoreingenommen an die Aufnahmen heran zu gehen. Jeder lauschte (mit einem Bose bzw. AKG Kopfhörer) aufmerksam den Aufnahmen und füllte danach einen Fragebogen aus. Notiert wurden dabei der erste Eindruck samt besonders auffälliger Merkmale. Zudem bewerteten wir Rauschen, Klirren, Klacken, Nebengeräusche und Klangcharakteristik wie "hell und klar" oder "dunkel und satt". Das Knistern einer Aufnahme durch Übersteuerung haben wir nicht in die Bewertung einfließen lassen.

Die Ergebnisse der Auswertung

Das Sony D-50 erhält durchgängig sehr gute Bewertungen. Auch das Tascam Dr-2d gehört bei allen zu den Favoriten. Ihnen gelingt es, den Frequenz- und Dynamikumfang detailliert und ausgewogen darzustellen. Einzige Ausnahme in der Teambewertung: Unser Praktikant mag es gerne wuchtiger und bevorzugt daher LS-11 und Zoom H2. 

Der Tascam DR-100 liegt recht abgeschlagen, was allerdings weniger dem Gerät als unserer Nachlässigkeit geschuldet ist. Eine Monoaufnahme hat gegen einen breiten Stereo-Klang in diesem Fall keine Chance.

Aus dem Durchschnitt aller Bewertungen ergibt sich für unser Testteam folgende Reihenfolge:

Vorne:  Sony D-50, Tascam DR-2d
Mitte: Zoom H4n, Sony M-10, Olympus LS-11
Hinten: Zoom H2 und Tascam DR-100 (Monoaufnahme)


Testfazit - Dr. Thorsten Dresing und Thorsten Pehl

"Interessanterweise haben wir absolut identisch bewertet (unabhängig voneinander). Jedes Gerät haben wir auf dem gleichen Platz verortet und waren uns auch in der Diskussion einig. Unsere Favoriten sind das Sony PCM D-50 und der Tascam DR-2d. Am Sony mögen wir den detaillierten und klaren Klang. Selbst bei den mehrstimmigen Passagen kann man sehr gut die hohen Töne differenzieren. Der Tascam DR-2d bringt ähnliche Differnziertheit und eine schöne Betonung der Bässe. Das Klangbild ist dadurch kraftvoll - wuchtig ohne dröhnend zu wirken. Wenn man den Preis mitbeachtet, so fällt unsere Empfehlung für diese Einsätze auf den Tascam DR-2d (und eine Hand voll Batterien)."

Testfazit - Stefan Bauer (unser Praktikant)

"Das Zoom H2 ist vielleicht nicht das Beste der getesteten Geräte – aber es kann sich angesichts seiner ausgewogenen Aufnahmen durchaus selbst auf seine alten Schultern klopfen. Mein Favorit? Wie erwartet das LS-11. Zwar war am Ende ein kurzes und sehr leises Knistern zu hören, aber die Aufnahme hat für mich einfach den schönsten – und auch rundesten – Gesamteindruck hinterlassen. So etwas hört man einfach gerne."

Das Test-Team

Zu einem objektiven Untersuchungssetting gehört auch die transparente  Darstellung der eigenen Rolle und Position. Nur so können Sie als  LeserInnen abschätzen, von welcher Warte aus wir unsere Bewertungen  getroffen haben.

Unsere Kernfähigkeit ist die Aufnahme von Gesprächssituationen zwecks wissenschaftlicher Analyse der Gesprächsinhalte. Wir haben jahrelang Interviews oder O-Töne aufgenommen und diese später selbst transkribiert. Etwas, mit dem wir täglich konfrontiert sind, ist das Anhören von Aufnahmen via Kopfhörer. Unser Standpunkt ist folgender: Je besser die Aufnahme, d.h. je besser verständlich und realistischer die Darstellung ist, umso leichter fällt die nachträgliche Transkription und umso leichter kann man sich in die verschiedenen Stimmen einfinden/eindenken.

Wir haben ganz bewusst auf die Analyse mithilfe von Frequenzkurven oder Rauschabständen verzichtet. Die Entscheidung, ob eine Aufnahme gut oder schlecht ist, treffen wir mit geschlossenen Augen und dem Kopfhörer auf den Ohren.

Dr. Thorsten Dresing und Thorsten Pehl sind  Erziehungswissenschaftler. David Georgi war lange Zeit im Journalismus (BBC London) tätig und erstellt Reportagen in den Bereichen Sport, Reisen und Natur. Stefan Bauer ist Student und Musiker und bei uns Praktikant.