Zoom H2n

Testbericht zum Stereo-Talent

Zoom H2n Testbericht Einleitung

Mehrere Tage haben wir den Zoom H2n auf Herz und Nieren getestet.

Er ist der Nachfolger des wahrscheinlich am meisten verkauften, digitalen PCM-Aufnahmegerätes in Deutschland: dem Zoom H2.

Der H2n zeigt eine ganze Reihe von (notwendigen) Verbesserungen gegenüber seinem Vorgänger. Dazu gehören eine deutlich  längere Batterielaufzeit, bessere Aussteuerung über Drehrad, eingebauter Lautsprecher und ein größeres Display.

Unser Testbericht zeigt Ihnen unsere Eindrücke, Fotos, Fakten und Hörbeispiele, die wir für Sie aufbereitet haben.

Am 16.11.2011 haben wir den Zoom H2n mit dem Roland R-26 unter 11 Rekordern zum Testsieger für Musikaufnahmen gekürt.

Details dazu hier in unserem Vergleichstest.

Zoom H2n - LineIn

Optik, Verarbeitung und Handling

Der schwarze Klavierlack-Look, die vergoldeten Klinke-Eingänge, das größere Display - all das wirkt erwachsener und hochwertiger als beim Vorgänger Zoom H2. Es ist eine gelungene Evolution.

Wir finden das Retrodesign schick und angemessen umgesetzt, ob einem der Mikrofon-Look gefällt ist Geschmackssache. Dezent ist er jedenfalls nicht.

Der H2n liegt mit 130 Gramm (plus Batterien) gut in der Hand (67.6 (B) x 113.8 (T) x 42.7 (H) mm), es wackeln lediglich 2 kleine Tasten, ansonsten sitzt alles sehr fest. Die Knöpfe haben einen guten Druckpunkt, nur die wichtige Aufnahme-Taste lässt etwas Feedback vermissen (habe ich jetzt gedrückt?). Die Platzierung auf der unteren Kante empfinden wir als ungünstig. Die Aufnahme "aus-der-Hand" wird dadurch leider erschwert, beim Hinstellen auf eine Unterlage lässt sie sich aber gut nutzen.

Wirklich gut ist das neue Aussteuerrad an der Seite, auch wenn es aufgrund der Größe für sehr große Finger nur schwer präzise gedreht werden kann. Wenn man das Gerät in der Hand hält, verdeckt man das Rad leider leicht unbeabsichtigt, Linkshänder sind hier im Vorteil.

Das Zoom H2n ist also eher ein "ich-steh-lieber"-Modell und dass macht er auch mit Bravour. Er steht ohne Stativ stabil auf Gumminoppen auf dem Tisch. Trotzdem besitzt er zusätzlich ein Stativgewinde auf der Unterseite, dass sich an handelsübliche Ministative anschrauben lässt. Im Zubehörpaket gibt es einen Adapter, um das Gerät auch auf einer Mikrofon-Klemmhalterung zu befestigen.

Zoom-H2n-HandyRecorder

Display und Menüführung

Das Display ist groß, hell, kontrastreich und inhaltlich logisch aufgebaut. Die Menüführung ist ähnlich dem Zoom H4n, alle Optionen werden über ein Jog-Wheel an der Seite gesteuert. Hoch-Runterdrehen blättert durch das Menü, drücken des Rades bestätigt. Da das Jog-Wheel sehr leichtgängig ist muss man dabei jedoch recht präzise drücken, um nicht versehentlich weiter zu blättern. Mit ein wenig Übung lässt sich der Druckpunkt aber gut treffen.

Lieferumfang

Das Zoom H2n folgt dem Trend und wird komplett ohne Zubehör geliefert, sogar ohne USB-Kabel. Im Basislieferumfang ist Steinberg WaveLab LE7 als Editiersoftware mit dabei. Zudem liefert Zoom das Gerät mit einer 2GB SD-Karte aus. Ein optionales Zubehörpaket ist für 39 Euro erhältlich und bietet neben Stativ, Tasche, einfachem Windschutz, Kabel und Netzteil auch eine Fernbedienung, die auch Indexpunkte in Aufnahmen setzen lässt und eine echte Pauseoption anbietet. Einen passenden Fellwindschutz für Außenaufnahmen haben wir von Rode gefunden.

Stromversorgung

Der Hersteller verspricht eine Batterielaufzeit von ca. 20 Stunden, was der H2n auch erfüllt. In unserem Batterietest hielten die Akkus (2700mAh) 20,45 Stunden durch. Zwei AA-Batterien sind bereits im Lieferumfang enthalten. Der H2n lässt sich zudem per Netzteil oder USB-Stromversorgung betreiben und so auch als USB-Mikrofon nutzen.

Zoom H2n -Mikrofoneinstellungen

Aufnahmequalität

Spannend ist natürlich welche Aufnahmequalität letztlich "hinten raus kommt". Beim H2n sind wir dahingehend richtig begeistert. Er liefert tolle Aufnahmen, nachvollziehbar an den Testaufnahmen weiter unten.

Erwartbar nimmt das Zoom H2n wahlweise in WAV von 44 KHz 16bit bis 96 Khz 24 bit oder MP3 von 48 bis 320 Kbps auf. Eine direkte Mono-Aufnahme-Einstellung gibt es nicht, man kann aber die MS Einstellung so verändern, dass man in Mono aufnimmt. Das H2n hat einen Limiter und Compressor und natürlich lässt sich das H2n auch wieder als USB-Mikrofon nutzen.

Kontrovers wurde über die Anzahl der Mikrofone diskutiert und informiert. Einige sagten es sind 4 Mikrofone, andere sagten 5 - unsere Information lautet jetzt: 4 Mikrofone mit insgesamt 5 Mikrofonkapseln. Dies ermöglicht umfangreiche Mikrofoneinstellungen, die sich beim H2n über ein kleines Rädchen an der Oberseite einstellen lassen: MS (mid-side-stereo) mit Kugelcharakteristik, XY, 2 CH und 4 CH, bei letzterer werden zwei getrennte WAV-Dateien angelegt. Das Rädchen selbst ist etwas schwer, am besten mit dem Daumen zu drehen und signalisiert via Lämpchen die entsprechende Wahl.

Neu ist im H2n ein sogenanntes Mid-Side Recording. Hier kommen das unidirektionale Mittenmikrofon und die bidirektionalen Seitenmikros gleichzeitig zum Einsatz. Im Menü des H2n lässt sich die Aussteuerung der Seitenmikros anpassen und so die Charakteristik der Stereobreite verändern. Wenn man im unkomprimierten PCM-Modus aufzeichnet, geht das auch im Nachhinein.

Der Mikrofon/Line-Input ist leider kein "echter" Line-Eingang, hier muss man also niedrig auspegeln!

Testaufnahmen

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Welche Mikrofoneinstellung bewirkt was uns welche nehme ich für meine Aufnahme? Wir haben hier die gleiche Situation (Verkehr auf der Autobahn) mit verschiedenen Mikrofoncharakteristika aufgenommen.

Die Schnittmenge zwischen linkem und rechtem Kanal wird besonders hervorgehoben. Das Ergebnis: Man erhält Aufnahmen, die besonders das Zentrum betonen. Vorteilhaft ist dies zum Beispiel für Reportagen, eher ungeeignet, wenn einzelne Geräuschquellen differenziert dargestellt werden sollen.  In der Probeaufnahme deutlich hörbar: Die Autos links und rechts sind sehr weit weg, zentral ist das Grundbrummen des Verkehrs.

Vergleichsaufnahmen

Bei einem Preis von 199 Euro lassen wir das H2n in einem ersten Vergleich gegen unsere aktuelle Preis-Leistungs-Empfehlung Olympus LS-5 antreten. Hier einige Situationen zur Einschätzung der Klangcharakteristik der beiden Geräte:

Bürogespräch

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Zoom H2n (2CH)

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Olympus LS-5

Hier kann das Zoom H2n die Stärken seines 2CH-Modus voll ausspielen. Beide Gesprächspartner klingen beim H2n sehr nah "am Geschehen", man kann die Position sogar klar zwischen "vorne" und "hinten" differenzieren. Das LS-5 wirkt hier eher weiter weg.

Ampelsignal

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Zoom H2n (2CH)

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Olympus LS-5

Das Zoom H2n liefert eine detailreiche Aufnahme mit recht bassigem Timbre. Hier klingt das LS-5 für unser Empfinden weicher und ausgeglichener. Aber: Der Wind, den man auf dem LS-5 hört, kann der Aufnahme des H2n nichts anhaben. Das ist ein deutliches Plus des H2n in Punkto Wind(un)empfindlichkeit.

Grillen

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Zoom H2n (2CH)

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Olympus LS-5

Das Zoom H2n liefert eine schöne Aufnahme mit weitem Raumeindruck. Bei der präzien Abbildung der Grillen kann das LS-5 jedoch Trumpfen, das Zirpen wirkt hier deutlich differenzierter. Am Anfang der Aufnahme hörbar: Griffgeräusche am H2n. Diesbezüglich ist das Gerät recht empfindlich.

Klanggarten auf der Bundesgartenschau 2011

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Zoom H2n (2CH)

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Olympus LS-5

Hier können die Rekorder sich in Punkto Raumweite beweisen.

Regen

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Zoom H2n (XY)

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Olympus LS-5

Regenaufnahmen eignen sich wunderbar, um zu prüfen, wie differenziert ein Rekorder zwischen dem allgemeinen Regenrauschen/-plätschern und den einzelnen Tropfen differenzieren kann. Achten Sie auf die einzelnen Tropfen im Vordergrund.

Weitere Funktionen

Der Zoom H2n zeichnet sich durch einen spannenden Funktionsumfang aus: ein Tiefpassfilter, Kompressor/Limiter, Auto-Gain, Pre-Rec, Auto-Rec, Tuner, Metronom, variable Abspielgeschwindigkeit, Key-Control, A-B-Wiederholung, Dateisplittung, Normalisierung, MP3-Post-Encodierung, Marker und Surround-Mixer.  Endlich: Es gibt einen integrierten Lautsprecher (allerdings wirklich leise), den man beim Vorgänger noch vermisst hatte.

Fazit

Respekt! Das H2n liefert einen sehr tollen Klang. Dass H2n ist ein sehr ansprechendes und empfehlenswertes Aufnahmegerät, dass den Vergleich zu anderen nicht zu scheuen braucht. Vor allem die 2CH Aufnahme wirkt natürlich und differenziert mit tollem Raumgefühl.

Die Bauform des H2n sehen wir im Team kontrovers, hier stehen sich Einschätzungen von  "klobig/unhandlich" und "schön stabil" gegenüber. Wer ähnliche Aufnahmequalität in kompakterer Hülle sucht, sollte sich das etwa preisgleiche Olympus LS-14 anschauen.

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