Endlich da: Zoom H1

das günstige Einsteigermodell

Auf der Frankfurter Musikmesse stellte Zoom seine neueste Entwicklung, den Zoom H1, vor. Er positioniert sich ganz klar als Einsteigermodell und wird zum Kampfpreis von 99 Euro (inkl. MwSt.) zu bekommen sein. Heute (13.9.2010) sind die ersten Zoom H1 bei uns eingetroffen. Brühwarm hier also unsere ersten Eindrücke, welche Qualität Sie für 99 Euro erwarten dürfen.

Haptik und Verarbeitung

Der Zoom H1 wird als Pocket-Rekorder bezeichnet und ist sehr kompakt (44 x 136 x 31mm). Es liegt gut in der Hand. Der zentrale Aufnahme-Knopf lädt förmlich ein, ihn zu drücken. Leider wackelt er etwas, das Foto hat leicht hochwertigere Erwartungen geweckt. Die seitlichen Schalter liegen, bei rechtshändiger Nutzung, so, dass sie mit dem Daumen angenehm und schnell bedienen kann.

Das Zoom H1 ist größer als gedacht. Auf den Fotos wirkt es klein, ist im Volumenvergleich aber doppelt so groß wie ein DM-450. Vor allem die Tiefe und Höhe machen den Unterschied aus.

Das Material ist in der Tat als "wertig" zu beschreiben (laut Duden meint dies nämlich "einigermaßen hochwertig" *g*)! Die Produktfotos lassen aber dennoch etwas mehr erhoffen als das H1 bei Tageslicht hält. Statt einem photografisch idealisiertem Klavierlack-Look strahlt uns schwarz/silbriges Plastik entgegen - auch der Schutz der Mikrofonkapseln ist Plastik und nicht wie durch Fotos eventuell zu erwartendes Metall. Aber dennoch: es muss nicht immer ein Metallgehäuse sein. Das Gehäuse ist trotzdem stabil.

Die verbauten Schalter an der Seite und Rückwand sind winzig, sitzen aber gut und wackeln nicht. Bei der Aussteuerung während der Aufnahme werden jedoch die üblichen Klackgeräusche produziert. Handgeräusche sind leider deutlich zu hören, der Einsatz für Reportage erscheint damit nur dann möglich, wenn die Finger absolut still gehalten werden (selbst das Lösen des Fingers vom Gehäuse lässt sich auf der Aufnahme hören)

Unseren Sturztest auf Boden aus 1,6 Meter Höhe hat das H1 unbeschadet überstanden. Lediglich der Batteriefachdeckel erscheint uns verlustgefährdet. Auch die Abdeckung des SD-Fachs ist wackelig. Hoffentlich hält die Reparaturabteilung des Herstellers einen großen Stapel Ersatzteile bereit. Die mircoSD Kartenklappe ist bei unserem Gerät direkt bei der ersten Nutzung abgebrochen. Das kann natürlich auch Zufall sein, die Konstruktion erweckt jedoch prinzipiell keinen langlebigen Eindruck.

Bedienung

Menü? Wer braucht ein Menü? Alle Optionen befinden sich über Schalter bedienbar direkt auf dem Gehäuse. Selbst die Umschaltung der Bitrate (von 48 bis 320kbps) lässt sich über einen Schalter regeln. Das ist wunderbar übersichtlich und intuitiv bedienbar. Da reicht es auch aus, dass das Display nicht riesig ist. Es entspricht in der Größe etwa dem des Zoom H2. Hier findet man Informationen über den Eingangspegel, Aufnahmedauer, Aufnahmeformat und Batteriestatus. Der Pegel lässt sich einigermaßen, die laufende Zeit ganz gut erkennen.

Die Aufnahme wird über den zentralen Knopf auf der Vorderseite gestartet und gestoppt. Eine Pausierung der Aufnahme ist nicht möglich. Das Mithören (Monitoring) ist stets eingeschaltet.

Der Batterietest hat gezeigt, dass 11 Stunden mit der mitgelieferten AA Batterie möglich ist. Das ist wirklich gut für den Live-Einsatz.

Man kann das H1 zwar auch zum Hören von Musik verwenden, es verfügt aber nicht über eine Ordnerstruktur und damit wird es rasch unübersichtlich. Eine Navigation gibt es nicht, nur vor und zurückspringen. Hörbuchhören fällt daher nicht in den Anwendungsbereich des H1.

Aufnahmequalität

Zoom gibt an, dass im H1 die gleiche Aufnahmetechnologie wie im Zoom H4n zum Einsatz kommt. Die Aufnahmen sind demgemäß auch bis zu einer Auflösung von 24-bit/96 kHz möglich. Externe Audioquellen und Mikrofone lassen sich genauso anschließen wie Kopfhörer und Verstärker. Ein schaltbarer LowCut-Filter, eine Auto-Justierung des Aufnahmepegels und eine Timestamp-Funktion wurden ebenso in den H1 integriert. Er kann allerdings NICHT als USB-Mikro genutzt werden.

Alle mobilen Rekorder sind anfällig für Griffgeräusche. Das Zoom H1 ist jedoch aufgrund der leichten und kompakten Bauweise hierfür besonders anfällig. Trotz ruhiger Hand oder Stativ reagiert es "nervös" bis empfindlich auf Berührung und Erschütterung.

Sehr träge reagiert die automatische Aussteuerung. Der Aufnahmepegel wird bei  Lautstärkeänderungen nur sehr langsam angepasst. Einen Limiter, der nur in "Notfällen" eingreift sucht man leider vergebens.

Nach unseren ersten Testaufnahmen können wir folgendes feststellen:

Mannomann, der kleine H1 liefert in der Tat gute Aufnahmen. Frisch ausgepackt haben wir die Atmosphäre der Straße vor der Tür eingefangen. Zum Vergleich auch mit dem großen Bruder Zoom H4n. Das Klangbild erinnert sehr an das des Zoom H4n. Deutlich klarer und heller als das Zoom H2, jedoch nicht mit der vollen Brillianz des H4n. Das "Pling" am Beginn der H1-Aufnahme ist übrigens das Geräusch beim Loslassen des Record-Buttons.

Atmo 1

Zoom H1 (download)

Atmo 2 - Vergleich

Zoom H4n (download)

Zoom H1 (download)

Olympus LS-11 (download)

Vergleich Sprache

Zoom H1(download)

Tascam DR-2d (download)

Olympus LS-11 (download)

Olympus DM550(download)

Unsere komplette Besprechung

Zoom H4n (download)

Features und Lieferumfang

Die Speicherung erfolgt auf Micro SD Karte. Unterstützt werden Karten bis 32GB.

Der eingebaute Mini-Lautsprecher ist erwartungsgemäß recht leise aber ausreichend für ein kurzes Kontrollhören.

Im Lieferumfang des Zoom H1 befinden sich eine 2-Gigabyte-microSD-Karte und eine AA-Batterie. Optional wird es für zusätzliche 29,90 Euro ein Zubehör-Set geben. Dieses Set beinhaltet: Netzteil, Tripod, Windschutz, Tasche, USB-Kabel und Mikrostativgriff (siehe unten).

Fazit

Das H1 liefert ein puristisches Gerät, dem es darum geht, für einen minimalen Preis eine unkomprimierte, hochwertige Aufnahmequalität zu liefern. Dies gelingt dem H1 voll und ganz. Das dabei natürlich in einigen Punkten auch Abstriche in Kauf genommen werden müssen, ist nachvollziehbar und war auch nicht anders zu erwarten. Bei allen Mankos liegt einem beim H1 stets ein Satz auf den Lippen: "Bei dem Preis...". Der H1 ist definitiv ein interessantes Angebot.

Der günstige Preis ist immer vor dem Hintergrund der spartanischen Ausstattung zu sehen. Es gibt kein USB-Kabel, keine Tasche, kein Handbuch, keine Software, kein Akku uvm. Zum großen Teil sinnvoll gespart, aber wer beispielsweise noch einen Satz Akkus mit Ladegerät und das Zubehörpaket dazu kauft liegt schon 40-50 Euro höher.

Die Verarbeitung ist im Vergleich zu den Mitbewerbern dieser Preisklasse wie beispielsweise Olympus DM-450 oder WS-750 leider nach wie vor schlechter.

Die Aufnahme ist wirklich ausgesprochen gut und entspricht nahezu dem des H4n. Das wird sicher viele Menschen erfreuen. Dennoch hat man beim Vergleichshören den Eindruck, dass die Höhen weniger ausgeprägt sind und damit die Situation nicht ganz so plastisch dargestellt wird. Das sollten Sie sich vor dem Kauf genau nachhören, und sehen ob es Ihren Ohren gefällt bzw. auffällt.

Wie stark der Hörunterschied zwischen Zoom und den preislich naheliegenden Geräten anderer Hersteller letzlich ist, werden wir noch herausarbeiten - einige Beispiele gibt es weiter oben ja bereits. Ihre Aufgabe als Kunde ist es, sich auf Basis von Hörbeispielen für das für Sie angenehmste Hörerlebnis zu entscheiden. Zudem müssen Sie für sich abwägen, inwieweit Haptik, Größe und Zubehör für Sie entscheidende oder unwichtige Kriterien sind.

Zoom H1 Besprechung in der FAZ vom 10.08.2010

Herr Tunze von der FAZ gehört zu den wenigen Glücklichen, die ein Zoom H1- Vorserienmodell schon in den Händen halten konnten (laut Hersteller gibt es nur 3 Zoom H1, die an verschiedene Pressestellen verteilt wurden). In seinem Bericht beschreibt er das Zoom H1 wie folgt. Zitat: "Mit seinem Kunststoffgehäuse wirkt der H1 natürlich ein bißchen schlicht, ... , doch was der Knirps können muss, das kann er." und weiter heisst es: "Der Hersteller hat nicht zu viel versprochen, das kleine Gerät liefert fast schon verblüffend saubere Aufnahmen mit ungemeiner Detailfreude, natürlichen Klangfarben, einem schönen, weiten Stereo-Panorama und sehr geringem Rauschen."