Qualitative Inhaltsanalyse – Diese drei einfachen Elemente gehören in einen Ergebnisbericht.

In der Methodenliteratur zur Qualitativen Inhaltsanalyse wird sehr ausführlich über Codieren, Segmentieren etc. geschrieben, aber was beinhaltet eigentlich ein Ergebnisbericht?  Hier möchte ich dir zeigen, welche Elemente ein Ergebnisbericht typischerweise umfasst, um dir eine Vorstellung vom Endziel des Prozesses zu geben.

Grundelemente eines deskriptiven Ergebnisberichts

Ein Ergebnisbericht in der qualitativen Forschung sollte mindestens drei wesentliche Elemente enthalten:

  1. Codedefinitionen: Hierbei definierst du die verwendeten Codes. Diese Definitionen sind wichtig, um zu zeigen, dass die Ergebnisse im Material begründet sind und dass systematisch gearbeitet wurde.
  2. Erläuterung von Zusammenhängen: Dieses Element dient dazu, die Beziehungen zwischen den verschiedenen Codes und den Daten zu erklären.
  3. Erläuterung von Ausprägungen: Hierbei werden die spezifischen Eigenschaften oder Variablen innerhalb eines Codes, oft gestützt durch Belege oder Beispiele aus dem Datenmaterial, dargestellt.

Beispielhafter Ausschnitt eines Ergebnisberichts

Schauen wir uns mal folgenden Ausschnitt aus einem Codesystem an:

Beispielcodes für den Ergebnisbericht

Es handelt sich um einen Hauptcode mit drei Untercodes, also mit drei Ausprägungen. Die Beschreibung kann nun beim Hauptcode beginnen:

Beschreibung des Hauptcodes

Text Erläuterung
1 Grundhaltungen
Unter der Kategorie „Grundhaltungen“ haben wir die Einstellungen und Herangehensweisen erfasst, die längerfristige Orientierungen gegenüber dem Lerninhalt zum Ausdruck bringen. Hier wird das Thema definiert.
Als Grundhaltungen lassen sich „Ambition“, „Pragmatismus“ und „Angst“ erkennen. Hier werden die Ausprägungen (in diesem Fall die Untercodes) vorgestellt…
Die Grundhaltungen der Studierenden sind sehr unterschiedlich, sie schließen sich nicht gegenseitig aus, vielmehr ist bei vielen Personen eine Gemengelage mehrere Grundhaltungen zu finden. und Zusammenhänge dieser Ausprägungen erläutert

Beschreibung der Subcodes

Dieses Prinzip wird nun für alle Unterpunkte weiter verfolgt. Auch bei den Untercodes kommen die gleichen Grundelemente zum Einsatz. Es gibt nur den kleinen Unterschied: So wie man bei Hauptcodes die jeweiligen Subcodes als Ausprägung erläutert, können beim Subcodes die Zitate erläutert und belegt werden. Picken wir uns als Beispiel den Unterpunkt “Ambition” heraus:

Text Erläuterung
1.1 Grundhaltung – Ambition
Personen, die dieser Grundhaltung Ambitionen zugeordnet werden, zeichnen dich durch den Anspruch aus, die Veranstaltung möglichst gut zu absolvieren. Der Erfolgsanspruch unterscheidet die Grundhaltung „Ambition“ von der Grundhaltung „Pragmatismus“. Hier wird der Unterpunkt definiert.
Die Definition beinhaltet hier sogar Kriterien zur Abgrenzung von anderen Codes.
Sie sind bereit hierfür Zeit und Arbeit außerhalb der Veranstaltung zu investieren. Hier werden Zusammenhänge erläutert, z.B.  mit anderen Codes (in diesem Beispiel “Zeitaufwand”)
Das kommt beispielsweise in folgendem Zitat zum Ausdruck: „B1: ich schlage das zuhause immer nochmal nach“ (Interview 1, Abs. 22) Erläuterung der Auspägung  anhand eines Zitats als Beleg.

(Die Beispiele sind sehr frei nach: Kuckarz, Dresing et.al. Qualitative Evaluation. 2008 S.100ff übernommen und wurden didaktisch verkürzt und bearbeitet.)

Beim Arbeiten am Material bereits an den Bericht denken.

Es ist wichtig, dass du nicht nur am Ende des Forschungsprozesses über die Ergebnisse nachdenkst, sondern bereits während der Arbeit am Material. Denke daran, dass Analyse und Berichterstattung parallel verlaufen sollten. Jede Unklarheit bei der Zuordnung von Textstellen zu Codes, jede Besonderheit in den Zitaten und jede festgestellte Diskrepanz zwischen verschiedenen Gruppen sollte sofort in Memos festgehalten werden. Diese Memos liefern wertvolles Material für deinen Ergebnisbericht.

Abschluss und Export

Zum Abschluss deiner Analyse bereitest du das Material für den Ergebnisbericht vor. Du kannst alle Kommentare, zugewiesenen Textstellen und Memos exportieren, die als Grundlage für den Bericht dienen. Dieser sollte nicht nur die Ergebnisse darstellen, sondern auch deine methodische Herangehensweise und die Reflexion über den Forschungsprozess beinhalten.

Weiterführende Literatur

Für eine tiefergehende Auseinandersetzung mit dem Thema Ergebnisbericht empfiehlt sich das Werk „Qualitative und Interpretative Sozialforschung“ von Jo Reichertz. Dort findest du speziell im Kapitel 5.6 wertvolle Hinweise. Das Buch “Qualitative Evaluation” von Kuckartz, Dresing, Rädiker und Stefer bietet nicht nur Einblicke in die verschiedenen Phasen eines konkreten Projekts, sondern auch in den daraus resultierenden Ergebnisbericht.

 

 

Grundlagen zur qualitativen Analyse findest du z.B: in folgenden Blogbeiträgen:

Qualitative Inhaltsanalyse; nach Mayring oder nach Kuckartz?

Warum qualitative Interviews?

Qualitative Interviews führen; 4 grundlegende Tips

 

Weitere zitierfähige Hilfestellungen gibt´s in unserem kostenfreien Praxisbuch (PDF Download)

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