Frisch aufs Ohr - Test 2011

Neue Geräte soweit das Ohr reicht! Es ist wieder Herbstzeit und frischer Wind pustet auch durch den Wald der Aufnahmegeräte. Marktneuheiten, erweiterte Funktionen, günstigere und insgesamt ähnliche Preise. Wofür kann oder soll ich mich entscheiden? Da wurde es dringend Zeit unseren dritten, großen Test 2011 zu starten, um herauszufinden, wie sich die Neuheiten schlagen und welches Aufnahmegerät die Ohren erfreut.

Update 18.01.2012

Wir haben diesen Test mit neuen Geräten auch 2012 noch einmal nachgespielt. Die entsprechenden Ergebnisse für Orchester sind hier nachzuhören: http://www.audiotranskription.de/test-2011-update

Die Testkandidaten

Wie in den vergangenen Tests 2009 und 2010, haben wir aus der großen Menge an Testkandidaten eine Vorselektion von zwölf Geräten getroffen, die uns vorab gut gefallen haben. Alle Geräte müssen sich in drei Testszenarien beweisen und zeigen, was sie zu bieten haben. Dabei haben wir sowohl sehr günstige Vertreter ("was kann ein Billiggerät im Vergleich zu den Guten"), bisherige Topseller, letztjährige Hörsieger und frische Marktneuheiten am Start. Freuen Sie sich mit uns auf die Ergebnisse unserer Probeaufnahmen dieses Vergleichstests. Folgende Geräte sind mit dabei (der Link führt zum jeweiligen Einzeltestbericht): Olympus VN 7000, iPhone 4 Sprachaufnahme, Android-Handy (Samsung Galaxy Mini), Olympus DS-5000, Zoom H2n, Olympus LS-5, Zoom H4n, Olympus LS-3, Tascam DR-40, Olympus DM-650, Roland R-26 und Sony D-50. Für einen der drei Tests haben wir zudem ein Tascam DR-07MKII und ein Zoom H1 dazugenommen.

Unser Bewertungsraster

Bewertet wurden weder die Optik, noch Funktionen, noch Bedienbarkeit der Geräte. Diese Eigenschaften sind zum großen Teil schon in den Einzeltests beschrieben und eher einsatzbedingt zu bewerten, d.h. in Abhängigkeit der jeweiligen Bedürfnisse. Als Musiker benötigen Sie vielleicht dringend den XLR-Anschluss und Vierspuraufnahme, wohingegen Sie als  Wissenschaftler ein möglichst kleines Gerät vorziehen. In diesem Test zählt einzig und allein die Qualität der Aufnahme, die sich für uns durch die Qualität der Stimm-/ Detailwahrnehmung, Rauscharmut und Raumwahrnehmung ableitet.

Zur Bewertung haben wir uns im Viererteam zunächst alle Aufnahmen blind mit einem ausgezeichneten Studiokopfhörer (AKG K701) angehört. Keiner wusste, von welchem Gerät die jeweilige Aufnahme stammte, denn alle haben ja die gleiche Sequenz als Inhalt. Ein Kollege hatte alle Aufnahmen umbenannt (statt Aufnahme Sony D-50 nur "Möwe", statt Roland R-26 nur "Schildkröte" usw.). Situationsbezogen haben wir unsere Wahrnehmungen dann getrennt voneinander auf einem Fragebogen beschrieben - Zum Beispiel: "Möwe: satter Klang, Details sehr präzise, wenig Rauschen, sehr klare, breite Stereoaufnahme - eher im oberen Drittel angesiedelt".

Unsere individuellen Eindrücke haben wir dann zu jedem Test getrennt im Team ausgetauscht, erläutert, Höraspekte überprüft und die jeweils besten 4 Aufnahmen nochmal anonymisiert und erneut angehört und eine Reihenfolge gebildet. Erst dann haben wir für jede der drei Aufnahmesituationen die im Gesamteindruck besten Geräte aufgelöst. Anhand der Tests bestimmen wir den Atmosieger (Empfehlung für differenzierte Aufnahmen leiser Quellen), den Interviewsieger (Empfehlung für Interviewsettings) und den Musiksieger (Beste Aufnahme bei Musiksituation).

Erst danach werden zu jedem Gerät weitere für uns wichtige Aspekte wie Bedienbarkeit, Größe, Stromverbrauch oder Preis analysiert. Daraus entsteht dann der  Preis/Leistungssieger.

Unsere Vergleichsaufnahmen

Sie haben in der Regel ganz unterschiedliche Bedürfnisse und Einsatzgebiete für digitale Rekorder. Vielleicht möchten Sie ihr Klavierkonzert aufnehmen, eine Vorlesung an der Uni mitschneiden, die morgendliche Stimmung im Wald mitnehmen oder sind einfach scharf auf gute Aufnahmen in vielen Situationen. Natürlich lassen sich in unserem Test nicht alle möglichen Situationen einfangen. Wir haben uns aber nach langer Diskussion für drei Szenarien entschieden, die unserer Meinung die Bandbreite möglicher Einsatzgebiete ganz gut abbilden: Atmo-, Musik- und Interviewaufnahme.

Um unsere Testergebnisse und Hörbeispiele nachvollziehen zu können, sollten Sie in jedem Fall einen (guten) Kopfhörer nutzen. In keinem Fall reichen Ihre Notebook- oder PC-Boxen aus, die wesentlichen, feinen Details oder Unterschiede deutlich zu machen. Klicken Sie einfach auf die entsprechenden "Play"-Taste eines Hörbeispiels, um sich die Situation mit einem bestimmten Aufnahmegerät anzuhören. Zudem können Sie durch Anklicken des Rekordernamens auch die entsprechende MP3-Datei für eigene Tests direkt herunterladen.

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Test 1: Atmo (Kirchenglocken in der Ferne)

Für unsere Atmo-Aufnahme mit neun Aufnahmegeräten haben wir das Ufer der Lahn, direkt neben der Marburger Mensa ausgewählt. Ein Ort, der zu einer bequemen Pause einlädt und von dem aus die Stadtglocken um 12 Uhr gut zu
hören sind. Vor allem die Schallreflektionen der Glocken werden hier auf interessante Weise hörbar. Ein stetiges Hintergrundrauschen ist durch die nicht weit entfernte B3 wahrnehmbar, zudem viele Studenten, die in rund 10 Meter Entfernung in die Mensa auf einem vielbefahrenen Radweg pilgern. Ein idealer Ort um die Aufnahmegeräte  herauszufordern. Hören Sie die Probeaufnahmen bitte mit einem guten Kopfhörer an.

Um die Aufnahmen zu differenzieren und zu bewerten haben wir uns nach erstem Probehören im Team über  relevante und markante Punkte verständigt:

- Verkehrslärm: Wie nehmen Sie das Brummen der Straße war? Eher als undifferenzierbares Rauschen oder lässt es sich trennscharf als Straßenlärm identifizieren?
- Vögel und Enten: Hören Sie das Piepsen eines Vogels und der Enten? Können Sie deutlich deren Position wahrnehmen?
- Stimmen: Wie deutlich wirken die Stimmen im Hintergrund ?
- Glocken: Wie viele unterschiedliche Glocken können Sie hören? Erkennen Sie einen Widerhall der Glocken?
- Fahrräder:  Hören Sie nach der Fahrradklingel das leise Heranrollen des Drahtesels? Die anschließende Beschleunigung (der Weg ist nun frei) des Rades, ist wieder besser zu hören.  Wie gut können Sie den Weg des
Rads von Rechts nach Links nachvollziehen?
- Gesamteindruck: Welche Aufnahme wirkt subjektiv natürlich und detailreich?

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Probeaufnahmen "Atmo" (in alphabetischer Reihenfolge)

Olympus DM-650 (download)

Olympus LS-3 (download)

Olympus LS-5 (download)

Olympus VN7000 (download)

Roland R-26 (download)

Sony PCM-D50 (download)

Tascam DR-40 (download)

Zoom H2n (download)

Zoom H4n (download)

Die Aufnahme ist durch einen SD-Kartenfehler leider nicht komplett nutzbar. Alle relevanten Details sind aber auch hier hörbar.

Bewertung zum Setting "Atmo"

Was für eine vielfältiges Klangbild - wow. Wir sind begeistert von der Aufnahmesituation, weil man in ihr relevante Unterscheidungsmerkmale heraushören kann und es für uns einen klaren Testsieger gibt. Aber der Reihe nach:

Die eindeutig und für jeden Laien identifizierbar schlechteste Aufnahme stammt vom Olympus VN-7000, was erwartbar war, handelt es sich doch um einen reinen Notetaker. Deutlich besser als jenes, aber für die Situation leider dennoch nicht geeignet, ist das Olympus DM-650. Obwohl bei Gesprächsaufnahmen unser Sieger, liegt es hier fast ganz hinten. Dies liegt zum einen an der automatischen Aussteuerung (hören Sie das "Wabern" der Lautstärke?), als auch dem zu stark betonten Bass. Auch die internen XY-Mikrofone des Roland R-26 schneiden nicht mit Bravour ab -
die Aufnahme klingt dumpf, rauscht deutlich, die Details wirken verwaschen obgleich die Stereoabbildung gut ist.

Im Mittelfeld sehen wir das Tascam DR-40 (mit hörbaren Grundrauschen, leicht dröhnend) und das Zoom H2n (Details sind hörbar, mit weitem Stereo, dennoch fehlt uns die Ausgewogenheit in der Mitte; insgesamt vergleichsweise dumpf).

Die Aufnahme des Olympus LS-3 hat uns sehr gut gefallen. Durch einen intensiven Bass wirkt Sie jedoch etwas "mächtig" und der Staßenlärm wird leider sehr betont, aber insgesamt ist die Aufnahme dennoch äußerst detailreich und natürlich.

Als beeindruckend gut haben wir im Viererteam unabhängig voneinander die Aufnahmen des Zoom H4n, Olympus LS-5 und dem Sony PCM D-50 wahrgenommen. Das Zoom H4n (Platz 3) ist trotz des leichten Knisterns am Anfang (statische Aufladung unserer Windjacke) klar und ausgewogen. Das Stereobild ist weit, ohne unnatürlich zu wirken. Das Olympus LS-5 (Platz 2) besticht durch feine und lebendige Details. So sind die Stimmen beispielsweise sehr gut wahrnehmbar, die Fahrradklingel klingt sehr klar und das bei einer angenehmen, hellen Gesamtkomposition. Schließlich das Sony D-50 (Platz 1)... Eindrucksvoll! Nur bei dieser Aufnahme rauscht es nahezu nicht und die Autobahn ist klar als solche wahrzunehmen, nur hier ist der Widerhall der Glocken klar als eigenes Geräusch zu erkennen, die Stimmen am klarsten und eine wirklich realistische Stereodarstellung ist gegeben. Auch das leise Knacken des nahenden Fahrrads ist deutlich zu hören. Für Atmoaufnahmen ist es für uns das eindeutig beste Ergebnis im Feld. Daher verleihen wir dem Sony PCM D-50 das Siegel "Atmosieger 2011".

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Test 2: Interview

Die Konferenzsituation haben wir wie immer in unserem rund 30qm großen Besprechungsraum mit etwa 4 Meter hohen Decken aufgenommen. Drei Personen saßen direkt am Tisch, eine Person tippte in rund 2 Metern Entfernung und eine weitere kam etwas verspätet aus rund 5 Metern durch eine Tür herein.

Für diese Situation haben wir zusätzlich zwei Smartphones und ein Diktiergerät dazugenommen, um die realistische Bandbreite der Rekorder Geräte zu erhöhen (viele nutzen ja Ihre Smartphones für solche Aufnahmen). Somit lagen nun zwölf Aufnahmegeräte auf dem Tisch. Alle Rekorder haben wir mit ähnlichen Einstellungen versehen. Soweit möglich haben wir mit mittlerer Mikrofonempfindlichkeit, MP3 320kBit, automatischer Aussteuerung, allen Zusatzeffekte ausgeschaltet und bei klappbaren Mikrofonen im 90Grad Winkel aufgenommen. Alle Geräte haben wir so eingestellt, wie Sie vom Hersteller explizit beworben werden (z.B. das H2n mit 2CH-Einstellung, das LS-3 und DM-650 mit drittem (Bass-) Mikro eingeschaltet usw.)

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Probeaufnahmen "Interview"

(in alphabetischer Reihenfolge)

Android-Handy (Samsung) (download)

iPhone4 (download)

Olympus DM-650 (download)

Olympus DS-5000 (download)

Olympus LS-3 (download)

Olympus LS-5 (download)

Olympus VN7000 (download)

Roland R-26 (download)

Sony PCM-D50 (download)

Tascam DR-40 (download)

Zoom H2n (download)

Zoom H4n (download)

Bewertung zum Setting "Interview"

Während des Analysedurchganges sind uns drei Geräte aufgefallen, die wir für diese Situation als ungeeignet empfinden. Ungeeignet deshalb, weil das Grundrauschen zu stark und die Verständlichkeit zu schlecht ist. Die Stimmen klirren wie in einem alten 40er-Jahre Film mit Hans Moser. Der Inhalt ist verständlich, aber das längere Anhören solcher Aufnahmen haben wir als schmerzhaft fürs Ohr empfunden. Es handelt sich um die Aufnahmen vom iPhone4, Olympus DS-5000 und VN-7000. Diese Geräte sind für eine größere Gesprachsrunde nicht zu empfehlen.

Eine weitere Aufnahme ist gerade noch empfehlenswert, hat aber ebenfalls deutliche Mängel in der Aufnahmequalität. Die Stimme flirrt, das Klangbild ist flach, aber gerade noch verständlich: Die Aufnahme mit der Software Tape-a-Talk auf dem Android Handy.

Alle anderen Rekorder, immerhin acht Stück, schlagen sich in dieser Disziplin mit Bravour. Es gibt zwar auch innerhalb dieser acht Aufnahmegeräte hörbare Unterschiede im Klangbild, wie beispielsweise die Bassdarstellung (z.B. LS-3 und DM-650 eher mehr, Sony D-50 eher weniger), die Stereobreite (Zoom H2n eher mehr, Roland R-26 eher weniger), den Hall (LS-5 eher mehr, DR-40 eher weniger). Nach unserer Einschätzung ist keiner dieser Unterschiede relevant für die Gesprächsaufnahmen von 2-10 Personen, denn alle acht Aufnahmen stellen überzeugende Mitschnitte dar, bei denen die Gespräche gut und realistisch nachvollzogen werden können - sowohl für die Transkription, als auch die potentielle Veröffentlichung. Ihre Entscheidung für einen geeigneten Rekorder bei Interviewaufnahmen sollten Sie aus der Runde dieser acht vornehmen und sich dabei hauptsächlich vom Preis und Ihrem persönlichen Geschmack und Bedürfnis leiten lassen.

Es zeigt sich, das hochspezialisierte Diktiergeräte perfekt fürs Diktieren geeignet sind, aber bei Interviewsituationen völlig unbrauchbare Aufnahmen erzeugen. Es zeigt sich des Weiteren, dass günstige Aufnahmetechnik, wie man sie im Iphone, Android oder einem billigen Olympus VN findet, deutlich hörbare Einbußen bei der Aufnahmequalität bringt - diese Geräte sind allenfalls Notlösungen.

Neben diesen eher schwachen Geräten liefern jedoch  überraschend viele Geräte sehr gute Aufnahmen menschlicher Sprache. Zwar gibt es Unterschiede in der Klangfarbe, doch ist diese für eine gute Verständlichkeit der Gespräche nicht entscheidend. Zieht man den Preis als Entscheidungskriterium mit heran, so sehen wir den günstigsten Vertreter der guten Geräte, das Olympus DM-650 als besonders empfehlenswert für Interviewsituationen von 2-10 Personen an. Wir verleihen ihm daher das Siegel "Interviewsieger 2011/2012".

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Test 3: Musik

Montag Abend 14.11. 19 Uhr war es soweit: Produktives Gewusel mit vielen Geigen, Bratschen, Flöten, Pauken, Kontrabässen und Trompeten, die von den 50 Studierende in Position gebracht und auf den Kammerton A geeicht wurden. Wir fühlen uns geehrt, das wir hier aufnehmen dürfen - hat das Studenten-Sinfonieorchester Marburg unter dem Dirigenten Ulrich Manfred Metzger doch erst im Sommer bei Bundespräsident Wulff (sollten wir diesen Zusatz besser streichen? *g*) im Schloss Bellevue ein Sommerkonzert gegeben. In dem deutlich über 1000m2 großen Audimax der Uni wirken wir ohne andere Zuschauer fast etwas verloren, aber der Saal hat eine interessante Akustik und wurde gerade renoviert - das verspricht eine einzigartige Situation für unseren Musikvergleichstest 2011.

Unsere 11 Aufnahmegeräte bauen wir in der fünften Reihe mittig auf. Im Vorfeld sind alle Rekorder aus Gründen der Vergleichbarkeit nahezu identisch eingestellt worden (z.B. Mikros auf 90 Grad, obgleich 120 Grad bei manchen Modellen wesentlich besser geklungen hätte und zu empfehlen wäre). Mit Beginn der Proben steuern wir zunächst manuell aus und geniessen dann die wirklich interessante Lehrstunde in Sachen Orchester. Spannend auch deshalb, weil wir auch den plastischen Erläuterungen des sehr netten Dirigenten folgen können - eine exklusive Vorlesung der besonderen Art.

Wenn Sie die Probeaufnahmen anhören, machen Sie sich bewusst, dass ein Unterschied der Aufnahmen nicht immer gleichbedeutend mit einer schlechteren oder besseren Qualität sein muss. Jedes Aufnahmegerät hat eine eigene Klang-Charakteristik und bannt das Gehörte leicht gefärbt auf SD-Karte. Ob nun eine gute Aufnahme die Kontrabässe betont oder nicht, ist eher eine Frage der persönlichen Präferenz. Dagegen ist ein hörbares Rauschen oder  flache Situationsdarstellung sofort als Makel zu bewerten.

Wir haben uns absichtlich eine sehr frühen Probentermin erbeten, damit wir beim ersten Einspielen eines neuen Stücks dabei sind. Durch das "unfertige" Zusammenspiel, die schiefen Töne und zu frühe oder späte Einsätze lassen sich die Aufnahmegeräte und auch die Instrumente gut voneinander unterscheiden. Unser 2-minütiger Ausschnitt enthält genau solche Eckpunkte für einen guten Vergleich. Hier einige Fragen, die Ihr Probehören leiten können: Gleich in den ersten Sekunden hören Sie die raschen Streicher und Flöten. Können Sie beispielsweise in den ersten Sekunden die Flöte von den Streichern unterscheiden, noch bevor die Flöte nach ca. 7 Sekunden einzeln heraustritt? Um die Minute 1:10 herum wird das Stück deutlich leiser und hier kann man bei einigen Aufnahmen ein Grundrauschen heraushören. Schließlich stellen Trommel und Kontrabass einen Orientierungspunkt für gelungene Bassdarstellung dar. Beide Instrumente müssen klar voneinander unterscheidbar sein, auch wenn Sie wie bei 0:38 oder 1:05 gemeinsam spielen. Für die ganz "Feinohrigen" ist gegen 0:34 ein Klacken zu hören. Wir vermuten, dass es sich um den Taktstock des Dirigenten am Pult handelt. Zu Hören ist das Klacken auf jeder Aufnahme, aber nicht gleichermaßen klar. Die Darstellung des Raumes unterscheidet sich deutlich. Können Sie den Raum zwischen den Instrumenten wahrnehmen? Wie nah oder fern klingen die Instrumente? Eine authentische Aufnahme, die unser Erleben im Hörsaal wiederspiegelt, lässt deutlichen Raum wahrnehmen, ohne dass die Instrumente weit entfernt klingen.

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Probeaufnahmen "Musik"

Ein Auszug aus der Ouvertüre "Coriolan" in c-moll, op.62 von Ludwig van Beethoven

(in Rangfolge der Besten)

 Roland R-26 (download)

 Zoom H2n (download)

 Olympus LS-5 (download)

 Olmpus LS-3 (download)

 Sony PCM D50 (download)

 Zoom H4n (download)

 Tascam DR-40 (download)

 Tascam DR-07MKII (download)

 Zoom H1(download)

 Olympus DM-650 (download)

 Olympus VN-7000 (download)

Bewertung zum Setting "Musik"

Beim anonymisierten Anhören war schnell klar: Der Großteil der Rekorder liefert wirklich hervorragende Aufnahmen. Einige Aufnahmen fallen jedoch deutlich aus dem Rahmen, sowohl positiv als auch negativ. So lassen sich auch in dieser Probeaufnahme drei Gruppen von Geräten bestimmen.

Die deutlich schlechteste Aufnahme im Feld stammt wie zu erwarten vom Olympus VN-7000, einem einfachen Notetaker. Auch das Olympus DM-650 versagt wie auch bei der Atmoaufnahme. Durch die automatische Aussteuerung und insgesamt recht viel Rauschen wird es der Dynamik der Musik nicht gerecht. Die Aufnahme wirkt verloren und "fällt auseinander", es flirrt und rauscht in leisen Passagen. Ebenfalls im Vergleich deutlich hinten liegt die Aufnahme des Zoom H1. Hier hätten wir mehr erwartet. Die Aufnahme klingt dumpf und weit weg. Einer unserer Tester notiert: "Hat jemand einen Deckel vor das Mikrofon gehalten?"

Das breite Mittelfeld erzeugt durchweg guten Aufnahmen der Situation. Die Aufnahmen sind fehlerfrei und klar. Im direkten Vergleich zu unseren Favoriten jedoch nicht so trennscharf, der Raum wirkt vergleichsweise etwas eng. Bass und Pauken können in lauten Passagen nicht ganz so gut differenziert werden. Hier verorten wir den Tascam DR-40, Tascam DR-07MKII, Zoom H4n und das Sony D-50, dem wir deutlich mehr zugetraut haben. Die Plätze 4 und 3 belegen auf Basis dieser Aufnahmen das Olympus LS-3 und LS-5.

Wirklich überzeugt haben uns die Aufnahmen des Zoom H2n und des Roland R-26 - das hat uns völlig überrascht. Diese beiden haben auf hohem Niveau präzise Instrumentenabbildungen hervorgebracht und dabei sehr rauscharm und ausgewogen aufgezeichnet. Der Roland ist "knackscharf" und äußerst präzise. Das Zoom H2n ist etwas gefälliger, klingt weicher - aber das ist eine Geschmacksfrage. In jedem Fall haben sich beide Rekorder damit zu Recht das Siegel "Musiksieger 2011" verdient.

Selbstkritik

Wir haben lange kontrovers über das Ergebnis diskutiert. Es hat uns verwundert, dass der Roland und das Zoom, die im Atmotest nicht so gut abgeschnitten haben, so weit vorne lagen. Wir gönnen es den Siegern wirklich von Herzen, haben uns aber gefragt, wie weit die Mikrofonausrichtung das Ergebnis mitbewirkt hat. Im Zuge der "Gleichberechtigung" haben wir die Mikrofone möglichst auf 90Grad gestellt. Deutlich wird jedoch auch: eine breite Mikrofonausrichtung ist dem Setting einer Orchesteraufnahme deutlich angemessener. Für uns bleibt die Vermutung, dass wir durch die vermeintliche Gleichberechtigung einigen Rekordern unter Umständen nicht voll gerecht wurden. In unserem Test hat das Zoom H2n mit MS Recording aufgenommen (mehr Stereo), das Sony D-50 aber in 90Grad Stellung, was die Aufnahmen flacher wirken lässt. Auch der Roland hat seine 4 Mikros zusammen eingesetzt und somit einen eventuell entscheidenen Vorteil. Sie merken, wir wollen es genau Wissen - leider bedeutet das deutlich mehr Arbeit für uns: Wir werden eine zweite Konzertaufnahme in den nächsten Monaten vornehmen und die Mikrofone wo immer möglich auf Wide/120Grad/MS... schalten. Wenn sich dadurch keine Änderung der Reihenfolge ergibt, ist das Ergebnis wasserdicht.

Zusatz 18.01.2012: Wir haben uns nun die Mühe gemacht, den Test zu wiederholen. Alle Ergebnisse dazu (sie bestätigen weitgehend die hier vorliegenden Testsieger), finden Sie hier: http://www.audiotranskription.de/test-2011-update

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Preis-/Leistungssieger

Bei der Suche nach dem Preis-/Leistungssieger haben wir verschiedenen Aspekte berücksichtigt. Zum einen natürlich die Testergebnisse und Aufnahmequalität. Zum anderen aber auch den Preis, das Handling und Rückmeldungen von AnwenderInnen. Das Olympus LS-5 liegt bei allen Tests immer im vorderen Drittel, es ist sehr gut verarbeitet (besser als die meisten Mitbewerber) und hat bisher keine Garantiefälle bei uns gezeigt. Im Klang ist das LS-3 ein kleines bißchen schlechter (nicht so feine Höhen und dadurch nicht ganz so plastisch), es ist aber kleiner und leichter und verfügt über eine Ladefunktion für die Akkus gleich im Gerät - das spart Kosten. Wir würden das LS-5 eher dann empfehlen, wenn  Musik- und Atmoaufnahme überwiegen, das LS-3, wenn Sprache überwiegt. Für uns sind auf dieser Basis beide Geräte auf Augenhöhe und bekommen damit zurecht beide den Titel Preis-/Leistungssieger 2011 verliehen.

Das Test-Team

Zu jedem wissenschaftlichen Untersuchungssetting gehört wie immer auch die transparente Darstellung der eigenen Rolle und Position. Nur so können Sie als LeserInnen abschätzen, von welcher Warte aus wir unsere Bewertungen getroffen haben. Dr. Thorsten Dresing und Thorsten Pehl sind Erziehungswissenschaftler. Unsere Kernfähigkeit ist die Aufnahme von Gesprächssituationen zwecks wissenschaftlicher Analyse der Gesprächsinhalte. Wir haben jahrelang Interviews aufgenommen und diese später selbst transkribiert. Etwas, mit dem wir täglich konfrontiert sind, ist das Anhören von Aufnahmen via Kopfhörer. Unser Standpunkt ist folgender: Je besser die Aufnahme, d.h. je besser verständlich und realistischer die Darstellung ist, umso leichter fällt die nachträgliche Transkription und umso leichter kann man sich in die verschiedenen Stimmen einfinden/eindenken. Unser Mitarbeiter David Georgi war zudem lange Zeit im Journalismus tätig und erstellt Reportagen in den Bereichen Sport, Reisen und Natur, die ein besonderes Augenmerk auf die Klarheit von Natur- und Musikaufnahmen legen. Herr Georgi hat daher die Aufnahmen auf ihre Natürlichkeit und Klarheit hin überprüft. Wir haben ganz bewusst auf die Analyse mithilfe von Frequenzkurven oder Rauschabständen verzichtet. Die Entscheidung, ob eine Aufnahme gut oder schlecht ist, treffen wir mit geschlossenen Augen und dem Kopfhörer auf den Ohren. Damit Sie zu jeder Zeit unsere Einschätzungen nachvollziehen können, werden alle Probeaufnahmen hier zum Download angeboten. So finden Sie am leichtesten Ihren persönlichen Favoriten!